Kevelaer: "Stunk" mit aktuellen Sketchen statt Karneval
VON LISS STEEGER - zuletzt aktualisiert: 18.09.2010Kevelaer (RPO). Höhepunkte aus den vergangenen Jahren präsentierte das selbsternannte "dreckige Dutzend" als Stunk unplugged im ausverkauften Konzert- und Bühnenhaus. Dort erfreute sich das Publikum des Kulturbüros Niederrhein an der Musik der stunksitzungserfahrenen "blutjungen Nachwuchsmusiker" Purple Schulz und Josef Piek ebenso wie an den großartigen Sketchen der ehemaligen und aktuellen Stunker.
Blootwoosch un Kölsch
"Bitte erheben Sie sich von den Plätzen!" hallte es durch den Saal: Die Zuschauer gehorchten und wurden mit der Hymne "Blootwoosch, Kölsch un e lecker Mädsche sind des Glückes Unterpfand" gleich in Stimmung versetzt. Die meisten Sketche stammten aus diesem Jahrhundert und hatten an Aktualität nichts eingebüßt. Ob es das Niedrigenergiehaus war, das mit Hitzewallungen im Klimakterium erwärmt wird, oder die alten Badezeiten, als es noch keine Spaßbäder gab: "Da ging es im kalten, siffig verchlorten Wasser nicht ums Erleben, sondern ums Überleben." Die Feststellung, dass die Generation 50plus relativ fit sei und statt mit dem Stock heute mit Inline-Skatern unterwegs sei, liefe jedoch auf das Gleiche heraus, den Rollstuhl.
Im Massagesalon mussten drei Männer leiden, weil ihre Masseusen die "Trennkost" ihrer eigenen Männer verabreicht bekamen. Sie wurden verlassen und trösteten sich damit, dass sie nun "schöner wohnen" könnten. Sie kamen zu dem Schluss, dass die Verlassene mit ihrer Trennkost-Diät für ihren Mann auf einen Schlag 90 Kilo verloren habe.
Der Moderator Rainer Rübhausen sowie die Musik mussten sich keineswegs hinter den kleinen Theaterstücken mit aufwändigem Bühnenbild verstecken. Banküberfälle, das Stimmungsduo Edeltraud und Dieter Patschek mit Bratschen-Witzen, eine Mutter-Gottes-Erscheinung, die "Heaven – I'm in heaven" sang und Telefonate mit ihren Enkeln Jesus und Mohamed führte, reihten sich aneinander.
Eindeutig zweideutige Statements wurden in bekannte Melodien verpackt: "Mir woll'n die Moschee in Kölle." Auf der "bunten Wiese des Wahnsinns" hatte das Team um Stunker Bruno Schmitz "Spass an ne (Sigmund) Freud".
Das Programm war kurzweilig und witzig bei sensiblen Themen wie Politikverdrossenheit oder Finanzkrise und beinhaltete nur wenig Karneval, aber dennoch gute Laune, Geschunkel sowie viele gute Dialoge. Musikalisch glänzten die Stunker immer wieder in ihrem unplugged-Programm mit Melodien und Texten: "Für dich ess' ich nur halben Hahn" oder dem "Marieschen" auf den Welthit "Aischa" als letzte Zugabe.
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