Kreis Kleve: Airport "latent überschuldet"
VON ANJA SETTNIK - zuletzt aktualisiert: 11.02.2011 - 10:03Kreis Kleve (RPO). Die Aktionsgemeinschaft gegen Fluglärm interpretierte gestern die Bilanz des Flughafens Niederrhein für das Jahr 2009. Ihre Erkenntnis: Die Finanzschwäche ist eine grundsätzliche und liegt nicht an der Ticketsteuer.
Die Zeit, bis der Kreistag darüber entscheiden wird, wie er mit der aktuellen Finanznot des Flughafens umgeht, nutzte die Aktionsgemeinschaft gegen Fluglärm gestern, um der Presse ihren Eindruck der wirtschaftlichen Lage des Flughafens Niederrhein (FN) zu erläutern. Die Flughafengegner um den Vorsitzenden Karl-Heinz Kandolf stützte sich auf die veröffentlichten Jahresabschlüsse der FN für 2005 bis 2009. Kurz zusammengefasst ergibt sich daraus für die Aktionsgemeinschaft ein "tief defizitäres" Unternehmen, das mit Taschenspielertricks versuche, seine strukturelle Schwäche zu übertünchen. Die FN sei "latent überschuldet" und werde auch in den kommenden Jahren nicht imstande sein, ihre Zinsen zu bezahlen.
Bundesanzeiger
Die FN sei latent in ihrer Existenz gefährdet, so lange kurzfristige Kredite, mit denen das Vermögen langfristig finanziert werden müsse, nicht fristgerecht zu bedienen seien, beanstanden die Flughafengegner. Die verkürzte Bilanz ist nachzulesen unter www.ebanz.de/Flughafen Niederrhein.
Papierform in Ordnung
Den Großteil der Pressekonferenz bestritt Klaus Tissen, Mitglied der Aktionsgemeinschaft (AG) und von Beruf Wirtschaftsprüfer. Er stellte fest, dass die Papierform der Bilanzen in Ordnung sei und man schon zwischen den Zeilen lesen müsse, um die erheblichen Probleme zu entdecken. Das Zahlenmaterial, das der Flughafen im Bundesanzeiger zuletzt am 3. Februar 2011 vorgestellt habe, sei in sich schlüssig. Offengelegt werden müsse, weil es sich um eine nur mittelgroße Kapitalgesellschaft handele, allerdings nur eine verkürzte Fassung. Die kompletten Jahresabschlüsse müssten nur den Gesellschaftern zur Kenntnis gegeben werden – "Landrat Spreen und Bürgermeister Francken sollten sie kennen."
Das erste, was Tissen gestern der FN und dem Kreis gleichermaßen ankreidete: Der Abschluss 2009 wurde am 10. September 2010 aufgestellt. Zu einem Zeitpunkt also, als der Kreis bereits die Verlängerung der Kredite beschlossen hatte – ohne den aktuellen geprüften Jahresabschluss zu kennen, der laut Tissen eigentlich schon Ende März hätte vorliegen müssen. Die zuletzt besser aussehenden Jahresergebnisse seien maßgeblich durch die "Hebung stiller Reserven" geprägt. Die AG geht davon aus, dass diese durch den Verkauf von Grundstücken an die eigene Tochter "FN Grundbesitzgesellschaft" erzielt worden seien und "In-Sich-Geschäfte" darstellten. 2007 wäre der Flughafen "bilanziell überschuldet" gewesen, hätte er nicht Buchwerte an sich selbst (die Grundbesitzgesellschaft) überschrieben.
Wie klamm die FN sei, könne man auch daran ablesen, dass sie Vermögen wie etwa Rollfeldfahrzeuge verkauft und teuer zurückgeleast habe. "So etwas tut ein Unternehmen nur, wenn es ganz eng ist." Wenn der Kreis nun entscheide, die Kredite wieder einmal zu verlängern oder Anteile des "maroden Ladens" zu kaufen, solle er zumindest eindeutig sage, dass dies politisch so gewollt sei. Die Gemeinden würden letztlich all dies über die Kreisumlage zu finanzieren haben.
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