Kevelaer: Kevelaers kleines Jazz-Mekka
VON NORBERT HEMMERSBACH - zuletzt aktualisiert: 24.01.2012Kevelaer (RP). Geheimtipp in Sachen Musik: Im "Goldenen Löwen" geben sich regelmäßig erstklassige Bands die Klinke in die Hand. Die Fans reisen teilweise aus der ganzen Republik an. Die RP hörte am Wochenende mal rein.
Um acht fing das Konzert an – der "Goldene Löwe" war aber schon um sieben Uhr voll. Das ist in dem wunderschönen alten Bau an der Amsterdamer Straße aber keine Seltenheit. Denn einen Vorverkauf gibt es hier nicht. Wer nicht pünktlich da ist, schaut halt in die Röhre. Und wer aus den benachbarten Niederlanden oder anderen Bundesländern anreist – und das sind nicht wenige Fans an diesem Abend – ist sowieso frühzeitig vor Ort.
Denn es lohnt sich an diesem Abend. Schließlich ist die Bühne frei für die "Boogie-Connection"aus Freiburg, die pünktlich anfängt und der anzumerken ist, dass sie sich freut, wenn sich das Publikum über ihr Kommen freut.
Zutreffend beschreiben die Musiker später die Vorzüge der Stadt, in der sie schon mehrmals gastierten. Als sie zum Schluss ein vom Hotelbesitzer besonders geschätztes Lied ankündigen, hätte Theo Baers an seiner typisch französischen Bar wohl gerne einen "Bloody Mary" gekostet.
Jedenfalls dauert es keine zehn Sekunden, da haben Thomas Scheytt, Christoph Pfaff und Hiram Mutschler das Publikum mit alten Krachern und einem Blues aus den mittleren Jahren fest im Griff, scheinbar ohne spielerische Anstrengung. Jeder Ton, jeder Schlag passt beim Boogie, der sehr frisch klingt. Bei einigen Stücken spielen sie den Blues romantisch wie zu besten Zeiten, singen den guten alten Rock'n'Roll wild und laut – es ist einfach gut. Alles sprüht vor Energie und fordert die Musiker heraus, sich improvisierend zu verausgaben.
Als sie schon vieles herausgepresst haben, spielt Christoph Pfaff auf der Mundharmonika so naiv und so fromm, dass man schlucken und fast weinen muss. Und so ist die Stimmung auf der Bühne wie im Saal von der Magie des gelungenen Zusammenspiels erfüllt. Ganz sicher wird sich das Konzert wiederholen. Das muss einfach.
Auf die mittlerweile grau gewordenen Fans, die das Hotel bevölkern, kann man sich verlassen. Die sitzen in kleinen Sesseln, bestellen sich ein Pils oder einen Kaffee und wirken ziemlich cool: Viele von ihnen kennen schließlich die Rock-Historie aus der Jugendzeit und haben mit dieser Musik gelebt.
Was uns zum zweiten Fixpunkt des Abends im "Goldenen Löwe" bringt – der Musik. Denn es gab viele Momente, da musste man vor allem den Boogie und den Blues lieben (natürlich auch die Musiker). Denen war es ein Leichtes, das Publikum endgültig davon zu überzeugen, dass sie den Saal auch beim nächsten Mal ohne weiteres wieder vollkriegen.
Als die letzten Töne der Mischung aus Rock, Blues, Boogie und Soul verklungen sind, stehen auf der Bühne des Hotels drei Musiker, die dem Publikum einen sehr schönen Abend mit zahlreichen Zugaben beschert haben.
Einen anderen Wunsch hatten Irmgard und Theo Baers vom "Goldenen Löwen" übrigens auch nicht.
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