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Kleve: Als Touristin durch Kleve

VON SARAH DICKMANN - zuletzt aktualisiert: 21.10.2006

Kleve (RPO). Schwanenburg, Denkmal, Gedenkstätte, Kirche, Brunnen – RP-Redaktionsmitglied Sarah Dickmann begab sich mit Stadtführerin Wiltrud Schnütgen und einer Besuchergruppe auf die Spuren der Klever Geschichte. Tür zu, Licht aus. Wiltrud Schnütgen ist gnadenlos. Schließlich soll sich die Besuchergruppe genau so fühlen, wie es bis 1911 die Gefangenen taten. Kein Lichtschein, kein Geräusch dringt durch die meterdicken Mauern in das ehemalige Verlies der Schwanenburg. Und die Obermeister der Elektro-Innungen aus Kleve und Wesel samt Reporterin sind froh, als die Stadtführerin die stabile Holztür nach kurzer Zeit wieder öffnet.

Wiltrud Schnütgen weist zum Spiegelturm der Burg, und die Kreishandwerker samt Reporterin schauen und lauschen interessiert.   Foto: RPO
Wiltrud Schnütgen weist zum Spiegelturm der Burg, und die Kreishandwerker samt Reporterin schauen und lauschen interessiert. Foto: RPO

Stadtführerin – diese Bezeichnung hört Wiltrud Schnütgen eigentlich gar nicht so gern. Wie sie selbst sich bezeichnen würde? „Ich bin Berufskleverin.“ Stimmt. Denn die 46-Jährige kennt sich aus in Kleve, und an der begeisternden Art, wie sie über Vergangenheit und Gegenwart spricht, ist deutlich zu spüren, wie sehr sie sich für ihre Stadt engagiert. Einen Schirm reckt Wiltrud Schnütgen nicht in die Höhe, um die Gruppe beisammen zu halten. Ist auch nicht nötig. „Neun Personen sind optimal für eine Führung, weil es eine verhältnismäßig kleine Gruppe ist.“

Viele Fragen

Klein und sehr aufmerksam, wie die Führerin feststellt. Sie hat durch jahrelange Erfahrung genau im Blick, ob sie die Zuhörer mit ihren Erzählungen zu fesseln vermag, wer zwischendurch auf die Uhr schaut und wer, so wie in diesem Fall, mit vielen Detailfragen Interesse bekundet. Wiltrud Schnütgen führt die Gäste dorthin, wo sich im Mittelalter der prächtige Rittersaal der Burg befand, danach folgen die Blicke ihrem ausgestreckten Arm in Richtung Spiegelturm. Mithilfe von Bildern lässt die Stadtführerin das vergangene Geschehen auf der Schwanenburg lebendig werden, zeigt die Reste des Burgbrunnens und erzählt die Sage vom Schwanenritter, an die sich der Name der Burg anlehnt.

Info

Stadtführungen

Führungen durch Kleve sind sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch und Niederländisch und für Gehörlose möglich.

Spezielle Themenführungen ergänzen das Angebot des Klever Stadtmarketings. So gibt es einen Rundgang, der über bekannte Kleverinnen informiert. Anmeldung unter % 02821 / 895090 oder www.kleve.de.

Ohne Anmeldung starten jeden Samstag um 11 Uhr Busrundfahrten am Meeting-Point am Anfang der Fußgängerzone.

Gut gelaunt geht die Gruppe weiter in Richtung Friedrich-Wilhelm-Denkmal. Zeitsprünge meistern Wiltrud Schnütgen und ihre Zuhörer ohne Probleme. Sie sprechen über den augenscheinlich viel zu kleinen Stall für 200 Pferde, über Heilquellen, die gegen „Blödigkeit des Gesichts“ helfen sollten und über die bekannteste Frau von Kleve: Anna. Locker, aber keinesfalls oberflächlich geht die Stadtführerin auf das Thema „Juden in Kleve“ ein, zeigt den Platz, an dem einst die Synagoge stand und erzählt von der einzigen jüdischen Überlebenden des Zweiten Weltkriegs.

„Provisorien halten bekanntlich am längsten“, sagt sie angesichts des Kriegerdenkmals vor der Kirche St. Mariä Himmelfahrt, der eigentlich gar nicht lange dort liegen sollte, und führt die Handwerker danach in das Gotteshaus. Der Weg von der Gruft der Herzöge führt zum Brunnen in der Fußgängerzone: „Hier muss ich leider aufhören, dabei könnte ich ihnen noch so viel mehr über Kleve erzählen“, bedauert Schnütgen. Das steht außer Frage, sind doch eineinhalb Stunden wie im Flug vergangen. Und so versprechen nicht wenige Mitglieder der Gruppe, Kleve schon bald wieder zu besuchen.

Quelle: RP

 
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