Kleve: 5000 Kilometer für 5000 Kinder
VON SABRINA TILGNER - zuletzt aktualisiert: 07.05.2008Kleve (RPO). Erich Rudzinski will auf unheilbar kranke Kinder aufmerksam machen. Dafür läuft er ein Jahr durch Deutschland und klärt die Menschen über Kinderhospize und Behandlungen auf.
Einen Kilometer will Erich Rudzinksi für jedes tote Kind gehen. 5000 unheilbar kranke Kinder sterben in Deutschland laut dem Bundesverband Kinderhospiz jährlich. 5000 Kilometer für 5000 Kinder – das ist Rudzinskis Plan. Um aufmerksam zu machen. Denn für die Kranken gäbe es bundesweit acht Kinderhospize mit 80 stationären Plätzen. Zu wenig, meint der 49-Jährige. Jetzt kam er nach Kleve.
Das feste Ziel
Erich Rudzinski zieht durch die Lande. Er hat ein festes Ziel: Marktheidenfeld. In dem Städtchen nahe Würzburg wird seine neue Heimat sein. Dort hat Rudzinski den „Förderverein Kinderhospiz Sternenzelt Mainfranken“ für den Bau eines Hospizes gegründet. Die Idee für den einjährigen Lauf hatte er vor neun Jahren. Damals starben zwei Kinder in Rudzinskis Freundeskreis an unheilbaren Krankheiten. Einer der beiden Väter, ein Bauarbeiter, war mit der Pflege seines Sohnes überfordert. Gleichzeitig verließ ihn seine Frau, er verlor seine Arbeit – seine ganze Existenz. Vor sieben Jahren lief Rudzinskis eigener Sohn vor eine Straßenbahn und blieb längere Zeit im Krankenhaus. „Das blieb mir im Hinterkopf“, sagt der gelernte Krankenpfleger.
Wo ist Rudzinski?
Die Strecke In etwa Hannover, Flensburg, Kiel, Neumünster, Hamburg, Hannover, Kassel, Würzburg.
Über einen Schrittzähler lässt sich die Distanz ganz genau bemessen.
Über sein GPS-Handy und seine Internetseite lässt sich die Route von Erich Rudzinski genau verfolgen:
Erich Rudzinski will sensibilisieren. „Ich will ein Sprachrohr für die vergessenen, unheilbar kranken Kinder sein“, sagt er. Dafür stellt er sich täglich in die Innenstädte und spricht die Menschen an. Manchmal sind es Betroffene wie die Hotelbesitzerin, die ihren Sohn in den 70er Jahren bei einem Verkehrsunfall verlor und seinen Körper zur Organspende freigab. Viele sähen die Notwendigkeit für mehr Kinderhospize, sagt Rudzinski. Eines hätten alle Betroffenen gemeinsam: „Sie müssen kämpfen, dass ihre Kinder richtig versorgt werden.“
900 Kilometer ist der braun gebrannte Wanderer bisher gelaufen. Am 6. März, seinem Geburtstag, startete er in Hannover, brach dort seine Zelte auch beruflich ab. Ein Jahr wird er unterwegs gewesen, sternförmig und gegen den Uhrzeigersinn durch Deutschland gewandert sein, wenn er Marktheidenfeld erreicht. In und an seinem 18 Kilo schweren Rucksack schleppt Rudzinski mit, was er zum Wandererleben braucht: Unterwäsche, Socken, Regenkleidung, ein zweites Paar Wanderschuhe, ein Notzelt, einen Schlafsack, eine Isomatte und Wanderstöcke für die Alpenüberquerung im Sommer.
Die Verwaltungen der Städte besorgen ihm zumeist ein Hotel, in dem er kostenfrei übernachten kann. In Ausnahmefällen tun es auch eine Bushaltestelle, ein Wetter- oder ein Gartenhäuschen. Die übrigen Kosten begleicht er durch Gespartes.
Der Weg sei – weit weg von Familie und Freunden – manchmal einsam. „Da kommen mir Zweifel.“ Sein Glaube gibt dem früheren Triathleten dann Kraft.
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