Kevelaer: Sprechstunde für Puppen
VON EVA ONKELS - zuletzt aktualisiert: 31.03.2009Kevelaer (RPO). Puppendoktor Heinz Backes machte mit Ehefrau Uschi am Samstag Station im Kevelaer. Die Resonanz war groß. Für viele Besitzer sind die Puppen mehr als ein Spielzeug. Sie sind ein Stück Lebenserinnerung.
Nächster Termin
Für alle Interessierten, die es an vergangenen Samstag leider nicht nach Kevelaer geschafft haben, gibt es die Gelegenheit, am 17. und 18. Oktober diesen Jahres auf der Puppenausstellung im Bühnenhaus in Kevelaer, die Dienste des Puppendoktors in Anspruch zu nehmen.
"Inge? Das ist meine Monika", diesen und ähnliche erstaunte Ausrufe waren im Keller der Puppen Galerie in Kevelaer zu hören, wenn die auch überregional angereisten Besucherinnen den Fabriknamen ihrer Puppe erfuhren. Viele Puppenmütter waren am Samstag, zum Puppendoktor Heinz Backes und seiner Frau Uschi gekommen. Jede von ihnen konnte eine eigene Geschichte zu ihrem Liebling erzählen, und Heinz Backes hörte geduldig zu.
Erinnerungsstücke
Viele Puppen, die beim Puppendoktor abgegeben werden, um repariert zu werden, haben schon eine lange Reise hinter sich. Viele sind genau so alt oder älter als die Besitzerin und tragen wertvolle Erinnerungen mit sich.
So zum Beispiel die Puppe, die Maria Bollart mitbringt. Die Puppe ist mit 73 Jahren genauso alt wie sie, und viele Erinnerungen sind mit dem ehemaligen Kinderspielzeug verbunden. So zum Beispiel, dass sie ihre erste "Verletzung" bereits im zweiten Weltkrieg erhielt, als sie bei einem Angriff die Treppe herunter fiel. Heute, so erzählt Maria Bollart, diene sie jedoch nicht mehr als Kinderspielzeug, als das sie mal gedacht war, sondern als Dekoration und Erinnerungsstück.
Auch die Puppe von Hildegard Ingenborcks ist ein altes Stück. Sie ist bereits 100 Jahre alt und stamme, so sagt die alte Dame, wohl noch von ihrer Großmutter. Sie sei bereits einmal bei Heinz Backes repariert worden und ist ganz begeistert von der Arbeit des etwas anderen Arztes.
Heinz Backes und seine Frau, eine gelernte Puppenmacherin, die in Deutschland bereits alle wichtigen Preise erhalten hat, reisen durch ganz Deutschland und planen, auch Wien und Prag zu besuchen, um dort Puppen zu reparieren. In Kevelaer sind sie schon oft gewesen, häufig bei den Puppenausstellungen, die von den Besitzern der Puppen Galerie in regelmäßigen Abständen im Bühnenhaus veranstaltete werden. Sie reparieren alles, was reparierbar ist, seien es Köpfe, Beine oder Arme. Leider, das wird auch an diesem Samstag klar, gibt es in der Branche der Puppendoktoren auch immer mehr schwarze Schafe.
So erzählt der Geschäftsführer der Galerie, Dieter Jungfer, dass es in ganz Deutschland nur noch sehr wenig Puppenfachgeschäfte und Puppendoktoren gibt. So bringen auch immer wieder Besucher Puppen mit, die von unprofessionellen Händen repariert worden waren, so dass die Experten nur den Kopf schütteln konnte.
Dass sich der Puppendoktor großer Beliebtheit erfreut, kann auch Dieter Jungfer nur bestätigen. Schon um halb zehn, so berichtet er, hätten die ersten mit ihren Schätzchen schon vor der Tür gestanden.
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