Niederrhein: „So weit die Wolken ziehen“ – Willi Fährmann beim RP-Treff
VON RICHARD LUCAS-THOMAS - zuletzt aktualisiert: 01.12.2008Niederrhein (RPO). Bis heute fahren die Überlebenden jener Ereignisse zum Grab ihrer Mitschülerinnen, die Willi Fährmann in seinem aktuellen Roman „So weit die Wolken ziehen“ beschreibt. Am Mittwoch, 3. Dezember, liest der international erfolgreiche Autor beim „RP-Treff regional“ der Regionalredaktion der Rheinischen Post aus seinem Roman und erzählt von seinen Recherchen zum neuen Buch, das im Herbst vorgestellt worden ist.
Die Kinderlandverschickung im Dritten Reich (KLV) in dem Zeitraum von November 1943 bis Juli 1945 bildet den Rahmen der Handlung. Sie ist literarisch selten thematisiert und weder vom Anlass her noch vom Ausgang eine Idylle. Denn mit der Kinderlandverschickung wurden komplette Schulen aus den zerbombten Städten des Ruhrgebietes in ein vermeintlich friedlicheres Umfeld verlegt und doch nicht aus der Indoktrination des Nazi-Regimes entlassen.
Willi Fährmann, in Duisburg geboren und dort aufgewachsen, hat die KLV selber nicht erlebt, weil seine Eltern sich erfolgreich dagegen stemmten. Er zog mit seiner Mutter ins Siegerland um. Den Stoff zu seinem Roman hörte er von einer Mitstudentin. Diese kam damals mit 100 Klassenkameradinnen aus Oberhausen in die Kinderlandverschickung – in einen kleinen Ort hinter Wien. Als auch dort die Kriegsfront immer näher rückte, begann für die Mädchen eine überstürzte Heimreise, die 100 Tage lang zu einer Odyssee auf Militär-Lkw und zu Fuß geriet. Bei einem schrecklichen Unfall ertranken dabei 13 Mädchen in einem Gebirgsbach. Noch heute treffen sich die Überlebenden an der Unglücksstelle zum Gedenken. Willi Fährmann konnte sich bei diesem Roman auf die Tagebücher und Aufzeichnungen der Mädchen von damals stützen. Denn viele haben ihm diese zur Auswertung überlassen.
So entstand mit „So weit die Wolken ziehen“ wieder ein Roman, der Zeitgeschichte authentisch dokumentiert. Willi Fährmann hebt den Schleier der rückblickenden Verklärung einer Zeit, die auch in der Kinderlandverschickung knallharte Ideologie und Indoktrination war – keine Idylle.
RP-Treff regional
Mehr dazu am Mittwoch, 3. Dezember, beim „RP-Treff regional“. Beginn ist um 19 Uhr im Saal des Thomashauses in Xanten, Kapitel 10 (am Dom). Wegen begrenzter Teilnehmerzahl ist eine Anmeldung bis Dienstag, 2. Dezember, unbedingt erforderlich.
Anmeldung: Rheinische Post, Region Niederrhein, Kapitel 10 / Thomashaus, 46509 Xanten, Telefon 02801 71 41 30 (E-Mail: redaktion.niederrhein@rheinische-post.de).
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







