Airport Weeze: Ticketsteuer: Ryanair will Expansion stoppen
VON CORINNA KUHS - zuletzt aktualisiert: 02.09.2010 - 10:39Airport Weeze (RPO). Der irische Billigflieger Ryanair will Konsequenzen aus der Einführung der Luftverkehrsteuer ziehen: Am deutschen Markt soll die Expansion stoppen. Das betrifft auch den Flughafen Weeze.
Die sonst üblichen deutlichen Worte aus der Ryanair-Zentrale in Dublin blieben gestern aus. "Sicher ist, am deutschen Markt wird es nicht zu weiterem Wachstum kommen", sagte Ryanair-Sprecherin Henrike Schmidt auf Nachfrage eher zurückhaltend. "Die Steuer wird Konsequenzen haben." Damit lässt der normalerweise für seinen direkten, meist poltrigen Umgangston bekannte Konzern seine Reaktion auf die Luftverkehrsteuer verlauten, die in Deutschland eingeführt werden soll.
Bis zu 45 Euro Aufschlag
Das Bundeskabinett hat gestern beschlossen, Flugtickets ab kommendem Jahr mit Steuern von acht (bei Strecken bis 2500 Kilometer Länge), 25 (bis 6000 Kilometer) und 45 Euro (sehr lange Strecken) zu belasten. Für den Airport Weeze bedeutet dies: Sollte Ryanair wegen der Steuer sein Engagement in Deutschland zurückfahren, fehlt auch dem Flughafen am Niederrhein das Wachstum. Denn die Iren sind die Hauptkunden in Weeze. Laut Ryanair-Sprecherin Schmidt wolle sich das Unternehmen nun "anschauen, welche Konsequenzen" es ziehen werde. Sollte die Steuer dazu führen, dass weniger Menschen fliegen, dann werde Ryanair Strecken streichen.
Mehr Passagiere
Der Airport Weeze hat im Juli mit 326 564 Passagieren ein Plus von 24 Prozent (Vergleich zum Vorjahresmonat) verbucht. Kein anderer Flughafen in Deutschland hat laut ADV-Statistik mehr Wachstum. Der Flughafen Düsseldorf verzeichnete ein Plus von 4,3, Köln ein Minus von 0,2 Prozent.
Flughafenchef Ludger van Bebber spricht von etwa 200 Jobs, die eine solche Steuer den Airport Weeze langfristig kosten könne. "Die Berliner Politik reißt die positiven Entscheidungen der Lokalpolitik einfach wieder um", ärgert er sich. Am Beispiel der Niederlande – die eine solche Steuer eingeführt, wenig später mangels Erfolg aber wieder abgeschafft hatten – sei ersichtlich, dass die Steuer negative Auswirkungen habe. Da sei es verwunderlich, dass man in Berlin trotz dieser nachweisbaren Erfahrungen "bei dieser unsinnigen Steuer" bleibe, so van Bebber.
Gegen die Steuer spricht sich seit Wochen die gesamte Luftfahrtindustrie aus. Der Flughafenverband ADV setzt nun darauf, dass Bundestag und Bundesrat die Steuer noch stoppen.
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