Weeze: Ryanair auf riskantem Kurs
VON ULLI TÜCKMANTEL - zuletzt aktualisiert: 04.06.2007Weeze (RPO). Der irische Billigflieger hat gestern in Weeze seine dritte deutsche Basis eröffnet. Auf die Feier folgt morgen die Ernüchterung: Die Umsätze steigen, die Gewinne nicht. Und die Preisschlacht am Himmel geht weiter.
Mit 12 000 Gästen, einem zweitägigen Fest im Terminal und einer Flamenco-Gruppe auf dem Vorfeld begrüßte der Airport Weeze gestern um 12.15 Uhr die Crew des Ryanair-Fluges FR 6212 aus Alicante – Startschuss für Weeze als dritte Deutschland-Basis Ryanairs mit zunächst zwei, ab Oktober vier am Niederrhein stationierten Maschinen, die schon 2008 rund zwei Millionen Passagiers jährlich vom Niederrhein zu 18 europäischen Flugzielen befördern sollen.
Die gestrige Party am Niederrhein kam für Ryanairs verstärkten Angriff auf den deutschen Markt keinen Monat zu früh: Morgen stellt Ryanairs Finanz-Controller Tracey McCann in Frankfurt zeitgleich mit Michael O’Leary in London die Bilanzzahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr (31. März) vor.
Der Marktführer
Ryanair ist die drittgrößte europäische Fluggesellschaft nach Lufthansa und Air France/KLM. Der Markt- und Preiskampfführer bedient 455 Strecken in 25 europäische Länder. Im November eröffnet Ryanair seine 20. Basis in Bristol und will im laufenden Geschäftsjahr rund 50 Millionen Passagiere transportieren.
Die Erwartungen sind gedämpft: Ryanair dürfte erneut bei erhöhtem Umsatz weniger Profit gemacht haben und sich daher auf die vollmundige Verkündung weiterer Wachstumspläne verlegen - während der Verdrängungskampf der Billigflieger in eine neue Runde „jeder gegen jeden” geht und gleichzeitig alle Konkurrenten davon ausgehen, dass der Markt sich in diesem Jahr „weicher” entwickeln könnte.
Große Konkurrenz
Auf dem deutschen Markt attackiert Ryanair unter anderem mit der Basis in Weeze die Ferien-Strecken der weiter defizitären Air Berlin ab Düsseldorf. Air Berlin kämpft in Berlin seinerseits mit Ryanairs Hauptkonkurrent Easyjet. Der wiederum wird von Germanwings angegriffen. In drei Wochen eröffnet die Lufthansa-Tochter ihre fünfte deutsche Basis nach Köln/Bonn, Berlin, Hamburg und Stuttgart in Dortmund.
Zwar wird dort zunächst nur ein Airbus stationiert, mehrmals wöchentlich sollen unter anderem Ibiza und Palma de Mallorca angeflogen werden. Doch schon für den Winter kündigt Germanwings in Dortmund „weiteres Wachstum” an. Bislang setzt Easyjet in Dortmund vier und in Berlin acht Maschinen ein.
Ryanair wird in London und Frankfurt unter anderem verkünden, sein Passagiervolumen und seine Profite bis 2012 verdoppeln zu wollen. Bis dahin soll die Flotte der ausschließlich eingesetzten Boeing 737-800 (189 Sitze) von 137 auf 262 Maschinen angewachsen sein. Erst jüngst erhöhte Ryanair seine Order um 27 weitere Jets auf insgesamt 308 Bestellungen.
In Deutschland wird Michael O’Leary unverändert an dem Ziel festhalten, zwei bis drei weitere Basen zu eröffnen. Ein Hauptziel dürfte der Raum München sein, immer wieder im Gespräch ist Memmingen, was erstmals innerdeutsche Flüge nach Bremen und Weeze attraktiv machen würde. In Weeze geht derweil hinter den Kulissen das Gezerre um das Eigentum des Flughafens weiter: Als dem Airport 2006 das Aus drohte, beschloss der Kreis Kleve, sein Engagement von ein auf 51 Prozent zu erhöhen, um sich nach neuen Investoren umsehen zu können.
98 Prozent der Airport-Anteile gehören dem niederländischen Immobilien-Unternehmer Herman Buurman, der seinerseits beim Kreis Kleve mit rund 25 Millionen Euro in der Kreide steht. Doch seit Ryanairs Basis-Beschluss ist Buurman dem Vernehmen nach nicht mehr bereit, mals als 49 Prozent abzugeben.
Inzwischen fordert die von Finanzstaatssekretärin Barbara Hendricks geführte Kreis-SPD gar, für die jüngste Kreditspritze zur Sanierung der Landebahn solle Buurman wenigstens 25 Prozent herausrücken.
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