kalaydo.de Anzeigen stellen auto immobilien kleinanzeigen tiere ferienwohnungen inserieren
  RP Providing |  RP Shop |  PremiumCard |  RP Reise
         
  Newsletter |  RSS |  Mobil |  Apps
Abo & Service | Anzeigen | ePaper | Schulprojekte  
 
       
 
  Gast

Kleve: Baby-Tod: Zehn Jahre Haft

VON JULIA LÖRCKS - zuletzt aktualisiert: 13.02.2009

Kleve (RPO). Er nahm das Sterben des Säuglings billigend in Kauf – dieser Meinung war das Klever Schwurgericht, das Donnerstag das Urteil gegen den 37 Jahre alten Angeklagten Guido W. verhängte. Von Überforderung kann keine Rede sein.

Bedenkzeit: Das Schwurgericht unter dem Vorsitz von Ulrich Knickrehm hat sich zwei Tage lang gefragt, welches Strafmaß angemessen ist.   Foto: RPO
Bedenkzeit: Das Schwurgericht unter dem Vorsitz von Ulrich Knickrehm hat sich zwei Tage lang gefragt, welches Strafmaß angemessen ist. Foto: RPO

Wie lang 30 Sekunden Stille sein können, das machte Richter Ulrich Knickrehm gestern deutlich. Wie lang jedoch 30 Sekunden ohne Luftzufuhr für ein sechs Monate altes Baby sein müssen, das ist immer noch kaum vorstellbar. "Mindestens 30 Sekunden", sagte Knickrehm. Er ergänzte: "Der Angeklagte erkannte, dass diese Behandlung, die er dem Kind am Abend des 15. August 2008 zugeführt hatte, lebensgefährlich war. Er nahm das Sterben des Säuglings billigend in Kauf. Denn danach war der kleine Jeffrey still." Für diesen schweren Fall des Totschlags bekam der gelernte Kfz-Mechaniker Guido W. (37), der zur Tatzeit mit seiner damaligen Lebensgefährtin in Kalkar lebte, zehn Jahre Haft.

"Derbe, intensive Gewalt"

Info

Gunst und Last

Ein minderschwerer Fall von Totschlag lag nicht vor, dennoch hat das Landgericht Kleve im Prozess gegen Guido W. aus Kalkar gestern nicht die Höchststrafe von 15 Jahren Haft verhängt. Zu Gunsten ging, dass der Angeklagte den äußeren Ablauf der Tat gestand, er Reue zeigte, sich in der Haft bisher unauffällig verhielt und die Tat affektgetönt war. Zu Lasten des Angeklagten ging die Vorstrafe wegen Beschaffungskriminalität aus dem Jahr 1995 und die Tatsache, dass der Säugling nicht in der Lage war, sich zu wehren.

Zwei Tage hatte das Schwurgericht unter dem Vorsitz von Ulrich Knickrehm beraten. Zwei Tage lang haben sie sich gefragt, welches Strafmaß sie für angemessen halten. Rechtlich bewertet gibt es für einen Totschlag fünf bis 15 Jahre Freiheitsstrafe – je nach Schwere. Die Kammer des Landgerichtes Kleve entschied sich für zehn Jahre – und kam somit der Forderung der Staatsanwaltschaft und der Nebenklägervertretung der Mutter Eileen K. nach. Der Rechtsanwalt des leiblichen Vaters Marc U., ebenfalls Nebenkläger, hatte zwölf Jahre gefordert. Die Verteidigung dagegen hatte einen Tötungsvorsatz des Angeklagten verneint und eine mildere Strafe wegen Körperverletzung mit Todesfolge gefordert.

In seiner Urteilsbegründung bezeichnete Ulrich Knickrehm diese Art von Körperverletzung jedoch als "derbe, intensive Gewalt im oberen Bereich". So hatte es auch der Rechtsmediziner, der den Säugling unmittelbar nach dem eingetretenen Hirntod untersuchte und als Sachverständiger am dritten Prozesstag aussagte, beschrieben. Genauer gesagt hielt der Angeklagte dem sechs Monate alten Baby zweimal Mund und Nase zu, er schüttelte es und schlug den Kopf des Kindes dreimal auf den Boden.

"Es war der Abend des 15. August 2008, die Mutter ging gegen 18 Uhr kellnern und der Angeklagte sollte sich wie abgemacht um das Kind kümmern. Doch Jeffrey schrie, laut und anhaltend. Gegen 22 Uhr gelang dem Angeklagten immer noch kein Mittel zur Beruhigung. Also wendete er Gewalt an. Er hielt dem Säugling so heftig Mund und Nase zu, dass das Lippenbändchen abriss. Er packte so fest zu, dass die zweite bis fünfte Rippe brach. Er schlug den Hinterkopf so kräftig auf, dass ein dumpfes Geräusch zu hören war, der Schädel brach", so beschrieb der Richter die "Behandlungen". Dass der Angeklagte mit der Situation überfordert gewesen sei, konnte Knickrehm nicht nachvollziehen. "Babygeschrei ist eine Situation, die ein Erwachsener beherrschen sollte und muss."

