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Niederrhein: Afghanistan bedrückt Soldaten

VON FRITZ SCHUBERT - zuletzt aktualisiert: 29.01.2010

Niederrhein (RPO). Stephan van Dongen nimmt Abschied vom Katholischen Militärpfarramt Wesel. Er stellt fest, dass die Probleme seiner Schützlinge mit Auslandseinsätzen zunehmen. Nach einem Kosovo-Aufenthalt kann er das gut nachfühlen.

Der katholische Militärpfarrer Stephan van Dongen packt in der Schill-Kaserne ein. Er wechselt nach dreieinhalb Jahren von Wesel nach Köln. Foto: RPO

In der Bundeswehr herrscht ein rauer Ton. Blößen gibt man sich nicht gern. Aber wie sieht es in den Menschen aus ? Ob Vorgesetzter oder Untergebener: Alle kommen mehrmals im Jahr in Kontakt mit Leuten wie Stephan van Dongen. Der 47-jährige katholische Militärpfarrer, der heute von Wesel nach Köln wechselt (siehe Info), hat die Soldaten im Unterricht vor sich. Erwachsenenbildung im Bereich Ethik ist das Pflichtprogramm. Außerdem leistet er Einzelseelsorge. Zu allen Problemen des täglichen Lebens. Aber eben auch zu den speziellen für Angehörige der Bundeswehr, die beispielsweise Auslandseinsätze absolvieren müssen. Und da ist Angst kein Fremdwort. Oder die Sorge, wie man mit Trennung von der Familie umgeht.

Info

Gottesdienst

Militärdekan Monsignore Rainer Schnettker wird Stephan van Dongen am heutigen Freitag, 29. Januar, mit einem feierlichen Gottesdienst ab 9.30 Uhr in der Herz-Jesu-Kirche Wesel verabschieden.

Anschließend gibt es ab 10.45 Uhr einen Empfang im Kasino an der Schill-Kaserne.

"Lagerleben wie im Ghetto"

Der gebürtige Duisburger van Dongen kann das nachfühlen. Er hat selbst einen Kosovo-Aufenthalt mit Lagerleben hinter sich. "Das ist natürlich wie im Ghetto", sagt der Militärpfarrer und schildert die für ihn bedrückendste Geschichte: Eine amerikanische Soldatin (32), Mutter von vier Kindern, die bei der Großmutter aufwachsen, war nach sieben Monaten Kosovo heilfroh, dass sie weitere vier dort bleiben durfte und nicht in den Irak oder nach Afghanistan musste.

Mit Afghanistan hatte van Dongen in den zurückliegenden dreieinhalb Jahren viel zu tun. Ständig sind Fernmelder aus der Weseler Schill-Kaserne dort. Wesel ist nicht der einzige Standort, den der Militärpfarrer zu betreuen hatte. Kalkar (Luftwaffe), Depots in Straelen-Herongen und Wulfen, Düsseldorf (Landeskommando, Heeresmusikkorps), Hilden (Feldjäger) und Mönchengladbach (multinationale Einheit) gehörten ebenso dazu wie die mittlerweile geschlossenen Standorte Emmerich (Pioniere) und Borken (Panzer-Flugabwehr). Die Dienststelle mit Sitz in Wesel soll nicht vakant bleiben. "Der Bischof von Münster hat versprochen, dass er einen Nachfolger schickt", sagt Stephan van Dongen.

Rund 2500 Leute hatte er zu betreuen. In ähnlicher Größenordnung liegt die Aufgabe im Katholischen Militärpfarramt Köln I. Allerdings mit anderer (Behörden-)Struktur: Heeresamt, Personalamt, MAD-Amt sowie Bundessprachenamt Hürth. In letzterem lernen gerade Afghanen Deutsch.

Spannende Dinge hat dem Pfarrer die Bundeswehr auch geboten. Im Kosovo erste Hubschrauberflüge oder Fahrten mit Kettenfahrzeugen. Ein "Marine-Praktikum" zeigt ihm, dass diese Waffengattung nichts für ihn ist. Zu eng war es ihm auf dem Minensuchboot: "Da würde mir über Wochen der persönliche Rückzugsraum fehlen."

Quelle: RP

 
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