Kleve: „Unmenschlichkeit und Brutalität“
VON MATTHIAS GRASS - zuletzt aktualisiert: 01.02.2007Kleve (RPO). Am Mahnmal vor der Klinikkirche gedachten die Rheinischen Kliniken, die Krankenpflegeschule und die Gemeinde Bedburg-Hau der Opfer des nationalsozialistischen Regimes. Bürgermeister Peter Driessen: „Dieses nationalsozialistische Regime steht für millionenfachen Mord“.
kreis kleve/bedburg-hau Hadamar steht dunkel über die deutsche Psychiatrie in den Jahren 1933 bis 1945, wurde zum Symbol für die Ermordung geistig kranker Menschen: Schätzungsweise 300 000 Menschen aus Deutschland, Frankreich der Sowjetunion und der Tschechoslowakei wurden Opfer der NS-„Euthanasie“-Verbrechen. Diese Menschen waren psychisch krank, geistig behindert, tuberkulosekrank oder von jüdischer Herkunft.
„Kampf ums Dasein“
„Gemeinsam war ihnen, dass sie nicht dem nationalsozialistischen Menschenbild des „gesunden“ und „starken Ariers“ entsprachen, der sich im „Kampf ums Dasein“ bewähren sollte, heißt es an der Gedenkstätte im Westerwald in Hadamar. Denn nach der „Machtübernahme“ funktionierten die Nationalsozialisten 1933 das Gesundheitswesen nach ihren rassenhygienischen Vorstellungen um.
Keine Gräber
„Das Gedenken der Opfer ist so wichtig wie die Kenntnis der Täter. Alle die Menschen, die während des Krieges in Bedburg-Hau starben oder in die Ermordung deportiert wurden, sind vergessen. Sie haben keine Gräber mehr, denn diese wurden beseitigt oder haben nie existiert“, schreibt Hermeler in seinem Buch. Gerade auch für diese vergessenen Menschen steht das Mahnmal in den Rheinischen Kliniken.
Das traf auch die Patienten in den Rheinischen Kliniken Bedburg-Hau. Diese Menschen aus dem Rheinland, dem Kreis Kleve wurden deportiert und ermordet - wie es Dr. Ludwig Hermeler in seiner beeindruckenden Dissertation „Die Euthanasie und die späte Unschuld der Psychiater“ beschreibt und damit die Toten dem Vergessen entreißt. Gestern gedachten die Rheinischen Kliniken und die Gemeinde Bedburg-Hau der Opfer des Nationalsozialismus. Bürgermeister Peter Driessen und der neue Verwaltungschef der Rheinischen Kliniken, Stephan Lahr, legten einen Kranz am Mahnmal vor der Klinikkirche nieder, die ärztliche Direktorin der Kliniken, Dr. Marie Brill war stellvertretend für die Rheinischen Kliniken gekommen, wie eine Klasse der Krankenpflegeschule, Pfleger, Therapeuten und Ärzte.
„Dieses nationalsozialistische Regime steht, wenn wir daran zurückdenken, für millionenfachen Mord an Juden, aber auch an anderen Volksgruppen – es steht für Unmenschlichkeit und unbeschreibliche Brutalität“, sagte Driessen.
Das Mahnmal in den Kliniken sei ein Platz, „an dem wir den Toten Ehre und Würde wiederfahren lassen. Es ist zu guter Letzt ein Symbol, welches uns immer wieder ermahnt und die Geschichte wach hält“.
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