Quelle: RP

 
weitere Artikel
 
Links zu diesem Artikel
 

Anzeige:

Aktuell bei RP Online
Eltern wollen Sekundarschule

Hilden

Eltern wollen Sekundarschule

Das Schulamt hat 871 Mütter und Väter in Hilden befragt. Fast 87 Prozent haben geantwortet. ... mehr 

Ratingen

Aufterbeck: Abriss beginnt

Am Sonntag wird die Wallstraße gesperrt: Ein Bagger schlägt eine Schneise ins Kaufhaus für ... mehr 

Videos

Video

Grefrather Eisbahn wird zur Filmkulisse

Die Schlittschuhläufer laufen eine Runde nach der anderen. Auf der Außenbahn des Grefrather Eisstadions ist dieses Mal alles etwas anders . ... mehr 

Kurios: Flugzeuge verhaken sich ineinander

Auf dem Chicagoer Flughafen sind sich zwei sehr ungleiche Flugzeuge ins Gehege gekommen. Eine Boeing 747 wollte sich auf den Weg machen, als ... mehr 

Aus der Nachbarschaft

Tippspiel

Wir suchen den EM-Experten

Deutschland Niederlande Jubel Özil Klose Müller 2011 dpa

Wer übersteht die Vorrunde? Wer schafft es bis ins Finale? Das EM-Tippspiel von RP Online gibt Ihnen die Gelegenheit, Ihr fußballerisches Know-How unter Beweis zu stellen. Die besten Tipper erwarten tolle Preise. Jetzt anmelden und mitmachen! mehr 

Meistgelesen

Umstrittene Äußerung zum Islam

Muslime werfen Gauck Geschichtsfälschung vor

Bundespräsident Joachim Gauck hat sich von der Einschätzung seines Vorgängers Christian Wulff distanziert, der Islam gehöre zu Deutschland. Damit brachte er den Zentralrat der Muslime gegen sich auf. Gauck betreibe Geschichtsfälschung. mehr

 

Stürmer für Borussia Mönchengladbach

De Jong hat noch keinen Favoriten

 

"Snow White and the Huntsman"

Charlize Theron verbreitet Angst und Schrecken

 

"Mobiler temporärer Ausschluss"

Vorhang soll Bengalos unterbinden

 

Leichenteile an Parteien geschickt

Kanadas Polizei jagt einen Pornostar

Meistkommentiert

Das neue Führungsteam der Deutschen Bank

Jain und Fitschen – das gegensätzliche Duo

Die Ära Ackermann ist zu Ende, nun soll ein indisch-deutsches Duo die Deutsche Bank führen. An der Spitze des Geldhauses stehen künftig zwei Männer, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Anshu Jain, der Investmentbanker, und Jürgen Fitschen, der ... Von Dana Schülbe  mehr

 

Bürgerkrieg in Syrien

Syrische Deserteure drohen Assad

 
MEHR

Kleve

Bürgerinitiative gegen Verfüllung des Tweestroms

Spontan hat sich jetzt eine Bürgerinitiative "Tweestrom" gefunden, um gegen die Verfüllung des gleichnamigen Gewässers zu kämpfen. Man beabsichtigt Unterschriften gegen diese von der Stadt Kleve nach wie vor geplante Maßnahme zu sammeln. Listen dafür ... mehr

 

Kleve

300 Ferkel verbrennen im Stall

Bei einem Brand auf einem Bauernhof in Wachtendonk sind 300 Ferkel verendet. Bei den Löscharbeiten wurden zwei Feuerwehrleute leicht verletzt. Der Sachschaden liegt bei mehreren hunderttausend Euro. mehr

 
 
 
 
 
Bilder aus Kleve
 
Kreis Kleve damals und heute
Kreis Kleve damals und heute
Früher und heute: aktuelle Ansichten und historische Bilder.
mehr 
Pfingsttipps aus dem Kreis Kleve
Pfingsttipps aus dem Kreis Kleve
Ideen für das lange Pfingst-Wochenende
mehr 
Das Krokodil im Elsa-Brunnen
Das Krokodil im Elsa-Brunnen
Viel Publikum gab es bei den Dreharbeiten zum ..
mehr 
Landtagswahl 2012: So wurde im Kreis Kleve gewählt
Landtagswahl 2012: So wurde im Kreis Kleve gewählt
So hat der Kreis Kleve bei der Landtagswahl ..
mehr 
Landtagswahl 2012 im Kreis Kleve
Landtagswahl 2012 im Kreis Kleve
Bei der gemeinsamen Wahlparty im Kreishaus ..
mehr 
Kreis Kleve: Die Kandidaten des Wahlkreises 54
Kreis Kleve: Die Kandidaten des Wahlkreises 54
Hier sehen Sie die Kandidaten des Wahlkreises 54 Kleve/II
mehr 
 

RP ONLINE-Seminarreihe

So werden Sie bei Google gefunden

bornewasser.jpg

Unsere kompetenten Referenten zeigen Ihnen die Tricks der Suchmaschinen und sorgen dafür das Sie besser und schneller gefunden werden. mehr 

Familienanzeigen