Kevelaer: Seit Monaten kein Kindergeld
VON STEFAN GILSBACH - zuletzt aktualisiert: 28.01.2010Kevelaer (RPO). Eigentlich könnte Marcel Aengenheyster (20) aus Kevelaer vom Kindergeld seiner Mutter profitieren. Doch die Zahlungen stehen seit September aus. Sein Nachhaken bei der Familienkasse Wesel blieb bis jetzt erfolglos.
Rund 100 Euro hat Marcel Aengenheyster in diesem Januar zum Leben gehabt. Der 20-Jährige, der im Vorjahr seinen Zivildienst beendet hat, lebt derzeit von Hartz IV. Damit werden immerhin seine Mietkosten gedeckt. Aengenheyster ärgert sich, weil ihm eigentlich mehr Geld zusteht, Kindergeld nämlich, das bis zum 21. Lebensjahr bezahlt wird.
Bereits seit September warten er beziehungsweise seine Mutter auf die monatliche Überweisung der zuständigen Familienkasse Wesel. "Inzwischen handelt es sich um eine Summe von rund 1000 Euro", sagt Aengenheyster. Zwar muss er nicht hungern, aber jeden Euro zweimal umdrehen. "Ich habe hier schließlich einen Haushalt zu führen." Ohne die Hilfe von Familie und Freunden hätte er in den vergangenen Monaten große Schwierigkeiten gehabt.
Kindergeldanspruch
Üblicherweise besteht der Anspruch auf Kindergeld bis zum 18. Geburtstag des Kindes. In manchen Fällen geht der Anspruch aber darüber hinaus, falls es sich in einer Berufsausbildung befindet.
Bis einschließlich Dezember 2009 betrug das monatliche Kindergeld 164 Euro, ab Januar sind es 184 Euro.
Hartz IV im Visier
Marcel Aengenheyster hatte im August 2009 seinen Zivildienst in einem heilpädagogischen Heim in Bedburg-Hau abgeschlossen. "Mir war klar, dass ich erst einmal Hartz IV beantragen musste", berichtet der junge Mann, der zurzeit eine Weiterbildung absolviert. Die Familienkasse in Wesel hatte er bereits im Sommer wegen des Kindergeldes angeschrieben. Die Summe hätte eigentlich im September eintreffen müssen – doch Fehlanzeige.
Als im November noch immer keine Zahlung erfolgt war, machte sich Aengenheyster persönlich auf den Weg zur Kasse nach Wesel. "Ich habe dort mit einem Sachbearbeiter gesprochen, der ziemlich irritiert und ratlos wirkte", erinnert er sich. Man habe ihm mitgeteilt, man dürfe ihm als "Kind" eigentlich keine Auskünfte geben. Aengenheyster wundert sich: "Ich bin schließlich volljährig."
Auch beim Kevelaerer Sozialamt hat man Aengenheyster bislang nicht helfen können. Immerhin konnte er dort einen Vorschuss von 80 Euro beantragen, um im Dezember über die Runden zu kommen. "Das Problem liegt bei der Familienkasse", sagt Irmgard Bergmann vom Sozialamt. "Wir finden solche Vorgänge auch ärgerlich." Es sei schon schwierig, dort anzurufen. Tatsächlich: Beim Versuch, die offizielle Nummer der Familienkasse zu wählen, landete die RP in einem Call-Center in Mecklenburg-Vorpommern.
"Das Problem ist, dass die Summe nicht an das Kind, sondern an die Mutter gezahlt wird", sagt Michael Niel, Pressesprecher der Arbeitsagentur Wesel, der sich auch um die Öffentlichkeitsarbeit der Familienkasse kümmert. Tatsächlich seien Auskünfte an den Sohn nicht gestattet. Marcel Aengenheyster darf allerdings hoffen: Der Bescheid über das ausstehende Kindergeld soll nun rasch rausgeschickt werden.
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