Bedburg Hau: Abendfrieden im Schloss Moyland
VON MATTHIAS GRASS - zuletzt aktualisiert: 28.10.2006Bedburg Hau (RPO). Museum Schloss Moyland lädt zu einer Reise ins 19. Jahrhundert und zeigt einen schönen Überblick über die „Karlsruher Farblithografie um 1900“, so der Titel der Ausstellung, die heute eröffnet wird. Blätter der Karlsruher Farblithografen gehörten zu den ersten in der Sammlung van der Grinten.
Dunkel stehen die Pappeln am Fluss, auf dessen Wasser sich die letzten Schimmer des Himmels spiegeln. Kaum erkennt man noch in der Dämmerung die Strukturen von Bäumen, Häusern und Landschaft. Eine Hügelkette im Dunst fern am Horizont, einige hohe Dächer, schwach rot im letzten schräg stehenden Licht, Fachwerk. Der Rest ist im dunklen Strauch- und Buschwerk des Flussufers versteckt. Es ist der letzte Moment das Tages, der allerletzte Hauch von Licht, der die Landschaft streift, bevor sie ganz im Dunkel versinkt. Es ist jener magische Moment zwischen Tag und Nacht, der ebenso friedlich wie bedrohlich sein kann. Für Eduard Euler war die Szene von Friede erfüllt: „Abendfrieden“ titelte er das Bild von der Landschaft im letzten Licht.
Karlsruher Lithografie
Die Ausstellung „Karlsruher Farblithografie um 1900“ wird am Samstag, 28. Oktober, 18 Uhr, im Grafikkabinett von Museum Schloss Moyland eröffnet. Es sprechen Dr. Sabine Fehlemann, Sprecherin des Vorstandes von Museum Schloss Moyland und Drs. Ron Manheim, stellvertretender Direktor von Schloss Moyland.
Zur Ausstellung ist ein griffiger Katalog erschienen, der alle Künstler vorstellt (durchgehend farbig). Er kostet 14,90 Euro.
Auf den Stein
Eulers Lithografie spielt nicht mit knalligen Farben, sondern mit den Nuancen von Dunkel und Nacht, die Euler 1900 auf den Stein zauberte. Sie ist eines der Blätter, die im Grafikkabinett von Museum Schloss Moyland an die große Schule der Karlsruher Farblithografie erinnert, die dort im ausgehenden 19. Jahrhundert entstanden war. Drs. Ron Manheim, stellvertretender Leiter des Museums, suchte aus dem Fundus der Sammlung van der Grinten einen repräsentativen Überblick über diese Karlsruher Schule aus: Schöne Blätter voll Farbe, deren Abendrot in den Saal leuchten, fast expressive Landschaften, vom Jugendstil inspirierte Motive aber auch jene grenzwertig-süßlichen religiös geprägten 19. Jahrhundert-Szenarien, die an Schutzengel-Blättchen erinnern. Dennoch – auch sie gehören dazu, will man die Bandbreite der Farblithografie des 19. Jahrhunderts darstellen. Manheim erinnert mit der von ihm kuratierten Ausstellung daran, dass Karlsruhe das Zentrum für Farblithografie in Deutschland war und dort die Blätter für den internationalen Markt geschaffen und dann gedruckt wurden: Schon damals als signierte Künstler wie in recht großen Auflagen. Und das auch nicht zuletzt vor dem Hintergrund, die Gesellschaft durch Kunst erziehen zu wollen: „Man war der Meinung, das Bildungsniveau heben zu können, wenn man den Menschen Kunst relativ günstig nahebringt“.
Eines der Bilder ist in einer zeitgenössisch empfohlenen Rahmung präsentiert. Der glänzt golden und umfasst das Bild, das hinter Glas wie ein Ölbild wirkt: Eine herrliche samländische Landschaft voll prächtiger Farben und einem heute noch wie erleuchtet scheinendem Abendrot. Eine Lithografie von Gustav Kampmann.
So blickt die Ausstellung auf Dörfer und Schlösser, in Landschaften und wandelt auf einer Zeitreise zurück durch Deutschland (mit kleinen Schwenkern nach Italien und Schweden).
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