Kleve: Ausbildung mit Anlauf
VON KERSTIN OLAÑETA - zuletzt aktualisiert: 22.07.2008Kleve (RPO). Der Klever Bildungsträger SOS-Kinderdorf Niederrhein kennt die Hindernisse, die einem erfolgreichen (Wieder-)Einstieg in den Beruf im Wege stehen. Und nennt einige Beispiele von Leuten, die’s gepackt haben.
Ohne Schulabschluss, ohne Motivation – fast schon resigniert – – kam Angelo Derksen zum SOS-Kinderdorf. „Ich hatte mich schon so oft um eine Ausbildungsstelle als Koch beworben und nur Absagen geerntet“, blickt der 20-Jährige zurück. Schnell änderte sich indes seine Einstellung, als er nach mehrmonatiger Berufsvorbereitung bei dem Klever Bildungsträger mit der Ausbildung zum Beikoch im Fachbereich Gastronomie am Klapheckenhof begann.
Gute Arbeit geleistet
Der junge Mann kniete sich richtig rein und lernte erfolgreich. „Angelo hatte zwar hin und wieder seine Durchhänger, ein paar Mal wollte er auch alles hinschmeißen, doch unterm Strich hat er immer sehr gute Arbeit abgeliefert“, erinnert sich Ausbilder Dieter Cleff. Kurz vor der Prüfung habe Angelo dann richtig der Ehrgeiz gepackt – er schloss seine Ausbildung als Prüfungsbester ab. Kein Einzelfall, von dem Gabriele Coché-Schüer vom SOS-Kinderdorf Niederrhein da berichten kann.
„Auch die 23-jährige Melanie Vehreschild hat ihre Prüfung mit ’sehr gut’ bestanden und ihr Übernahme-Angebot in der Tasche“, berichtet Coché-Schüer stolz. Die Frau hatte trotz Fachoberschulreife und erfolgreich abgeschlossener Handelsschule auf ihre zahllosen Bewerbungen immer nur Absagen erhalten und rutschte in Hartz IV. „Über die Berufsvorbereitungs-Maßnahmen bei uns startete sie im Bereich Wirtschaft und Verwaltung bei der Übungsfirma und bekam aufgrund ihrer guten Leistungen das Angebot, eine kaufmännische Ausbildung in der Verwaltung zu machen“, erzählt Coché-Schüer. Vehreschild selber sagt: „Ich merkte jeden Tag mehr: Büro, das ist mein Ding. Für die Prüfungen lernte ich dann wie eine Verrückte.“ Das Ergebnis konnte sich sehen lassen: Die junge Frau bestand mit „sehr gut“ und wurde übernommen. Nach vielen Anläufen schaffte es die Kranenburgerin Yvonne Böhmer. Sie ist 30 Jahre alt, erzieht ihren zehnjährigen Sohn allein und hat immer wieder im Bereich Hauswirtschaft gearbeitet: „Da sie allerdings keinen Hauptschul-Abschluss hatte, war es schwierig für Böhmer, eine Ausbildungsstelle zu finden“, so Coché-Schüer. Bei SOS bekam die 30-Jährige die Chance, eine Vollaussbildung zur Hauswirtschafterin zu machen.
34 haben bestanden
Auch wenn sie sich streckenweise schwer tat, brach Böhmer die Ausbildung selbst dann nicht ab, als sie schwer krank wurde und sechs Monate aussetzen musste. Im Juni machte die Kranenburgerin ihren Abschluss als Prüfungsbeste. Insgesamt, erinnert Coché-Schüer, hätten in diesem Sommer 34 Auszubildende bei SOS-Kinderdorf Niederrhein ihre Abschluss-Prüfungen bestanden. Sie alle hätten von dem guten Zusammenspiel zwischen Ausbildern, Pädagogen, Bildungsbegleitern, Betrieben und Verwaltung sowie von der Ausbildungs-Finanzierung durch die Kommunen oder die Agentur für Arbeit profitiert.
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