Kevelaer: Twisteden will weniger Verkehr
VON ELLEN SCHLÜTTER UND MARCO BÜREN - zuletzt aktualisiert: 20.08.2010Kevelaer (RPO). Die Mobile Redaktion der Rheinischen Post stand in Twisteden. Um den Durchgangsverkehr ging es im Gespräch mit Vertretern aus Politik und vielen Einwohnern. Vorschläge, was getan werden könne, gab es reichlich.
Die Lastwagenfahrer, die auf der Dorfstraße durch Twisteden fuhren, mögen vielleicht etwas überrascht auf die Menschenansammlung auf dem Dorfplatz nur wenige Meter entfernt von ihnen geblickt haben. Dass es aber in der Hauptsache um sie ging, davon wussten sie sicher nichts. Bei der Mobilen Redaktion der Rheinischen Post beschäftigte die vielen Twistedener, die gekommen waren, vor allen Dingen der Durchgangsverkehr.
Vom Navi durch den Ort gelotst
Die Thematik ist nicht neu: Zu viel Verkehr, zu viele Raser und zu viel Lärm monierten vor allem die Anwohner der Dorfstraße. Einer von ihnen ist Martin Schmitt. "Für mich ist das klar: Die Straße muss für den Durchgangsverkehr gesperrt werden", sagt Schmitt. Flughafen- und Irrlandbesucher, Lastwagen und landwirtschaftlicher Verkehr, der nichts im Ort selber wolle, müssten außen um den Ort geleitet werden. "Das Problem liegt auch bei den Navigationsgeräten, die die Leute einfach durch den Ort lotsen", weiß Karin Raimondi. "Wenn es möglich ist, müsste man das technisch verhindern lassen", schlägt sie vor. Der Bau der Umgehungsstraße OW 1, darüber brauche man aus Sicht der Twistedener nicht diskutieren, müsse unbedingt vorangetrieben werden.
Der nächste Termin
Am kommenden Donnerstag macht die Mobile Redaktion erneut Station in Kevelaer – diesmal in Wetten.
RP-Mitarbeiterin Ellen Schlütter ist vor Ort, um mit Ihnen zu sprechen. In Wetten geht es um Jung und Alt: Wie schätzen Sie die Situation ein? Gibt es genug Angebote für alle Altersgruppen? Ist die notwendige Infrastruktur gegeben? Wie steht der Ortsteil generell da? Haben Sie Anregungen, was Wetten gut tun würde?
Sagen Sie Ihre Meinung: Am Donnerstag, 26. August, 14 bis 16 Uhr, auf dem Kirchplatz in Wetten.
Seit August vergangenen Jahres sind provisorische Fahrbahnverengungen aufgestellt – die größtenteils positiv aufgenommen wurden. "Ob das zu weniger Verkehr geführt hat, wird noch ausgewertet", erläuterte Angelika Kobsch. "Fest steht aber, dass weniger schnell gefahren wird." Raimondi sieht in dem hohen Verkehrsaufkommen mitten im Ort eine erhebliche Belastung – "manchmal kommt man hier kaum über die Straße" – und eine Gefahr. "Mein Sohn darf nicht allein mit dem Fahrrad hier lang fahren." Gerhard Kessel hält ein konsequentes Parkverbot an einer Straßenseite für notwendig, damit sich der Verkehr vor den Schikanen nicht staue.
Landwirt Theo Heuvens würde statt der Verkehrsinseln eine generelle "Tempo 30"-Zone begrüßen. "Die Erntemaschinen werden immer größer. Da sind solche Pöller wirklich nicht optimal." Straßenbreite Hügel, wie sie in den Niederlanden verbreitet sind, oder Radarkontrollen schlugen andere vor, um das Verkehrsproblem in den Griff zu kriegen. Die Polizeibeamten, die zur Mobilen Redaktion kamen, konnten die Dorfstraße nicht als auffällig bezeichnen: Weder habe man enorm viele Raser gemessen, noch sei dort ein Unfallschwerpunkt. Es könne aus ihrer Sicht schwer werden, dort die Notwendigkeit von einer Radarfalle aufzuzeigen. Ansprechpartner ist bei der Dorfstraße als Kreisstraße die Kreisverwaltung Kleve, sagt Heinz Ermers. Auch, was den Verkehr an Kleinkevelaer vorbei angeht. "In der Kurve wird 100 gefahren, das ist viel zu schnell", erläutert Ortsvorsteherin Johanna Ambrosius. "Da sollte man wirklich 70 machen", stimmt ihr Anwohner Heuvens zu.
Etwas, über das alle Anwesenden nur großes Lob verlieren konnten, ist die funktionierende dörfliche Struktur: eine lebhafte Grundschule, ein vielschichtiges Vereinsleben und guter Zusammenhalt unter der Twistedenern. "Die Bürger-Eigeninitiative, die es hier gibt, ist sonst in Kevelaer nicht zu finden", lobte Klaus Sadowski. Dass der Ort noch Entwicklungspotenzial hat, davon ist Ortsvorsteher Josef Kobsch überzeugt. "Am Montag wird mit der Erschließung des neuen Baugebietes hinter dem Sportplatz begonnen", erläutert Kobsch. "Zehn Grundstücke sind schon weg, der Bedarf ist also da." Die übrigen 15 sind noch zu haben.
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