Weeze: Überfall als Übung
VON SEBASTIAN DALKOWSKI - zuletzt aktualisiert: 20.01.2009Weeze (RPO). Die niederländische Innenministerin Guusje ter Horst war gestern auf dem Weezer Flughafen zu Gast, als das niederländische Unternehmen BOTC ein Übungsgelände für Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst eröffnete.
Terroristen haben gestern ein Gebäude auf dem Flughafengelände in Weeze gestürmt – bei einer Übung. Die niederländische Firma BOTC eröffnete ihr Ausbildungsgelände, auf dem sich Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst unter realistischen Bedingungen auf Einsätze vorbereiten können, von Dachstuhlbrand bis Explosion. Bei einer Vorführung zeigten die niederländischen Einsatzkräfte, wie sie sich bei einem Terroranschlag richtig verhalten.
Das Szenario: Terroristen haben ein Gebäude besetzt und ein Auto in Brand gesteckt. Als Feuerwehr und ein Polizeiauto anrücken, gibt einer der Terroristen einen Schuss vom Dach ab, die Einsatzkräfte ziehen sich zurück, es gibt einige Explosionen, kurz darauf stürmen Sondereinsatzkräfte das Gebäude und überwältigen die Verbrecher. Die Feuerwehr rückt wieder an und löscht die Brände. Der Einsatz ist vorbei.
Beispiel für europäische Einheit
Zur Eröffnung bei Nieselregen waren auch die niederländische Innenministerin, Guusje ter Horst, und der parlamentarische Staatssekretär Manfred Palmen vor Ort. Die Ministerin machte klar: "Ein niederländisches Übungszentrum auf deutschem Hoheitsgebiet, auf dem Gelände einer ehemaligen britischen Kaserne: Das neue Übungszentrum ist zu allererst ein gutes Beispiel für die europäische Einheit." Palmen stellte heraus, dass sich das Gelände auch für internationale, also niederländisch-deutsche Einsatzübungen eigne. "Weder Kriminelle noch Katastrophen machen vor Grenzen halt. Die Menschen sowohl in Nordrhein-Westfalen als auch in den Niederlanden profitieren bereits jetzt von der guten nachbarschaftlichen Zusammenarbeit."
Auf 38 Hektar Gelände haben Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst aus Deutschland, den Niederlanden und anderen Ländern die Möglichkeit, Übungen zu absolvieren. Zur Verfügung stehen ein Kraftwerk, Wohngebiete, Eisenbahnabschnitte, eine aufgemalte Autobahnauffahrt, ein Schwimmbad und ein Fahrübungsgelände. Außerdem proben die Seminarteilnehmer auf einem Molotowcocktail-Übungsplatz, auf einem Autobahnabschnitt, in einem Klettergarten und einem Krankenhaus.
Interessenten können entweder nur die Infrastruktur mieten oder komplette Tages- oder Wochenseminare besuchen. Für mehrtägige Veranstaltungen stehen 160 Betten zur Verfügung, bald sollen es 300 sein.
Tennis und Squash
Außerdem gibt es eine Sporthalle, eine Squashhalle und einen Tennisplatz – alles noch aus Royal-Airforce-Zeiten. 90 Mitarbeiter sind momentan beim BOTC Weeze beschäftigt, in den nächsten drei Jahren rechnet das Unternehmen mit einer Verdoppelung. "Alle Organisationen, die mit Sicherheit zu tun haben, finden bei uns beste Übungsbedingungen vor", sagt Wolfgang Buil, Mitgesellschafter bei BOTC. Die Anlage in Weeze sei in Deutschland aufgrund ihrer Vielfalt einzigartig.
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