Weeze: Retter üben mit altem Zug
VON ANJA SETTNIK - zuletzt aktualisiert: 13.06.2009Weeze (RPO). Die Firma BOTC, die in Boxmeer und auf dem Weezer Flughafengelände Trainingszentren für die Feuerwehr betreibt, kann jetzt auch Bahnkatastrophen inszenieren. Ein Tieflader brachte Lok und Waggon an den Niederrhein.
Die Nachfrage
Die niederländischen Einheiten von Polizei und Feuerwehr verfügen über Budgets, die sie selbst verwalten dürfen. In Deutschland läuft so etwas übers Innenministerium oder andere Behörden und braucht entsprechend viel Zeit. Grundsätzlich wachse jedoch auch hierzulande das Interesse am realitätsnahen Üben, versichert Buil.
Die überwiegend niederländischen Polizisten, Feuerwehrleute und Sanitäter, die bei BOTC auf dem Weezer Flughafengelände den Ernstfall proben, können künftig an noch mehr niederländischer Ausstattung den Ernstfall üben: Ein kompletter Zug – Triebwagen mit Waggon – wurde Freitag auf frisch verlegte Schienen gesetzt. Die eisernen Führungen hatten ebenso ausgedient wie die E-Lok samt Anhänger, die die Eisenbahngesellschaft des Nachbarlandes kürzlich ausmusterte. Ab sofort können Rettungstrupps sehr realitätsnah die Bewältigung von Bahnunglücken proben.
52 Meter lang
Jürgen Buil erklärte der RP, dass der Zug bei Weert von den Schienen gehoben und dann per Schwerlaster nach Weeze gebracht worden sei. "Der Zug ist insgesamt 52 Meter lang und 87 Tonnen schwer. Er wurde in zwei Teile zerlegt antransportiert. Fahrbereit ist das Gespann zwar nicht mehr, ansonsten aber von innen unverändert." Viele Szenarien sind denkbar: Unfälle an Bahnübergängen, Geiselnahmen, das Auftreten von Schweinegrippe – zahlreiche Situationen, die tatsächlich vorkommen könnten und besser gemanagt werden können, wenn sie zuvor geübt wurden. Auf den 100 Meter Schienen, die verlegt wurden, kann der Zug hin und her geschoben werden. Zwei Kesselwagen, die mit gefährlichen Gütern beladen sein könnten, sind in einer Art Güterbahnhof abgestellt. Klar, dass es auch Signale und Schranken gibt. "Wir haben uns intensiv mit Fachleuten der niederländischen Bahn besprochen, um die Situationen so alltagsnah wie möglich darzustellen", sagt Buil. Inzwischen können die Kunden nicht nur Brandbekämpfung an echtem Feuer in echten Gebäuden trainieren, sondern auch Pkw-Unfälle auf einem Stück nachgebauter Autobahn versorgen. In die Massenkarambolagen können Busse, Tanklastfahrzeug und andere Lkw eingebunden werden.
Einen Wunsch haben die Verantwortlichen von BOTC noch: Sie möchten gerne im Bereich des ehemaligen Schwimmbads der Royal Air-Force ein altes Binnenschiff zu Wasser lassen, um anbieten zu können, auch Unglücksfälle im nassen Element zu üben. Aber wie sollte das mächtige Wasserfahrzeug von Boxmeer nach Weeze kommen? Einen Kanal zu graben wäre zu aufwändig, scherzt Buil. Und die Reise auf dem Landweg wäre extrem aufwändig,
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