Kevelaer: Magische Rock-Tour
VON MICHAEL KLATT - zuletzt aktualisiert: 02.07.2008Kevelaer (RPO). Die neue Ausstellung im Kevelaerer Konzert- und Bühnenhaus ist nicht nur etwas für Nostalgiker. Sie zeigt, dass berühmte Musiker ebenso ernst zu nehmende Maler sind und waren.
Das weiße Kaninchen ist überall. Es sitzt an einem Piano, rennt hinein ins Wunderland, schaut einen fast lebensgroß und auf den Hinterläufen stehend an. Zu der optischen Präsenz kommt die akustische: „White Rabbit“ klingt als Konzertmitschnitt durchs Konzert- und Bühnenhaus. Grace Slick singt diesen Song, einen der bekanntesten von „Jefferson Airplane“ – genau die Frau, die auch die ganzen Kaninchen gemalt hat.
Siebte Zusammenarbeit
„The Tour of ’67 – Musiker als Künstler“, korrekt wohl „als bildende Künstler“, heißt die Ausstellung, die in Kevelaers guter Stube gestern Abend eröffnet wurde. Es ist die siebte Zusammenarbeit der städtischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft und der ExtraMax GmbH des Kranenburger Galeristen Georg Friedrichs. Sie zeigt, dass die Rockgrößen der 1960er und 1970er Jahre als Maler ebenso ernst zu nehmen sind und waren wie als Sänger, Gitarristen, Bassisten und Schlagzeuger. Viele haben Kunst oder Design studiert. Bei Ron Wood zum Beispiel ist das Malen dem Musizieren gleichberechtigt.
Öffnungszeiten
Wanderausstellung Die Ausstellung war bereits im britischen Liverpool, der Wiege des Beat, zu sehen und wurde für Kevelaer leicht verändert.
Dauer Zu sehen ist das Crossover-Projekt aus Malerei und Musik bis zum 10. August an jedem Tag von 11 bis 19 Uhr.
Katalog Ihn gibt es bislang nur in englischer Sprache, eine deutsche Ausgabe folgt.
Eintritt beträgt 7,50 Euro.
Internet Mehr Informationen rund um die Ausstellung gibt es unter www.kevelaer.de
Neun „Schauzimmer“ sind im Konzert- und Bühnenhaus aufgebaut, jedem Artisten ist eines gewidmet. Nicht zu übersehen sind die großen Acrylarbeiten von Miles Davis. Der Jazz-Trompeter kommt mit „Penetration“ abstrakt daher, zeigt „Josephine Baker“ als geschmeidige Tänzerin und in „The kiss“ ein Paar innig verschmolzen. Wood hat viele Musikerkollegen in Siebdrucken und Radierungen festgehalten, darunter natürlich seine Kumpels von den „Rolling Stones“.
Gegen seine Farbenpracht und die kraftvollen Flächen Slicks wirken die Striche von Janis Joplin fast schüchtern. Jimi Hendrix ist mit drei querformatigen Landschaften vertreten, deren Liebreiz in schroffem Gegensatz steht zu seiner zerschmetterten „Blue woman“.
Die Bühne ist den „Beatles“ vorbehalten. Drummer Ringo Starr hat Gesichter grobschlächtig, aber humorvoll gestaltet. John Lennon kann auf Fotos und Lithographien nicht ohne seine Yoko Ono, hat sich aber auch selbst mit einem Anflug von Ironie dargestellt, zum Beispiel 1965 als „Sherlock Lennon“.
Und dann ist da der Deutsche Klaus Voormann, der in der Frühzeit der Pilzköpfe als Bassist mit von der Partie war. Er hat Szenen mit den Beatles in Hamburg festgehalten. Auch das von ihm entworfene Plattencover zu „Revolver“ ist zu sehen.
Es ist eine lohnende Zeitreise nicht nur für Rock-Nostalgiker. Dass der Musikerquerschnitt noch ausgeweitet wird, ist den Fotos von Robert Knight zu verdanken. Er hat Led Zeppelin, Elton John, Eric Clapton und andere auf der Bühne in Aktion abgelichtet.
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