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Neue Heimat für Merkur

VON PETER JANSSEN - zuletzt aktualisiert: 12.12.2008

Der größte Sportverein der Stadt ist der VfL Merkur Kleve. Seit 1925 widmet man sich auf dem Platz an der Flutstraße der Leibesübungen. Doch könnte dort bald Schluss sein. Denn Merkur will umziehen.

Blick auf die Merkur-Platzanlage an der Flutstraße in Kleve. Hier könnten eines Tages Studenten-Wohnungen entstehen.  Foto: RPO
Blick auf die Merkur-Platzanlage an der Flutstraße in Kleve. Hier könnten eines Tages Studenten-Wohnungen entstehen. Foto: RPO

1895 wurde der VfL Merkur Kleve von preußischen Kaufleuten gegründet. Der Verein ist reich. Sowohl an Tradition als auch an Mitgliedern. Arm hingegen ist der VfL unter anderem an laufenden Metern. Wer etwa auf der Aschenbahn des Merkurplatzes 400 Meter hinter sich lassen will, der muss gleich drei Kurven durchlaufen. Eine Runde beim VfL ist nur 335 Meter lang. Optimale Bedingungen sehen anders aus. Doch hat dies der über Jahrzehnte bedeutenden Leichtathletik-Abteilung des Vereins für Leibesübungen keinen Abbruch getan. Was dem Klub jedoch zu schaffen macht, ist in erster Linie die vereinseigene Halle. Diese stammt aus dem Jahr 1953 und muss gründlich renoviert werden. VfL-Vorsitzender Wolfgang Graß (68) hatte sich ein Angebot eingeholt und staunte nicht schlecht, was die Kosten betrifft: „Insgesamt wären weit über 100 000 Euro erforderlich gewesen, um diese auf einen aktuellen Stand zu bringen.“ Bei der Diskussion um die Finanzierung der Renovierung kam der Gedanke, das komplette Gebiet zu verlassen und umzuziehen. Und zwar neben das Gustav-Hoffmann-Stadion.

Info

Merkur in Zahlen

Mehr als 1100 Mitglieder besitzt der Verein, der bei seiner Gründung 1895 zunächst „Turnclub“ Cleve hieß. Zwölf Abteilungen gibt es beim VfL. Mehr als 60 Diplom-Sportlehrer, Trainer sowie Übungsleiter sind beim VfL aktiv. Seit 13 Jahren wird der Verein von Wolfgang Graß geführt.

Verhandlungen

Vorgestern hatte CDU-Fraktionschef Udo Janssen, in früheren Zeiten selbst ein recht passabler Leichtathlet beim VfL, die Verwaltung aufgefordert, mit dem Verein in Verhandlungen über einen Umzug einzusteigen. Neben der schwächelnden Halle ein weiterer Grund, der in Kleve derzeit überall zieht: Studenten. In der Tat wäre das VfL-Areal kein ungeeigneter Platz zur Ansiedlung einiger Hochschüler. „Wir sind durchaus interessiert, umzuziehen. Nur verbinden wir damit auch einige Ansprüche.“ Grass hat klare Vorstellungen, was hinter den Tennisplätzen an der Stadionstraße entstehen müsste: eine Tartanbahn fürs Hoffmannstadion mit Stabhochsprunganlage. Mindestens eine Zweifach-Turnhalle, eine Hausmeisterwohnung, Büroraum und eine kleine Gastronomie. Und nicht zu vergessen: „Wir müssten dort Hausherr sein“, sagt Graß. In Kevelaer, Goch und Emmerich gäbe es Tartanbahnen -- nur in der Kreisstadt nicht, gibt Graß zu bedenken. So könnte diese auch optimal von den Schulen genutzt werden.

Ein Vorteil, den der VfL hat: Er ist, wie man gern formuliert, finanziell gut aufgestellt. Graß: „Unser Vorteil ist, dass wir umziehen können. Aber wir müssen es nicht. Wir sind ein gesunder Verein. Bei uns bekommt kein einziger Sportler Geld. Auch nicht als wir damals mit den Volleyballern in der Regionalliga spielten.“ Was beim VfL Merkur jährlich an Sponsorengeldern eintrifft, hält sich in einem überschaubaren Rahmen. Das sind etwa 5000 Euro. „Wir finanzieren uns allein durch die Mitgliedsbeiträge“, sagt Graß, der weiß, dass die Stadt dem VfL bisher immer geholfen hat, wenn’s erforderlich war. „Die Zusammenarbeit war immer ausgezeichnet“, blickt der VfL-Chef zurück. Doch ist auch die Arbeit, die Merkur Kleve leistet, nicht unerheblich. Von Kleinkindern bis hin zu 80-Jährigen, die zweimal in der Woche Tennis und Volleyball spielen -- bei Merkur gibt’s alles, aber günstig.

Sollte der Umzug neben das Gustav-Hoffmann-Stadion realisiert werden, so schwärmt Graß schon jetzt von der Rückkehr glorreicher Tage: „Dann könnten wir dort wieder eine Veranstaltung in der Form unseres Pfingstsportfests durchführen.“

Doch um die traditionsreiche Veranstaltung an alter Stätte wieder aufleben zu lassen, fehlt neben der Tartanbahn noch etwas. „Dazu müsste ich dann ein paar Sponsoren gewinnen. Ohne die geht so etwas nicht“, weiß Graß, dass sich auf der Ebene nicht nur der Belag geändert hat.

Quelle: RP

 
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