Kreis Kleve: Betrug am Bau?
VON JENNIFER MINKE - zuletzt aktualisiert: 10.02.2007Kreis Kleve (RPO). Fünf Geschäftsleute aus der Baubranche müssen sich am Landgericht Kleve verantworten.
Ihnen wird vorgeworfen, in zahlreichen Fällen mehrere Arbeitnehmer „schwarz“ beschäftigt zu haben.Neue Firma, neues Glück – darauf hoffte wohl ein 57-jähriger Maurer aus Marienbaum. Doch dieses Glück trat nicht ein. Nachdem er vor vielen Jahren mit seinem eigenen Unternehmen Insolvenz beantragen musste, wurde ihm eine weitere Selbstständigkeit für die Zukunft untersagt.
Nun steht er mit fünf weiteren Angeklagten vor Gericht. Mit denen hatte er Firmen gegründet und fungierte stets als faktischer Geschäftsführer. Sie werden beschuldigt, in zahlreichen Fällen Arbeitnehmerbeiträge zur Sozialversicherung vorenthalten und teilweise Betrug begangen zu haben. Der Schaden beläuft sich laut Staatsanwaltschaft auf knapp 180 000 Euro. Ein 26 Jahre alter Angeklagter aus Goch, erschien nicht am Landgericht Kleve und scheint untergetaucht zu sein. Die weiteren Beschuldigten wohnen in Moers, Uedem, Kalkar und Goch.
Der Mann aus Marienbaum spielt in allen Fällen die zentrale Rolle und räumte auch gleich zu Anfang des Prozesses ein, dass er stets eine Mitschuld zu tragen habe. Da er kein Unternehmen mehr mit seinem Namen führen durfte, suchte er sich Personen, die gewillt waren, einen Betrieb zu leiten beziehungsweise dem Unternehmen ihren Namen zu geben.
Faktisch Geschäftsführer
Da diese Personen jedoch alle wenig Ahnung von der Baubranche hatten, übernahm der 57-Jährige faktisch die Position des Geschäftsführer. Das bedeutete, er trug zum großen Teil die Verantwortung in den Firmen. Die eigentlichen Chefs sagen alle geschlossen aus, sie haben mit dem Bereich der Sozialversicherungen nie etwas zu tun gehabt.
Fünf Unternehmen wurden unter Regie des Angeklagten gegründet und alle gingen nach kurzer Zeit pleite. Welche Positionen der gelernte Maurer tatsächlich inne hatte, muss das Gericht nun klären. Fakt ist, dass alle Angeklagten versuchen, die Schuld von sich zu weisen und erklären, dass ausschließlich der 57-Jährige die Fäden in den jeweiligen Unternehmen gesponnen hat. Ein Beschuldigter aus Moers, der zum Zeitpunkt der Firmengründung 26 Jahre alt war, sagte, ihm sei die Ernsthaftigkeit der ganzen Sache nicht bewusst gewesen. „Ich hatte eigentlich keine Ahnung, wie man einen Betrieb leitet“, sagte der heute 34-Jährige.
Warum der Angeklagte aus Marienbaum trotz der vielen Pleiten immer wieder versuchte, zumindest als faktischer Geschäftsführer aktiv zu sein? „So ist das eben, wenn man arbeiten möchte.“
Ein Angeklagter aus Kalkar fiel zwei Mal auf den 57-Jährigen rein. Nachdem sein Unternehmen in Kalkar in Insolvenz ging, gründete er trotzdem ein Jahr später ein neues Unternehmen mit dem Mann aus Marienbaum, obwohl dieser ihm angeblich noch Geld schuldete. Ein Start unter schlechten Bedingungen mit einem schlechten Ende. Wie in allen Fällen.
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