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Kleve: Aus ew’gem Stein erbauet…

VON PETER JANSSEN - zuletzt aktualisiert: 15.12.2008

Kleve (RPO). Gestern wurde in der alten Materborner Kirche die erste Eucharistie nach der Restaurierung gefeiert. Der Xantener Weihbischof Heinrich Janssen weihte den Altar des Gotteshauses ein.

Blick in den Chorraum: Die Kirchenchöre aus Materborn und Reichswalde trugen zum Gelingen der feierlichen Altarweihe bei.  Foto: RPO
Blick in den Chorraum: Die Kirchenchöre aus Materborn und Reichswalde trugen zum Gelingen der feierlichen Altarweihe bei. Foto: RPO

Kleve-Materborn Die Bedeutung einer Kirche ist nicht messbar. Weder an der künstlerischen Vielfalt, die es dort zusehen gibt, noch an der Qualität der Werke. Auch eine großartige Geschichte ist kein Kriterium. Eine Kirche besitzt für jeden eine ganz eigene Wertigkeit. Geprägt durch persönliche Erlebnisse, Erfahrungen oder die Feier bedeutender Feste.

Einer, für den die gestrige Feier der Altarweihe in der alten Materborner Pfarrkirche eine ganz besondere war, ist Matthias Winkels. Der 75-jährige ist Ur-Materborner. Er hat hier sein Leben verbracht. In der alten Kirche wurde er getauft und hat dort geheiratet. Silber- und Goldhochzeit feierte er hingegen in der neuen St. Anna Kirche. „Das ist ein wunderbarer Tag. Die alten Materborner hängen an dieser Kirche. Viele haben sich damals dagegen gewehrt, als diese geschlossen wurde. Ich dürfte in Materborn keinen Umzug der Kirche mehr mitmachen“, sagte Winkels, der sich nach der Feier im Pfarrheim ein Glas Sekt auf die Wiedergeburt des Gotteshauses und der damit verbundenen Erinnerungen genehmigte.

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Wilhelm Ost, der als Vorsitzender des Förderkreises Alte Kirche Materborn einen erheblichen Beitrag dazu leistete, dass der gestrige Tag zu einem beeindruckenden wurde, sagte: „Die Messe war ein wunderbares Erlebnis.“ Ost erhielt zahlreiche Glückwünsche und Bürgermeister Theo Brauer frohlockte: „Die Kirche ist ein Rastplatz für die Seele. Was für ein Tag.“

Zu klein geworden

Die alte Kirche Materborner Kirche wurde gestern mit der Altarweihe wieder zum Leben erweckt. Seit 1966 wurde hier keine Messe mehr gefeiert. Das alte Gotteshaus aus dem Jahr 1882 wurde verlassen, da sie für die Gläubigen des stark wachsenden Klever Ortsteils zu klein geworden war. Nimmt man die gestrige Zahl der Kirchgänger als Grundlage, so könnte man direkt wieder zurückziehen. Denn bei der Feier der Altarweihe in der Pfarrkirche St. Anna Materborn wurde eine höchst christliche Tugend während der 130 Minuten dauernden Messe nahezu in Vollendung umgesetzt: die Nähe zum Mitmenschen.

Weihbischof Heinrich Janssen kniet nieder. Sehr gut besucht war das Pontifikalamt in der alten Materborner Kirche. Foto: RPO

Zum Einzug wurde der Klassiker „O Heiland reiß die Himmel auf…“ gesungen. Materborns Pfarrer Christoph Grosch nahm die Textstelle des Liedes „Reiß ab wo Schloss und Riegel für“ und nutzte diese als Überleitung für den gestrigen Tag. „Und heute sei es unsere Kirche, wo Schloss und Riegel abgerissen werden“, sagte Grosch. Weihbischof Heinrich Janssen, der die Messe zelebrierte, sagte: „Dies ist ein Neuanfang in der alten Kirche. Hier ist ein Raum, ein Ort für den Glauben. Gut, dass es solche Tage gibt, in einer Zeit, in der die Gottvergessenheit zunimmt.“

Doch wies der Bischof auch darauf hin, dass solche Räume nicht nur Bauten sein könnten. Sie müssten mit Leben gefüllt werden. In seiner Predigt nahm der Xantener Weihbischof Bezug auf die Altarweihe, die im Mittelpunkt der Eucharistiefeier stand: „Dies ist der Tisch des Herrn. Am Altar feiern wir Gott und schaffen eine tiefe Gemeinschaft untereinander.“ Nach der Weihe und der Beisetzung der Reliquien, erfuhr der Altar seine Salbung.

Zum Abschluss des feierlichen Pontifikalamts, das die Kirchenchöre aus Reichswalde und Materborn festlich mitgestalteten, wurde ein Lied gesungen, wie es für den gestrigen Anlass kaum besser passt: „Ein Haus voll Glorie schauet…“. An einer Stelle heißt es dort: „Aus ew’gem Stein erbauet…“ Die alte Materborner Kirche, die einige Zeit dahinvegetierte, steht offenbar auf solchem Stein. In den Erinnerungen von Matthias Winkels lebte sie immer. Seit gestern nicht nur dort.

Quelle: RP

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