Kreis Kleve: Bundestagskandidat Bruno Jöbkes (Grüne)
VON MICHAEL KLATT - zuletzt aktualisiert: 14.09.2009Kreis Kleve (RPO). Die Chance, dass Bruno Jöbkes in den Bundestag einzieht, ist gering. Der Kandidat der Grünen ist nicht über die Liste abgesichert. Agrobusiness und Energie zählen zu seinen Schwerpunkten.
Bei einer Frage kann Bruno Jöbkes nur noch müde lächeln – so oft ist sie ihm schon gestellt worden. Wie er das denn schaffen wolle, den Job in Wachtendonk und die Politik in Berlin? Nicht nur Familienangehörige erkundigen sich besorgt, seit die Grünen im Kreis Kleve den 41-Jährigen im Juni als Bundestagskandidaten aufgestellt haben.
Mit seinem Arbeitgeber hat Jöbkes die Sache längst geregelt. "Ums Tagesgeschäft könnte ich mich dann zwar nicht mehr kümmern, aber der Überblick für strategische Entscheidungen bliebe gewahrt." Damit spielt der Grüne nicht zuletzt auf die Segnungen des Internets an.
Agrobusiness-Initiative ist gut
Moderne Medien gehören freilich nicht zu den Feldern, die Jöbkes im Bundestag beackern möchte. Einen Schwerpunkt setzt er bei dem, was den Kreis Kleve prägt: die Lebensmittelerzeugung. Dafür möchte er keine Lobby-Arbeit im negativen Sinne leisten. "Ich habe mir auf die Fahne geschrieben, die Stärken des Kreises zu stützen."
Gut findet er, dass mit der Agrobusiness-Initiative zum ersten Mal diese Stärke benannt wird – und zwar sofort grenzüberschreitend. Kritisch sieht er hingegen das Gutachten über die Agro-Parks. Die dort vorgestellten Dimensionen der Glashäuser ließen vermuten, dass die Vermarktung sich auf ganz Europa erstrecke. Und außerdem: "Vom Nährstoff her ist es von Vorteil, wenn die Pflanzen draußen wachsen statt im Treibhaus."
Beim Thema Energie setzt Jöbkes wie alle Grünen auf die drei "E": erneuerbare Energien, Energie-Effizienz, Energiesparen. Für ihn ist es ein Glück, dass mit dem Konjunkturpaket II die energetische Sanierung der Schulgebäude im Kreis angepackt wurde. "Das muss auf alle öffentlichen Gebäude ausgedehnt werden." Und die privaten Förderprogramme seien noch nicht publik genug. Das Umdenken über erneuerbare Energien hat Jöbkes bei den Diskussionen im Wachtendonker Rat gespürt.
Er setzt auf hohe, große Windkrafträder: "Die sind energie-effizienter, leiser und werfen weniger Schatten." Auch glaubt er daran, dass der Einstieg in den Atomausstieg nicht rückgängig gemacht wird, egal, welche Bundesregierung nach dem 27. September gebildet wird. "Das Thema Atommüll kommt als ungelöstes Problem wieder hoch", spielt er auf Asse und Gorleben an.
Jöbkes ist für eine Bürgerversicherung, in die jeder, der verdient, einzahlt. "Und warum es eine Beitragsbemessungsgrenze gibt, hat mir noch keiner erklären können."
Über die Parteiliste ist Jöbkes übrigens nicht abgesichert. "Es müsste ein politischer Erdrutsch passieren", schätzt er seine Wahl-Chancen ein.
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