Kleve: Bittere Pille für Wunderdoktor
VON PETER JANSSEN - zuletzt aktualisiert: 16.02.2008Kleve (RPO). Der aus Bedburg-Hau stammende Promi-Arzt Horst Dekkers sorgt für Schlagzeilen – nicht nur wegen seiner bekannten Patienten. In der Münchener Alpha-Klinik soll der Chirurg ohne medizinische Indikation operiert haben.
In den Niederlanden wird Drs. Horst Dekkers (52) gern der „Wunderdoktor“ genannt. Der Mann ist leitender Arzt und Geschäftsführer der renommierten Alpha-Klinik in München. In Goch geboren, wuchs er in Bedburg-Hau auf. 1975 legte er am Klever Freiherr-vom-Stein-Gymnasium sein Abitur ab. Danach studierte er von 1976 bis 1983 in Nimwegen. Seit 1999 arbeitet Dekkers in München. Ein Hospital für Promis und Patienten mit einem gefüllten Bankkonto. So tummeln sich auf den Internetseiten der Klinik namhafte Frischoperierte wie der ehemalige niederländische Formel-1-Fahrer Jos Verstappen. Erfolgreich von Dekkers operiert, wie es auf der Homepage steht.
Die Stenose
Eine Stenose (griechisch) ist eine Verengung zum Beispiel von Blutgefäßen. Stenosen kommen aber auch im Darmlumen, Wirbelkanal, Harnleitern, in den Gallengängen und anderen Hohlorganen vor (aus Wikipedia).
Bei der Verengung des Wirbelkanals wuchert der Knochen, bis er den Rückenmarksnerv schmerzhaft einklemmt.
Aktuell ist der Klever auf einem Weg, seine Popularität nicht nur national zu steigern. Doch macht Dekkers weniger durch gelungene Eingriffe Schlagzeilen. Im Gegenteil: Der Rückenspezialist soll Patienten ohne medizinische Indikation an der Wirbelsäule operiert haben. Dies berichtete auch das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“, das dem Chirurgen knapp zwei Seiten widmete.
„Kein Unbekannter“
Bei der Münchner Justiz hat sich Dekkers einen Namen gemacht. Einmal, so der Sprecher des Landgerichts München, Tobias Pichlmaier, sei Dekkers bereits rechtskräftig zu Schadenersatz verurteilt worden. In der Urteilsbegründung, so berichtet „Der Spiegel“, heißt es, ein erster Eingriff sei „medizinisch nicht indiziert“ gewesen. Doch kommen nun zahlreiche Verfahren auf den Geschäftsführer der Alpha-Klinik zu. „Herr Dekkers ist bei uns kein Unbekannter. Es laufen einige Klagen gegen ihn“, erklärt Pichlmaier.
Allein neun ehemalige Patienten lassen sich von Wolfgang Putz, einem Münchner Anwalt für Medizinrecht, vertreten: „Wir haben sechs Klagen eingereicht. Zudem haben sich drei weitere ehemalige Patienten von Herrn Dekkers bei uns gemeldet. Wir prüfen, ob wir auch hier vor Gericht gehen.“ Eine von Dekkers Lieblingsdiagnosen scheint die Stenose zu sein. „Dieser Befund zieht sich wie ein roter Faden durch die Klagen“, erklärt Anwalt Putz. Dabei sei es erstaunlich, wie der Arzt zu dieser Diagnose komme, so Putz weiter. „Er erkennt auf Kernspin-Bildern Stenosen, die unsere beratenden Fachärzte entweder überhaupt nicht sehen, oder die sich in einem Stadium befinden, in denen eine Operation nicht notwendig ist“, erklärt der Anwalt.
Seine ärztliche Schweigepflicht verbietet es Dekkers, sich zu aktuellen Fällen zu äußern (unten). „Es gibt für alles eine Erklärung. Ich habe viele tausend Patienten operiert. Es gibt immer einen Prozentsatz, der unzufrieden ist“, sagt Dekkers der RP. Auch für das gegen ihn gesprochene Urteil hat Dekkers eine simple Erklärung: „Fragen sie zehn Ärzte, und sie bekommen zehn Meinungen.“
Bis zu 40 000 Euro kann ein Eingriff im Hause Dekkers kosten, berichtet der Spiegel. Dies seien Summen, die selbst von privaten Kassen nicht mehr voll bezahlt würden. Damit bei der Begleichung der Rechnung keine Irritationen auftreten, ist auf den Internet-Seiten der Klinik dargelegt, wer zu überweisen hat: „Die Alpha-Klinik verfügt über keine kassenärztliche Zulassung. Wir rechnen nicht mit Versicherungen ab, sondern nur direkt mit dem Patienten.“
Im Mai 2007 war Horst Dekkers in der Show „Johannes B. Kerner“ zu Gast. Dort durfte er einer breiten Öffentlichkeit von der „Volkskrankheit Stenose“ berichten. Auch dieser Auftritt dürfte den Bekanntheitsgrad von Dekkers gesteigert haben. Zudem hält der geschäftstüchtige Chirurg Sprechstunden in der Provinz ab. So etwa im niederländischen Noordwijk, wo er in einem Hotelzimmer Patienten begutachtet. Aber auch seiner alten Heimat bleibt er verbunden. Vorgestern gastierte er laut seiner Homepage in Emmerich.
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