Weeze: Rund um das warme Wasser (Balaton/Ungarn)
VON MICHAEL KLATT - zuletzt aktualisiert: 02.01.2009 - 14:46Wer seinem Körper Gutes tun will, ist im und am Plattensee (Balaton) gut aufgehoben. Eines der touristischen Zentren Ungarns lässt sich in der Vorsaison noch besser genießen: Die Natur ist noch schön grün – und die Besucherströme sind noch nicht so massiv, dass kaum noch Ruhe bleibt.
Wer öfter Ryanair fliegt, kennt die Fanfare nach der Landung schon: Tätärätätä – wieder ein pünktlicher Flug. In diesem Fall sogar überpünktlich. 20 Minuten vor der planmäßigen Zeit setzt die Boeing auf dem Balaton-Airport auf.
20.30 Uhr: Das Gepäckband ist in dem übersichtlichen Terminal schnell gefunden – das Gepäck auch. Beim Verlassen des Gebäudes wittert die Nase ungewohnte Gerüche. Der Duft von Akazien, die in dieser Gegend häufig vorkommen, liegt im Frühling am Balaton in der Luft. Die Fahrt zum Hotel in Zalakaros, etwas südwestlich vom Balaton, und das Abendessen dort schließen den Sonntag ab.
Montag, 10 Uhr: 19 Grad beträgt die Wassertemperatur des Balaton Ende Mai. Wem der See zu kalt ist, lässt sich zum Beispiel im Heilbad Gránit in Zalakaros (www.bad-zalakaros. hu) in körpertemperierte Fluten sinken. 1962 eröffnet und bis 2005 Schritt für Schritt erweitert, ist die Einrichtung heute eines der Kurzentren der Region West-Balaton. Sitzbecken mit Heilwasser und Gegenstromschwimmbecken bieten Gelegenheit, die Zeit zu vergessen. Schwefelduft ist so allgegenwärtig wie die mehrsprachigen Verund Gebotsschilder (Deutsch rangiert nach Ungarisch eindeutig an Position zwei). Mangan, Eisen und Magnesium sind neben Schwefel einige weitere Inhaltsstoffe im Wasser.
Der Flughafen
Der Flughafen von Sárméllék, rund zwölf Kilometer westlich vom Westufer des Balaton gelegen, hat eine ähnliche Geschichte hinter sich wie der Flughafen in Weeze. Zunächst wurde er von den Ungarn, später von den Sowjets als Militärstützpunkt benutzt. Seit 1991 ist er ein ziviler Airport. Die Landebahn ist 2500 Meter lang und 60 Meter breit. Der Terminal wurde 2006 in Betrieb genommen. Er trägt den Namen des berühmten ungarischen Fußballers Ferenc Puskás, der im WM-Finale von 1954 mit seinen Mannschaftskameraden der deutschen Elf mit 2:3 unterlag. Durchschnittlich werden in Sármellék 107 000 Passagiere jährlich abgefertigt. Das Management des kommunalen Flughafens möchte diese Zahl steigern.
14 Uhr: Wer’s beim Schwimmen gerne warm hat, findet in Hévíz, nordwestlich vom Balaton, einen ganzen Thermalsee: 4,4 Hektar groß und gespeist von einer 38 Meter tiefen Quelle, die Schwefel, Radium und Mineralstoffe nach oben entlässt. Eine Skulptur von Andreas, dem Schutzheiligen des Ortes, zeigt am Steg eines Badehauses an, wo die Quelle entspringt. Das Wasser in den beiden Becken misst 33 beziehungsweise 31 Grad. Die überall angebrachten Haltestangen erweisen sich für die meist älteren Schwimmer, die Linderung für ihr Rheuma, ihre Hautkrankheiten und andere Beschwerden mehr suchen, als notwendige Stütze: Der Auftrieb fällt wegen der hohen Temperatur gering aus. „Schön langsam“, heißt die Devise, schön schnell wird man träge. 2900 Forint, umgerechnet rund zwölf Euro, kostet die Tageskarte. Am Ende reicht die Energie noch fürs Abendessen im Hotel.
Dienstag, 9 Uhr: Der Regen führt zu einer leichten Änderung bei der Tour durch den Nationalpark Balaton- Oberland. Es geht zur unterirdischen Seehöhle in Tapolca. 75 Treppenstufen führen hinunter in die 14 Millionen Jahre alte Welt aus Kalkstein, deren Luft gut ist gegen Asthma und andere Atemwegserkrankungen. Das bei einer Brunnengrabung 1903 entdeckte Labyrinth ist insgesamt fünf Kilometer lang und mit Thermalkarstwasser gefüllt, das immer 20 Grad kühl ist. In Metallbooten können Besucher kleinere Korridore und Hallen befahren. Achtung: Kopf einziehen, es ist eng und niedrig.
11 Uhr: Ein weiteres Naturdenkmal sind etwas weiter östlich die Basaltkegel bei Monoszló. Auf dem Gipfel des 70 Meter hohen Hügels bietet sich ein schönes Panorama über den See.
14.30 Uhr: Nach einer rund halbstündigen Fahrt Richtung Osten ist die Halbinsel Tihany erreicht. Die gleichnamige Ortschaft hat als Blickfang eine weiße Benediktiner- Abtei zu bieten – und das berühmte „Tihany-Echo“. Man stelle sich auf einen Pfahl oberhalb der Kirche, rufe in Richtung des Sakralgebäudes und warte schweigend. Sekunden später hallt die eigene Stimme über den See.
16.15 Uhr: Balatonfüred, rund acht Kilometer weiter östlich, genießt einen Ruf als „Mekka der Herzkranken“. Berühmte Schriftsteller und Politiker haben dort Genesung gefunden, und ihre Dankbarkeit durch eine Baumspende ausgedrückt, zum Beispiel der Nobelpreisträger Tagore. Aus der nach dem ungarischen Freiheitskämpfer Lajos Kossuth benannten Quelle mitten im Ort holen sich die Einheimischen ihr tägliches Quantum an Eisenwasser.
18 Uhr: Mit der Fähre geht es über den See nach Siófok, dem Touristenzentrum am Südufer des Balaton. Das Abendessen im Hotel beschließt den Tag.
Mittwoch, 10 Uhr: Obwohl die Puszta viel weiter östlich liegt, bekommen Besucher in Balatonlelle- Rádpuszta die Reiterspiele der Hirten geboten – Weinprobe auf Wunsch inklusive.
14.30 Uhr: Die Hauptstadt der Balaton- Region ist Keszthely. 25000 Einwohner hat die Stadt am Nordwestufer – und mit Schloss Festetics eines der schönsten Barockschlösser Ungarns. Das Gebäude mit seinen 101 Räumen ist heute Museum und Konferenzzentrum, im Spiegelsaal finden Konzerte und Hochzeitsgesellschaften statt. Vasen aus Meißner Porzellan, viele Gemälde mit Porträts der Adligen, original möblierte Salons und die Bibliothek mit mehr als 86000 Bänden lohnen eine Besichtigung. Die Innenstadt lädt zum Einkaufsbummel. 18 Uhr: Spätestens jetzt sollte sich zum Flughafen aufmachen, wer seinen Mietwagen noch zurückgeben will.
20.50 Uhr: Pünktlich hebt die Ryanair- Maschine ab Richtung Weeze. Und am Flughafen riecht es immer noch nach Akazien.
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