Kleve: Airport-Übung ohne Flugzeug
VON ANJA SETTNIK - zuletzt aktualisiert: 11.06.2009Kleve (RPO). Im Großen und Ganzen waren die Beteiligten mit dem Ablauf der Notfallübung am Flughafen zufrieden, ergibt ein erstes Fazit. Allerdings musste ein Bus als Flugzeug-Ersatz herhalten und vermisst die Feuerwehr den Digitalfunk.
kreis kleve Paul-Heinz Böhmer hat als Rektor der Grundschule Nütterden vorwiegend mit Kindern, Lehrern und Eltern zu tun. Aber er ist ebenso Feuerwehr-Fachmann und hatte als Kreisbrandmeister die Einsatzleitung der Großübung "Charly 2009" am Airport Weeze. Den Beobachtern der Bezirksregierung ging es um die Zusammenarbeit der Krisenstäbe von Kreis, Flughafen und Einsatzleitstelle. "Unterm Strich bin ich zufrieden und denke, dass diesen Eindruck auch die übrigen Teilnehmer gewonnen haben", sagt Böhmer.
Wie berichtet, war folgendes Szenario angenommen worden: Ein Flugzeug bringt Passagiere aus Malaga nach Weeze, von denen insgesamt 16 Symptome der Schweinepest zeigen. Der Tower löst Alarm bei der Flughafenfeuerwehr aus und unterrichtet den Krisenstab des Flughafens. Nun muss alles getan werden, um eine Ansteckung weiterer Menschen zu vermeiden und die Erkrankten zu versorgen.
Spreens Fazit
Landrat Wolfgang Spreen stellte in einem ersten Fazit nach der Übung fest: "Im Zentrum stand das Zusammenspiel aller beteiligten Kräfte bei Aufbau und Betrieb des Behandlungsplatzes für die erkrankten Passagiere. Der Kreis hat sofort ein Bürgertelefon mit Auskunftsstelle bereitgestellt, um auch in der sehr realistisch aufgebauten Übungssituation Anfragen von Angehörigen aufnehmen zu können." Nach dem Eindruck des Landrats seien alle zielgerichtet und konzentriert an die Situation herangegangen. "Der Kreis mit allen beteiligten Partnern ist gut aufgestellt, sollte tatsächlich ein ähnlicher Notfall eintreten. Die Übungserfahrung und die Auswertung werden uns wichtige Erkenntnisse liefern." Auch Flughafenchef Ludger van Bebber war zufrieden und wies darauf hin, dass der Notfallplan des Airports auch ein Pandemie-Szenario enthalte. "So zeigt sich die große Bandbreite an Notfallsituationen, die unser Notfallplan umfassend berücksichtigt."
Ein, zwei Missstände benannte Kreisbrandmeister Böhmer aber doch: "Sehr ärgerlich ist, dass wir noch immer keinen digitalen Funk einsetzen können, obwohl uns die Bundesnetzagentur dies schon vor Jahren versprochen hat. Wenn wir funken, kann jeder mithören, und bei Großereignissen ist das analoge System sehr unpraktisch, weil immer nur einer sprechen kann." Eine Funkbrücke auf dem Flughafengelände soll bis zur Umstellung aufs digitale System zumindest den Empfang im waldreichen Gelände verbessern. Ein weiterer Minuspunkt: "Schade war, dass wir kein Flugzeug vor Ort hatten und mit einem Bus vorlieb nehmen mussten. Das war realitätsfern – 112 Personen in einem Bus und der Notarzt dazwischen, der die Menschen zu untersuchen hatte."
Isolierstation in Kleve
Sollte wirklich einmal eine Pandemie ausbrechen, würden die Kranken in die Isolierstation des Klever Krankenhauses gebracht, war zu erfahren. Da die Verantwortung jedoch nicht bei den Klever Ärzten, sondern beim Kreis-Gesundheitsamt läge, waren weitere Auskünfte vom St. Antonius-Hospital nicht zu bekommen.
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