Kevelaer: Niers-Renaturierung stockt
VON STEFAN GILSBACH - zuletzt aktualisiert: 16.03.2011 - 11:40Kevelaer (RPO). Eigentlich sollte der naturnahe Umbau des Flussabschnittes bei Wetten in diesem Jahr erfolgen. Doch die Finanzierung ist an den Bau der OW 1 gekoppelt. Derzeit prüft die Bezirksregierung die Pläne des Niersverbandes.
Einst wurde sie aufwändig begradigt, nun wird die Niers Stück für Stück wieder in einen naturnahen Zustand versetzt. Was bei Pont schon umgesetzt wurde, die Renaturierung des Flusslaufs, ist auch für den Abschnitt südlich von Wetten vorgesehen. Offiziell läuft dieses Projekt unter dem Namen "Binnenheide".
"Eigentlich hätten wir gerne in diesem Jahr begonnen", sagt Engelbert Denneborg vom Niersverband. Doch noch herrscht Unklarheit über die Finanzierung. Es war geplant, dass die Renaturierung eine Ausgleichsmaßnahme für die Fortsetzung der OW 1 sein sollte. Einen großen Teil der Kosten hätte so der Straßenbauträger bezahlt.
Die Niers
Die Niers ist von der Quelle bei Erkelenz bis zur Mündung nahe Gennep rund 113 Kilometer lang. Sie fließt durch ein Tal, das in prähistorischer Zeit durch den Rhein geschaffen wurde. Dieses Tal wurde vor rund 200 000 Jahren durch Gletscher nach Westen verschoben. Die natürlichen Quellen des Flusses sind längst durch den Braunkohle-Tagebau versiegt, daher wird am Oberlauf inzwischen Wasser zugeführt.
Doch bekanntlich ist die OW 1 derzeit kein Projekt, das beim NRW-Verkehrsministerium oberste Priorität genießt – auch wenn Minister Harry Voigtsberger jüngst bei seinem Besuch in Kevelaer versprochen hatte, sich um das Thema zu kümmern.
"Die Pläne sind da"
Immerhin: Die Unterlagen zum Planfeststellungsverfahren liegen bei der Bezirksregierung Düsseldorf bereits vor. "Die Pläne sind da, ihre Genehmigungsfähigkeit wird zurzeit geprüft", bestätigt Jennifer Spitzer, Sprecherin der Bezirksregierung. Dies werde voraussichtlich noch ein paar Wochen dauern.
Doch was, wenn das Vorhaben OW 1 weiter warten muss? Wird auch die Renaturierung der Niers aufgeschoben? Beim Niersverband macht man sich zumindest Gedanken über Alternativen. "Es wäre möglich, die Renaturierung vom Bau der OW 1 abzukoppeln", denkt Engelbert Denneborg laut nach.
Bei einer solchen "normalen" Maßnahme könnten immerhin Fördergelder vom Land fließen, durch die sich 80 Prozent der Kosten decken ließen. Die Kosten werden vom Niersverband auf rund 1,5 Millionen Euro geschätzt, die Dauer der Arbeiten auf fünf bis sechs Wochen.
Ähnlich wie in Pont wäre die Renaturierung nicht nur ein Gewinn für Flora und Fauna, sondern auch für Menschen, die Naherholung suchen. Die Fläche ist etwa 17 Hektar groß und bereits überwiegend im Besitz des Niersverbandes.
Der Fluss war seit dem Ende des 19. Jahrhunderts zunehmend kanalisiert worden. Dadurch nahm die Artenvielfalt in der Niers deutlich ab, hinzu kam eine starke Belastung durch Abwässer der Industrie. Auch die Strecke südlich von Wetten ist bis heute durch einen schnurgeraden Verlauf des Flusses geprägt.
Überlegungen, die Niers wieder naturnaher zu gestalten, gehen bis in die 80er Jahre zurück. Das Niers-auenkonzept, das 1997 vorgestellt wurde, sieht vor, langfristig 40 Prozent des Niersufers zu verändern. Dieses Konzept ist auf 35 Jahre angelegt.
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