Weeze: Mitarbeiter machen mobil
VON STEFAN GILSBACH - zuletzt aktualisiert: 25.04.2009Weeze (RPO). Arbeitnehmer, die am Flughafen Weeze tätig sind, machen seit Freitag mit einer Unterschriftenaktion auf ihre Angst vor einem Ryanair-Rückzug aufmerksam. Für die kommende Woche ist ein Sitzstreik im Terminal geplant.
"Wir haben uns gesagt: Etwa müssen wir doch tun", sagt Karin Gertzen. Die Gocherin arbeitet für ein Taxi -Unternehmen am Airport Weeze. Sie ahnt: Wenn Ryanair die Ankündigung, sich vom Airport Weeze zurückzuziehen, wahr macht, ist auch ihr Job in Gefahr. Mit einer Kollegin kam ihr die Idee, eine Unterschriftenaktion zu starten. "Solidarität mit dem Kreis Kleve" ist eine der Listen unterschrieben. Auch mit einem Transparent ist Karin Gertzen ausgerüstet. "Für den Airport" steht darauf.
Auch Wolfgang Peters unterstützt die Aktion. Der Weezer arbeitet am Airport für die Park-Service-Firma Apcoa. In den vergangenen Tage wurden bei ihm Erinnerungen an die V-Bird-Krise vor fünf Jahren wach, als der Airport ins Trudeln kam. Damals hatte Peters hier gerade einen Job bekommen. "Und nach sechs Wochen Probezeit konnte ich wieder gehen", erzählt der Weezer. Nun hat er Angst, dass auch seine zweite Job-Chance am Flughafen scheitert.
Neue Genehmigung
Beim Oberverwaltungsgericht Münster ist bisher keine geänderte Betriebsgenehmigung für den Airport Weeze eingegangen. Die Bezirksregierung Düsseldorf bezeichnet es gestern als "theoretische Möglichkeit", eine solche anzufertigen.
"Entschieden ist da aber noch nichts", betonte Sprecher Bernhard Hamacher. Es werde derzeit jedoch geprüft, "ob wir das machen sollen und welchen Erfolg das haben könnte".
"Wir kämpfen nicht nur für uns"
Kein Wunder, dass Peters auf die Beschwerdeführer vor dem OVG nicht gut zu sprechen ist. "Das sind Leute, die sich keine Sorge um ihre Zukunft machen müssen", sagt er bitter. Für ihn gilt das nicht. Peters ist verheiratet, hat zwei Kinder. Er ist 46 Jahre alt. Über das, was auf ihn zukommt, wenn er den Job verliert, macht er sich keine Illusionen: "Langzeitarbeitslosigkeit."
Auch Karin Gertzen hat Angst, bald vor dem Nichts zu stehen. Sie ist 48 Jahre alt, alleinstehend. "Für mich bleibt dann wohl nur Hartz IV", sagt sie. "Irgendwie muss ich ja die Miete bezahlen." Noch will die Taxi-Fahrerin aber nicht aufgeben. Sie ist überzeugt, dass die meisten Menschen in der Region hinter ihr stehen. "Wir kämpfen ja hier nicht nur für uns und für unsere Jobs", sagt sie. "Den Leuten muss klar werden, dass es auch um ihre Kinder geht. Um die Jugendlichen, die jetzt 15 oder 16 Jahre alt sind, die einmal hier im Kreis Kleve Arbeit finden möchten."
Seit Freitagmorgen liegen die Unterschriftenlisten im Airport-Terminal aus – an Firmenschaltern, im Restaurant, an der Infothek. Rund 150 Menschen hätten bereits unterschrieben, sagt Karin Gertzen am frühen Nachmittag. Bis Dienstag sollen es tausend Unterschriften werden. "Wir haben gehört, dass der Chef von Ryanair am Mittwoch kommen soll", sagt Gertzen. "Dem möchten wir die Liste überreichen." Bislang ist ein Besuch von Michael O'Leary in Weeze allerdings nur ein Gerücht. "Mir ist davon nichts bekannt", sagt Airport-Sprecher Holger Terhorst. Auch Ryanair-Sprecherin Anja Seugling, die sich noch einmal in Dublin vergewisserte, erklärte Freitag, solche Pläne gebe es nicht.
Karin Gertzen und ihre Mitstreiter haben aber noch andere Ideen für den kommenden Mittwoch, jenen Tag, an dem das Ryanair-Ultimatum auslaufen soll. Dann wollen die Betroffenen mit einem Sitzstreik im Terminal auf ihre Sorgen aufmerksam machen.
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