Niederrhein: Andreas Windhuis: Der Schurke wird gemütlich
VON RAINER KAUSSEN - zuletzt aktualisiert: 23.08.2010 - 10:51Niederrhein (RPO). Andreas Windhuis lernte die Schauspielerei von der Pike auf. Heute ist der Alpener ein gut beschäftigter Mime mit Rollen in diversen Tatort-Folgen, im Fahnder und in vielen Theaterstücken.
Auszeichnungen
Die Arbeit des Schauspielers Andreas Windhuis wurde mit verschiedenen Preisen gewürdigt.
U.a. wurde der Film "Richtung Leben" (Regie: Stephan Rick) 2006 mit dem Produzentenpreis in Potsdam und 2007 in Neu Dehli als bester internationaler Film ausgezeichnet.
Neben seiner Tätigkeit als Schauspieler führt Andreas Windhuis auch eine Künstleragentur.
Altgediente Fernsehzuschauer wissen genau, was ihnen im Sommer auf der Mattscheibe serviert wird: Konserven-Kost. Eine der raren Ausnahmen zeigt heute Abend "Das Erste": Zur Prime-Time um 20.15 Uhr haben die Öffentlich-Rechtlichen das "Schurkenstück" platziert. Ein TV-Sozialdrama mit Katharina Schüttler, mit Oliver Korittke – und Andreas Windhuis, dessen Wiege in Alpen stand. Eine erstaunliche Erstaufführung mitten in der Ferienzeit. Etwa weil Beiträge, die zum Deutschen Fernsehpreis eingereicht werden, bis zum 30. August gesendet sein müssen?
Eine nie gesendete Serie
Andreas Windhuis überlässt solche Spekulationen anderen. Er ist seit über 20 Jahren in der Branche. Hat viel erlebt, gespielt, gedreht. Hat vor Jahren in einer Serie vor der Kamera gestanden, die komplett im Kasten war – und nie gesendet wurde, weil ein Neuer im Sessel des Programmdirektors Platz nahm und eine eigene Handschrift führen wollte. Ob das frustrierte? "Darüber spricht man jedenfalls noch heute", antwortet Andreas Windhuis diplomatisch.
Dabei hätte er gewarnt sein müssen. Denn Windhuis ist Theatermann, hat das Spielen von der Pike auf gelernt. In vier Jahren Ausbildung an der Hochschule für Musik und Theater Saarbrücken. Sein Anfängerengagement führte ihn nach Augsburg ans Stadttheater – was reinweg gar nichts mit der Puppenkiste gemein hat: "Es ist ein großes Haus mit 1000 Plätzen", so Windhuis. Das Haus, in dem Harald Schmidt gerade sein erstes Stück selbst inszenierte – mit Andreas Windhuis im Ensemble. Beide sind in Kontakt geblieben. Beide leben in Köln, "wir haben denselben Stammitaliener", verrät Andreas Windhuis.
Die Liste mit den folgenden Produktionen füllt ganze Seiten. Irgendwann kam neben Theater das Fernsehen. Andreas Windhuis lebte in Augsburg, in Hamburg, hatte ein Zimmerchen in Düsseldorf, "strategisch günstig immer dort, wo die Arbeit war", sagt der heute 48-Jährige.
Die Arbeit – das waren für den viel beschäftigten Mimen Rollen in diversen Tatort-Folgen, das waren 26 Folgen mit Fahnder Martin Lindow als zweiter Mann Guido Knoppek; das waren Rollen in "die Camper", Kommissar Stolberg, Bloch, Pastewka, Notruf, der Kinofilm "Meine schöne Bescherung" und so viele mehr. Oft war Andreas Windhuis ein Bösewicht, "was mit Typen zu tun hat, auf die man festgelegt wird." In der Tat lässt sich der 185-Zentimeter-Mann als wieselflinker Fassadenkletterer nur schwerlich vorstellen. Immer öfter darf er mittlerweile aber der Gemütliche sein. Auch als Künstler oder Architekt mit Schal und grau meliertem Vollbart würde er sich heute wieder finden.
Und der Niederrhein? "Ja – das ist meine Heimat. Dahin gehöre ich ebenso wie mein Name", sagt Windhuis schmunzelnd, der so manchem staunenden Gesprächspartner erst einmal klar machen musste, dass darin das i vor dem s aus dem u ein ü macht.
SV Millingen immer im Blick
Der Niederrhein ist nie aus Windhuis' Blick gerückt:"Ich habe in Millingen die Grundschule besucht, war einige Zeit auf dem Amplonius-Gymnasium Rheinberg", erinnert sich der Wahl-Kölner. Im Internet verfolgt er bis heute, wie "sein" SV Millingen kickt und was der SV Budberg macht, bei dem er mit Wilhelm "Keule" Barnowski trainierte. Seinen Niederrhein will Andreas Windhuis nun so bald wie möglich der Familie zeigen: seiner Frau Anja und dem gemeinsamen einjährigen Sohn Fritz – sobald der groß genug ist für Entdeckungsreisen.
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