Kranenburg: „Hier wird Mist gebaut“
VON PETER JANSSEN - zuletzt aktualisiert: 17.11.2008Kranenburg (RPO). Die Gemeinde Kranenburg will weiter wachsen. Ein Neubaugebiet am Elsendeich soll ab 2010 dafür sorgen, dass die Einwohnerzahl steigt. Vor allem die Anwohner der Uhlandstraße aber streben nun einen Bürgerentscheid an.
Wenn der Kranenburger Friedhelm Lange (49) in seinem Garten an der Uhlandstraße steht, kann er den Blick ungehindert schweifen lassen. Natur, so weit das Auge reicht. Ein paar Häuser, die weit entfernt stehen, stören nicht. Mit der Fernsicht auf Flora und Fauna könnte bald Schluss sein. Direkt hinter seinem Garten wird das entstehen, was in Kranenburg gelegen ebenso attraktiv ist, wie etwa der Wunsch nach mehr Feiertagen. Frische Baugrundstücke sollen dort ab 2010 entstehen. Die werden dann den Hunger von Bauwilligen in der Grenzgemeinde vorübergehend sättigen. Denn für Niederländer besitzt der Kauf von Bauland noch immer Schnäppchenmarkt-Charakter. Sie zahlen doppelt soviel in der Heimat.
Seit dem 11.11.
Seit dem vergangenen Dienstag, dem 11.11., läuft die Aktion Bürgerentscheid gegen das Neubaugebiet in Kranenburg am Elsendeich.
Initiator Friedhelm Lange hat sich auch an das Fernsehen gewandt, die den Fall prüfen und in den nächsten Tagen Bescheid gegen, ob ein Kamerateam vorbei kommt. SAT 1 mit der Sendung Akte 2008, in der Reporter so einiges aufdecken, soll Interesse signalisiert haben.
Infos: Friedhelm Lange, Tel. 02826 203970
Verklinkerte Garagenwände
Die Vorstellung von Friedhelm Lange, was mit dem Acker hinter seinem Garten passieren soll, ist eine andere. Das Interesse an neuen Nachbarn hält sich bei ihm in Grenzen. Aber nicht in erster Linie, wie er betont, weil er statt Vögel und freie Sicht demnächst auf frisch verklinkerte Garagenwände schaut. „Hier wird Mist gebaut. Zum einen brauchen wir dieses Baugebiet nicht, zum anderen wird das Regen- und Grundwasser für uns zu einem noch größeren Problem.“ Für uns, das sind mittlerweile 100 Kranenburger, die sich der Initiative von Lange angeschlossen haben. Alles Bürger, die keine Notwendigkeit für ein neues Baugebiet sehen. Während Lange seit längerem gegen die Pläne bei Verwaltung und Entscheidungsträgern Sturm läuft, ist neu, dass er dies jetzt mit Hilfe eines Bürgerentscheids versucht. „Zehn Prozent der Einwohner der Gemeinde Kranenburg müssen sich in die Liste eintragen. Dann hätten wir die Chance auf einen Bürgerentscheid“, sagt Lange. Notwendig wären dazu etwa 940 Unterschriften von Volljährigen. Wie ernst es dem 49-Jährigen ist, beweist, dass Lange jeden Kranenburger besuchen will, der seine Unterschrift gegen das Baugebiet auf den Vordruck setzen will.
Mit Wil Weijers (49) und seiner Frau Franziska (49) gehören Langes Nachbarn dem harten Kern der Initiative an. „Wir haben alle Pumpen im Keller. Teilweise sind bei unseren Nachbarn die Wände schon feucht, das Land darf nicht bebaut werden, sonst wird es noch schlimmer“, argumentiert Weijers. Ein Vorschlag von Lange an die Gemeinde, dass die Aktion „Kampf dem Baugebiet Kranenburg-Süd“ abgeblasen würde, wenn die Gemeinde schriftlich zusichert, für die aus der Bebauung resultierenden Wasserschäden aufzukommen, sei von der Kommune abgelehnt worden, so der Initiator. Ein zweites Argument neben dem „Wasser“ ist für Lange, dass kein Baugebiet ausgewiesen wurden muss, nur um die nächste Jagdrunde der Niederländer nach billigem Bauland einzuläuten. „Für Kranenburger Bürger gäbe es noch 350 Grundstücke, die etwa durch Lückenbebauung oder Grundstücksteilungen vorhanden wären. Am Elsendeich werden sich - wie auch in den Baugebieten am ehemaligen Hallenbad oder Richtersgut - fast ausschließlich Niederländer niederlassen.“
Hervorragend eingelebt
Ein weiteres Argument gegen das Baugebiet am Elsendeich ist für Friedhelm Lange ein gesellschaftliches: „Dass sich Niederländer in den Neubaugebieten nahezu isolieren und kaum am Leben innerhalb der Gemeinde teilnehmen, ist nicht gut und wird durch das Bauvorhaben am Elsendeich weiter verstärkt.“ Auf Nachbar Wil Weijers trifft dies in Langes Augen nicht zu: „Der hat sich bei uns hervorragend eingelebt.“ Und Weijers bestätigt: „Hier leben nette Leute, und es herrscht eine wunderbare Wohnqualität.“ Und genau die könnte sich nach Ansicht der Nachbarn bald ändern.
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