Kleve: Abrissbirne für Whisky-Saloon
VON RALF DAUTE - zuletzt aktualisiert: 08.09.2010Kleve (RPO). Neues Leben für die Gasthausstraße/Lohstätte: Die Bauunternehmung Lampe plant anstelle der Kult-Kneipe Gewerbefläche und hochwertige Eigentumswohnungen mit Garagen.
Das Gebäude eines Traditionslokals verschwindet, und eine weitere Baulücke in der Klever Unterstadt wird geschlossen: Auf dem Grundstück Lohstätte/Gasthausstraße entstehen im nächsten Jahr Eigentumswohnungen und ein neues Ladenlokal.
Das Ende besiegelte der Wirt selbst, nachdem er sich zur Ruhe gesetzt hatte: In den ersten Januartagen 2006 zerstörte Detlef Raeder mit der Kettensäge die Inneneinrichtung seiner Kneipe "Whisky-Saloon", die er zuvor 40 Jahre lang mit sicherer Hand durch alle Höhen und Tiefen des Klever Nachtlebens gesteuert hatte. Er hatte zu dem martialischen Werkzeug gegriffen, um dem Vermieter das Objekt "besenrein" zu übergeben.
Prominente Ex-Gäste
NOK-Präsident Steinbach war einmal Gast im Whisky, ebenso die Bürgermeister Joeken und Brauer. Die SPD-Abgeordnete Barbara Hendricks und der Kabarettist Bruno Schmitz ließen sich dort blicken.
Seitdem erfüllte das entkernte Lokal allenfalls noch die Funktion eines gastronomischen Mahnmals, das niemand anzurühren wagte. Der Besitzer bot es fünf Jahre lang für 110 000 Euro wie sauer Bier zum Kauf an, doch niemand griff zu – fast so, als laste ein Fluch auf der Immobilie.
Hoffnung ist gestorben
Doch damit ist es nun vorbei – und ebenso mit der Hoffnung, dass dort irgendwann mal wieder eine Gaststätte den legendären Ruf der früheren Kneipe fortführen wird. Anfang kommenden Jahres wird die Abrissbirne geschwungen.
Federführend bei dem Projekt ist die Bauunternehmung Lampe aus Bedburg-Hau. Sie wird zum Jahresbeginn 2011 auf dem Grundstück, das von der Straße Lohstätte (gegenüber der Stadthalle) bis zur Gasthausstraße reicht, das marode Gaststättengebäude beseitigen lassen und anschließend dort einen dreigeschossigen Neubau hochziehen. "Wir wollen im Februar oder März mit dem Bau anfangen, die Fertigstellung ist für November 2011 geplant", so eine Sprecherin des Unternehmens.
Auf dem knapp fünfzig Meter langen, aber recht schmalen Gelände sollen in zwei Gebäuden fünf Eigentumswohnungen sowie – zur Gasthausstraße hin – eine Gewerbefläche entstehen. Das Gebäude ist als Niedrigenergiehaus klassifiziert und soll im Hinblick auf alte Menschen komplett barrierefrei gestaltet sein. Alle Wohnungen sind mit Fußbodenheizung sowie Balkon, Loggia oder Dachterrasse ausgestattet. Von der Lohstätte aus sind die Garagen zu erreichen. Über die Preise verlautete noch nichts. Das Haus wird die vorletzte Baulücke in der Gasthausstraße schließen – die letzte liegt gegenüber, neben der Gaststätte "Le Journal".
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