Kleve: Biotop und Streit um Schule
VON MATTHIAS GRASS - zuletzt aktualisiert: 14.02.2008Kleve (RPO). Mit Mehrheit empfahl der Hauptausschuss gestern abend nach langer Diskussion die Schließung der beiden Grundschulen in Keeken und Donsbrüggen. Der Biotopverbund an der Industriestraße soll größer werden
Es fiel gestern Abend den Klever Politikern im Hauptausschuss nicht leicht, die Vorentscheidung zur Schließung der beiden Grundschulen in Donsbrüggen und Keeken zu fällen. Die einen bemühten Cervantes Don Quichotte, die anderen Siegmund Freud. „Die SPD bedauert die Schließung der Schulen – aber wir haben ja ein Jahr für die Schule gekämpft. Jetzt fehlen schon wieder die Schüler, um die gesetzlich vorgeschriebenen Klassengrößen zu erreichen. Das ist, als kämpfe man gegen Windflügel“, bemühte SPD-Fraktionschef Alexander Frantz den Ritter von der traurigen Gestalt. Man müsse sich aber letztlich den Realitäten beugen. Auch CDU-Fraktionschef Udo Janssen betonte, dass die Empfehlung an den Rat nicht leicht falle. Aber: „Man muss sich der Realität stellen. Und die sagt, dass wir diese Schulen schließen müssen, weil nicht genügend Eltern da sind, die ihrer Kinder hier angemeldet haben“.
Offene Sonntage
Im Laufe des Jahres wird die Stadt Kleve wieder vier verkaufsoffene Sonntage anbieten – so wie es die Vereinigten Klever straßengemeinschaften beantragt haben:
Sonntag, 27. April,
Sonntag, 28. September,
Sonntag 9. November,
Sonntag 7. dezember
werden die Geschäfte in der Klever City von 13 bis 18 Uhr geöffnet sein.
„Keine Utopien entwerfen“
Das sah Reinhold Tobisch für die FDP-Fraktion ganz anders. Sie lehnt die Schließung der Schulen einfach ab: Düsseldorf solle die Schule hier doch schließen, wenn sie nicht mehr bestehen dürfe. Das sei kein Klever Problem. Er wolle für kleiner Klassen und für die Schulen eintreten.
„Die Sicht der FDP wundert mich – wir diskutieren seit drei Jahren über die drohende Schließung von Schulen. Mal mit, mal gegen den Schulrat. In Griethausen hat man ein Konzept entwickelt, das die Schule rettet, auch für Donsbrüggen haben wir gekämpft. Aber es fehlen nun mal die Anmeldezahlen“, sagte dagegen Grünen-Politiker und Schulausschussvorsitzender Michael Bay. und zitierte als Psychologe Siegmund Freud: Wahn und Illusion liegen nah beieinander - und hier zerschelle die Illusion an den Klippen der Wahrheit, so bay frei nach freud. Eben den fehlenden Anmeldezahlen. Es sei populistisch, anderes zu behaupten.
Bürgermeister Theo Brauer warnte als Vorsitzender des Ausschusses davor, Utopien zu entwerfen, die jeder Realität entbehren. „Keiner hat die Schulschließung gewünscht. Es gibt entsprechende Regelungen im Landesgestz - und dazu existiert keine Alternative. Die Eltern haben sich eben anders entschieden“, konstatierte Brauer. gegen die Stimmen der FDP wurde letztlich die Schließung der beiden Schulen empfohlen.
Einstimmig ging dagegen die Schaffung eines neuen Biotop-Verbundes im Bereich der neuen Industriestraße (wir berichteten) über die Bühne. Das soll, so Dirk Posdena vom Bauordnungsamt, auf einer Länge von 300 Meter in zehn Meter Tiefe vergrößert werden.
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