Kleve: Abneigung gegen Spreen?
VON LUDGER DISTELKAMP - zuletzt aktualisiert: 23.09.2006Kleve (RPO). Der Kreis hat als so genannte Optionskommune zur Vermittlung von Langzeitarbeitslosen ein schwieriges Geschäft. Denn die Zahl der gering Qualifizierten sei erheblich höher als die der Qualifizierten, so der Fachbereichsleiter Arbeit und Soziales im Kreishaus, Günter Franik. Da verwundert es nicht, dass der Kreis über jedes Jobverhältnis froh ist - auch wenn dies nur kurze Zeit dauert. Schließlich geht es darum, Langzeitarbeitslosen ein Sprungbrett in den Stellenmarkt zu bieten. Ein ganz bedeutender Aspekt ist auch, dass Menschen, die seit über einem Jahr ohne Job sind, nicht von der Arbeit entwöhnt werden.
Manch ein Politiker im Kreishaus war in dieser Woche nicht überrascht, dass ausgerechnet Straelen, Geldern und Rees die kaufmännische Buchführung in diesen drei Rathäusern ohne das Kommunale Rechenzentren Niederrhein (KRZN) einführen wollen. Der Aufstand gegen das KRZN ist wohl auch in der Abneigung gegen die Person Wolfgang Spreen zu suchen. Gelderns Bürgermeister Ulrich Janssen soll dem Vernehmen vor Jahren Interesse am Job des Kreisdirektors bekundet haben. Spreen hatte die Stelle bekommen und sich damit das Trampolin für das höchste Amt im Kreishaus bereit gestellt. Der Reeser Verwaltungschef Dr. Bruno Ketteler war Gegner von Spreen als CDU-Landratskandidat, fiel aber beim ersten Gegenwind um. Und auch Straelens Bürgermeister Johannes Giesen hatte für kurze Zeit seinen Hut in den Ring der Bewerber um den Job im Kreishaus geworfen. Er zog ihn zurück, nachdem CDU-Kreisparteichef Ronald Pofalla indirekt Giesen eine Abfuhr erteilte, als er einen jüngeren Kandidaten für das Landrats-Amt forderte. Dass der Verwaltungschef der Blumenstadt zudem ohne das Rechenzentrum möglichst schnell die kaufmännische Buchführung einführen will, hat offensichtlich noch einen ganz anderen Grund: Straelens ist finanziell nicht mehr auf Rosen gebettet. Das Neue Kommunale Finanzmanagement bietet aber durchaus legale Taschenspielertricks, um sich künstlich reicher zu rechnen, wenn man zum Beispiel als Wert städtische Immobilien wie das Rathaus angibt, die aber auf dem Markt so gut wie gar nicht zu einem ordentlichen Preis zu verkaufen sind.
So spontan wie „Ulrich der Spontane“ als mögliche Tollität in Kleve aufstieg, so spontan ist der närrische Mann wieder in der Versenkung verschwunden. Die Kreisstadt ohne Prinz in der fünften Jahreszeit - das ist ein Imageverlust und vor allem bedauerlich für Kinder und Senioren, die sich bei diversen Sitzungen über Tollität und Garde freuen. Die Klever Karnevalsfunktionäre müssen jetzt nach der Pleite ihren Humor beweisen: In Goch werden die Jecken närrische Spitzen gegen die Kreisstadt loslassen. Die Klever können sich aber trösten: Am Aschermittwoch ist bekanntlich alles vorbei.
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