Fußball: SV Straelen: Einspruch gegen Tore
VON PETER JANSSEN - zuletzt aktualisiert: 23.08.2007Die Oberliga sollte dankbar sein, dass der SV Straelen noch dabei ist. Denn die Amateurtruppe vom Niederrhein sorgt, seitdem sie in der Vierten Liga mitspielen darf, irgendwie immer für gute Unterhaltung. In der vergangenen Spielzeit mischte man als Neuling zunächst die Liga auf, bevor man abschmierte und sich erst am letzten Spieltag die Eintrittskarte für ein weiteres Oberligajahr sicherte. Bereits in der vergangenen Saison zog der SVS mit Trainer und Hauptsponsor Hermann Tecklenburg vor die Verbandspruchkammer, weil im Spiel gegen Bonn ein mit Gelb-Rot bedachter Akteur des Gegners nicht den Platz verlassen hatte, als der SVS einen entscheidenden Treffer kassierte.
Spruchkammer
Die Spruchkammersitzung war im vergangenen Jahr recht zügig beendet. Tecklenburg hatte in der Verhandlung den dezenten Hinweis bekommen, dass sein Einspruch soviel Aussicht auf Erfolg habe wie das Beenden von Kloppereien zwischen Fanlagern durch gutes Zureden. Am Mittwoch, 29. August, sind „Tecki“ und sein SV Straelen um 18.30 Uhr wieder zu Gast in der Sportschule Wedau. Der SVS hat Einspruch gegen die Wertung des Spiels bei Germania Dattenfeld eingelegt. Grund: Die Tore sind zu niedrig. Nun könnten böse Zungen nach der 0:4-Pleite behaupten: „Die sollen doch froh sein, sonst hätten die noch mal vier Stück bekommen.“ Aber so einfach ist das nicht. Hermann Tecklenburg denkt nicht nur an den SVS, sondern offenbar auch an alle labilen Oberliga-Stürmer, deren Bälle statt ins Netz in Dattenfeld regelmäßig mit einem erschütternden Geräusch am Aluminium landen: „Wir spielen in der Oberliga. Es kann nicht sein, dass in dieser Klasse die Tore zu klein sind. Wenn Dattenfeld einen Etat von 600 000 Euro hat, sollten die auch Geld für ein paar Tore haben, die den Regeln entsprechen. Mich wundert nur, dass dies vorher keinem aufgefallen ist.“ So war wohl einer der ersten, der auf die Idee kam, dass da etwas nicht stimmt, Straelens Torhüter Marian Gbur. Der dachte sich, als er auf dem Dorfsportplatz der Dattenfelder stand: „Entweder ich bin doch ein Riese, oder die Latte lässt sich hängen.“ Straelens Abwehrrecke Hajo Peters, der auch außerhalb des Platzes ein solider Handwerker ist, hat immer einen Zollstock am Mann. Er holte diesen aus seinem Auto, und so wurde vor dem Duell kurz mal Maß genommen. „Ich habe das möglichst unauffällig gemacht“, sagte Tecklenburg, der die Ergebnisse ziemlich überraschend fand. Anstatt der geforderten 2,44 Meter Höhe fehlten 15 Zentimeter. Vor dem Duell wurde der leitende Unparteiische Frank Perschke aus Hamm über die Resultate der Blitzmessung informiert. Perschke sagte, dass der SVS den Protest schriftlich vor dem Anpfiff einreichen müsse. Dies wurde auch getan.
In der Mitte aufstellen
Regel 1: Das Spielfeld (Auszug)
In der Mitte jeder Torlinie sind die Tore aufzustellen. Sie bestehen aus zwei senkrechten Pfosten, die in gleichem Abstand zu den Eckfahnen stehen und durch eine Querlatte verbunden sind. Der Abstand zwischen den Innenkanten der Pfosten beträgt 7,32 m. Die Unterkante der Querlatte ist 2,44 m vom Boden entfernt.
Streithammel
Tecklenburg war sich nach der 0:4-Niederlage nicht sicher, ob er den Einspruch gegen die Wertung des Spiels aufrechterhalten soll: „Wir wollen doch nicht als die Streithammel der Liga dastehen.“ So informierte sich der SVS, ob so ein Einspruch überhaupt Sinn mache. Dass er Sinn macht, zeigt, dass die Sitzung bereits terminiert ist. Ein großes Plus in der Aktion Kampf gegen die „Verrohung der Sitten“ dürfte die Nachmessung von Schiri Perschke sein. Der borgte sich den Zollstock des SVS und nahm ebenfalls Maß. Dann fertigte er eine saubere Strichzeichnung an, auf der er die Messpunkte und Werte eintrug. Was Perschke in Dattenfeld an Freiraum nach RP-Informationen zwischen Rasen und Latte herausbekam, übertraf Tecklenburgs Messung noch. So fehlten bei ihm glatte 20 Zentimeter Luft nach oben. Der Regelverstoß ist damit perfekt: Es gibt Mängel am Platzaufbau, so der Vorwurf. Anpfeifen musste der Schiri dennoch. Zu kleine Tore sind kein Grund, eine Partie abzublasen.
Friedrich-Wilhelm Stelkens ist Vorsitzender der Verbandsspruchkammer und wird am kommenden Mittwoch die Verhandlung leiten. Zu der nicht unerheblichen Frage, was so ein Einspruch an möglichen Folgen nach sich ziehen könne, sagte Stelkens lediglich: „Da kann alles herauskommen.“
Überhaupt wollte Stelkens sich zu diesem Fall im Vorfeld nicht äußern, weil dies sonst von Straelen oder Dattenfeld zu ihren Gunsten genutzt werden könne, so der Vorsitzende.
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