Düsseldorf/Kreis Kleve: 7300 Unterschriften für Weeze
VON MAXIMILIAN PLÜCK - zuletzt aktualisiert: 29.04.2009Düsseldorf/Kreis Kleve (RPO). In Rekordtempo haben die Mitarbeiter des Airports Stimmen für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze gesammelt. Die Liste übergaben sie gestern im Landtag an Finanzminister Helmut Linssen. Der versprach schnelle Hilfe.
Sie haben sich extra früh auf den Weg in Richtung Düsseldorf gemacht – wegen der Baustelle auf der A57, sagt Karin Gertzen. Graue Wolken hängen über der Landeshauptstadt, als die Mitarbeiterin des Weezer Taxi-Unternehmens Hottgenroth gemeinsam mit fünf anderen Airport-Mitarbeitern am Landtagsgebäude ankommt. Das trübe Wetter passt zu ihrer Stimmung. Seit bekannt wurde, dass die Fluggesellschaft Ryanair den Standort Weeze aufgeben könnte, bangen die Sechs um ihre Arbeitsplätze.
Nicht einmal eine Woche ist es her, dass die Mitarbeiter rund um den Airport von der Entscheidung des Münsteraner Oberverwaltungsgerichts gehört haben. Die Richter haben darin das Nachtflugverbot für Weeze ausgeweitet. Ryanair droht seitdem mit der Abkehr vom Niederrhein, sollte die Entscheidung von der Bezirksregierung durchgesetzt werden. Heute läuft ein entsprechendes Ultimatum der Fluggesellschaft ab.
Ein Zeichen setzen
"Wir mussten einfach irgendwas machen", sagt Hilde Möhring, alleinerziehende Mutter von zwei Kindern. Auch sie arbeitet für den Taxi-Shuttleservice, ist eigens für ihren Arbeitsplatz aus dem Münsterland an den Niederrhein gezogen. "Wir wollten ein Zeichen für den Erhalt unserer Jobs setzen." Gemeinsam mit ihrer Kollegin Gertzen hat sie deshalb eine Unterschriftenliste für den Flughafen initiiert. Los ging es mit gerade einmal 50 Stimmen. Was in den darauffolgenden Tagen folgte, können die beiden Frauen, die in dunklen Kostümen vor dem Fraktionssaal der NRW-CDU warten, selbst noch nicht fassen. Der Zuspruch war gewaltig. Mit etwa 1000 Unterschriften hatten sie gerechnet. Bis gestern haben stattdessen 7294 die Liste "Solidarität mit dem Kreis Kleve" unterzeichnet. Piloten von Ryanair haben den Namen daruntergsetzt, Kollegen aus Spanien ihre Solidarität per E-Mail bekundet. "Sogar ein Jurist, der beim Oberverwaltungsgericht Münster zugelassen ist, hat unterschrieben", sagt Möhring.
Ein dicker Stapel
Finanzminister Dr. Helmut Linssen nickt anerkennend, als er aus dem Fraktionssaal tritt und die beiden Damen ihm den dicken Stapel mit den Unterschriften in die Hand drücken. Im Hintergrund stehen ihre Kollegen, allesamt in ihren jeweiligen Arbeits-Uniformen, und halten ein Transparent hoch. "Für den Airport" steht darauf. "Bei mir hängt viel Herzblut am Weezer Flughafen", sagt der Minister. "Der Standort hat eine riesige Entwicklung hinter sich. Er ist das wichtigste Projekt der Region." Und dann fällt der Satz, auf den die Weezer Gruppe sehnlichst gewartet hat: "Wir müssen alles tun, um Ryanair am Standort zu halten." Linssen verspricht, die Liste schnell an NRW-Verkehrsminister Lutz Lienenkämper weiterzuleiten. Die Gruppe verabschiedet sich dankbar und macht sich auf die Heimreise gen Weeze. Unabhängig davon, wie die Entscheidung der Bezirksregierung ausfällt, wollen sich die Sechs am Airport mit anderen betroffenen Kollegen treffen. Eine zunächst angedachte Sitzblockade wurde wieder verworfen. Aber je nach Ausgang steht dann entweder ein Kollege zum Trösten oder zum freudigen Umarmen zur Seite.
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