Kleve: Absturz eines Propellerflügels
VON ANJA SETTNIK - zuletzt aktualisiert: 23.07.2008Kleve (RPO). Zwischen der Gaststätte „Lieven Herr“ und der Landesgrenze in Wemb geht Frank Weber aus Kevelaer schon mal gerne mit dem Hund spazieren. Das tat er auch jetzt wieder und bekam dabei einen ziemlichen Schrecken: Ein großes Stück des Flügels einer Windkraftanlage lag da im Maisfeld.
Wie inzwischen bekannt wurde, handelt es sich um ein 33 Meter langes Teil, das aus 100 Meter Höhe abstürzte. „Schlichtweg abgebrochen, dabei stehen die Mühlen doch erst anderthalb Jahre dort!“ Frank Weber findet es nicht gerade Vertrauen erweckend, dass man offenbar damit rechnen müsse, dass einem mehrere Tonnen Stahl auf den Kopf fallen.
Wie kann so etwas passieren? Wer kümmert sich um die Sicherheit der Anlagen? Die Polizei ist nicht zuständig: „Es geht ja nicht um Gefahrenabwehr oder Strafverfolgung“, sagt Ingo Schankweiler, Sprecher der Kreispolizei gegenüber der RP. Wäre das Gelände öffentlich gewesen, hätte man wohl bei der Bergung oder Räumung die Straße gesichert, so aber sei wohl eher das Amt für Arbeitsschutz gefragt.
Dort, in Mönchengladbach, heißt es ebenfalls, für die öffentliche Sicherheit sei man nicht zuständig. Seit Jahresbeginn sei die Aufsicht über den „kleinen Umweltschutz“ Sache der Kommunen. In diesem konkreten Fall sei der Kreis Ansprechpartner. Kreis-Pressesprecher Eduard Großkämper weiß es noch besser: „Wir haben die Unfallstelle abgesichert, um den Rest muss sich die Betreiberfirma selbst kümmern.
Natürlich geht es jetzt um Ursachenforschung – was hat den Absturz verursacht, wie kann so etwas künftig ausgeschlossen werden?“ Unbefriedigend, aber wohl rechtens: Vor der Inbetriebnahme einer Windkraftanlage muss der Kreis eine baurechtliche Genehmigung erteilen. Schließlich sei jedes Modell einer solchen „Mühle“ sorgfältig entwickelt und ausgiebig getestet worden. „Das ist nicht anders als bei Ihrem Haus: Nach der Abnahme kommt auch nicht alle paar Jahre jemand gucken, ob die Dachpfannen noch fest liegen.“
Die Wiesbadener Firma ABO Wind, die die Anlagen der Firma Nordex technisch betreut (vierteljährliche Begehung), lässt nun alle fünf Mühlen auf dieser Fläche von einem unabhängigen Gutachter überprüfen. Jochen Ahn erklärt, die Mühlen der Firma Nordex befänden sich noch in der Garantie-Zeit.Bis die Absturzursache nicht geklärt ist, werden sich die Stromlieferanten nicht mehr drehen.
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