Kevelaer: Schatten über Sonnenstrom
VON DÉSIRÉE LINDE - zuletzt aktualisiert: 17.05.2010Kevelaer (RPO). Solarenergie-Anlagen sollen künftig deutlich weniger gefördert werden. Diese Pläne der Bundesregierung machen auch hiesigen Projekten zu schaffen. Eine Zehn-Hektar-Anlage bei Schloss Kalbeck wird nicht entstehen.
Die Solarenergie befindet sich derzeit auf der Schattenseite. Zumindest für Max Freiherr von Elverfeldt. Der Eigentümer von Schloss Kalbeck und seinen Betrieben wollte Sonnenenergie auf einer Fläche im nördlichen Bereich von Schloss Kalbeck von rund zehn Hektar nutzen. Damit hätte er Strom für etwa 800 Vier-Personen-Haushalte liefern und ins Stromnetz einspeisen können.
Daraus wird nun aber nichts. Denn nach Planungen der schwarz-gelben Regierung in Berlin sollen die Subventionen für Solarenergie deutlich sinken. Bislang gab es etwa das Vierfache an Einspeisegebühren für Solarstrom von den jeweils zuständigen Energieunternehmen (RWE), die dazu verpflichtet sind, einen Teil des Öko-Stroms abzunehmen.
Gesetzlicher Rahmen
Derzeit liegt der Preis für Solarstrom vom privaten Hausdach bei gut 39 Cent pro Kilowattstunde. Künftig würde er demnach bei gut 33 Cent liegen.
Für Freiflächen-Anlagen beträgt die Vergütung derzeit gut 28 Cent pro Kilowattstunde. Wer schon zum Jahresanfang eine Baugenehmigung für eine Ackerflächen-Anlage hatte und bis zum Jahresende erstmals Solarstrom ins Netz einspeist, soll jedoch die 28 Cent auch weiterhin bekommen.
Diese erhöhten Gebühren werden nun je nach Größe der Anlagen um 16 Prozent gesenkt. Für Anlagen, die auf Ackerflächen stehen, soll sie ab 1. Juli ganz entfallen. Landwirte hatten diese Regelung durchgesetzt, weil sie fürchten, durch die Energiegewinnung gingen zu viele Flächen verloren, die für die Erzeugung von Lebensmitteln gebraucht würden.
Mit der neuen Regelung – keine erhöhte Gebühr für Solar-Anlagen auf Ackerflächen – würde nur noch die "normale" Einspeisegebühr von sieben bis neun Cent gezahlt werden. Das bewog von Elverfeldt jetzt dazu, seine Planungen auf Eis zu legen.
Solarstrom nicht konkurrenzfähig
Etwas weiter ist dagegen schon Landwirt Peter Baumgärtner aus Kevelaer, der hofft, früh genug – also bis zum 30. Juni – seine Anlage auf rund viereinhalb Hektar in Betrieb nehmen so können, so dass für ihn die neue Regelung noch nicht greifen würde.
Stefan Blome, Energieberater der Landwirtschaftskammer Kreis Kleve, sieht den Aufschwung von Solarenergie langfristig nicht gefährdet. Er rechnet damit, dass "sich der Markt anpasst", also die noch sehr teuren Module für Photovoltaik-Anlagen billiger werden. "Ich gehe davon aus, dass es mit der Solarenergie weitergeht", sagt Blome.
Kritischer sieht Martin Wenke die Zukunft der sauberen Energie aus Sonnenstrahlen: "Gemessen an realen Preisen und realen Produktionskosten ist Solarstrom nicht konkurrenzfähig", so der Professor für Ökologie und Ökonomie an der Hochschule Niederrhein.
Allerdings glaubt er, dass das Mammutprojekt Desertec eines internationalen Konsortiums, das Solarstrom aus der Sahara liefern will, einen Schub in der technischen Entwicklung geben könnte, so dass sich Solarenergie – auch aus Kevelaer und Weeze – ohne staatliche Hilfen rechnen könnte.
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