Kleve: CDU will junge Frauen gewinnen
VON ULLI TÜCKMANTEL - zuletzt aktualisiert: 12.04.2008Kleve (RPO). berlin Wie man ein Wahlergebnis versemmelt, darin ist Volker Kauder ein unfreiwilliger Experte: Wegen eines falschen Wahlkampfslogans, so der CDU-Fraktionschef im Klausur-Gespräch mit den Spitzen der Niederrhein- CDU, seien die baden-württembergischen Christdemokraten 1992 von der absoluten Mehrheit in eine große Koalition gerutscht. Kauders für den Niederrhein 2009 wiederverwertbare Lehre daraus: Mach das Große-Koalitions-Ding ordentlich, dann stehen die Chancen gut, dass dir der Wähler beim nächsten Mal wieder eine richtige Mehrheit gönnt.
Außer bundespolitischen Trends kann dem CDU-Bezirksverband Niederrhein (Kreise Kleve, Wesel, Viersen, Neuss sowie Krefeld und Mönchengladbach) ohnehin nur die CDU selbst gefährlich werden. Da die Bundestagswahl in NRW jedoch weder im Ruhrgebiet noch im Sauerland, sondern am Niederrhein gewonnen werden muss, reicht ein bloßes besser als die SPD abschneiden nicht aus. „Wenn wir in nennenswertem Umfang mehr junge Frauen für uns gewinnen wollen, dann ist unser neues Grundsatzprogramm alternativlos“, so Ronald Pofalla auf der Klausurtagung des CDU-Bezirksvorstands, die gestern am späten Abend in Berlin zuende ging.
Familienministerin Ursula von der Leyen betonte im Gespräch mit den Niederrheinern, die Botschaft der CDU „an die Töchter“ könne nicht lauten: „Gebt eure Berufe auf!“ Beim Übergang von der Industrie- zur Wissengesellschaft müsse man von den übrigen Europäern lernen: „Nicht sagen, was mit Kindern alles nicht geht, sondern überlegen, was möglich ist.“ Ein Reiz-Thema für alle drei 2009 anstehenden Wahlen: Der Umgang mit der Linkspartei, die inzwischen auch am Niederrhein den Einzug in etliche Räte und Kreistage anstrebt.
Bernhard Vogel, früherer Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, riet zu weniger Voreiligkeit: Er sehe keinen Grund, schon heute davon auszugehen, dass es auf Dauer ein Fünf-Parteiensystem geben werde. Damit beantwortete der Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung auch die Nachfrage von Landrat Wolfgang Spreen, selbst gebürtiger Berliner, wie Vogel sich nur 20 Jahre nach dem Mauerfall den Zulauf zur Ex-SED erkläre. Die Ost-Linke sei nicht mit den West-Kommunisten identisch, die inneren Verhältnisse der Partei längst nicht geklärt. Es komme daher darauf an, die SED-Nachfolger inhaltlich zu stellen.
Das wird die Niederrhein-CDU tun – ohne ihr dort eine Plattform zu bieten, wo die Linke (wie im Kreis Kleve) faktisch keine Rolle spielt. Die klare Haltung der CDU komme in der Mitgliedschaft gut an, erläuterte Pofalla: „Die SPD fällt dabei ja nun leider aus.“ Die kommenden Wahlkämpfe 2009 will die CDU deutlich konzentrierter führen und ihre Mitglieder frühzeitig vorbereiten. Insgesamt, so Pofalla, stehe die CDU gut da: „Im Herbst 2007 hatten wir die Situation, dass alle möglichen Koalitionen gegen die CDU gelaufen wären. Drei Landtagswahlen weiter ist kaum noch ein Regierungsbündnis gegen die CDU denkbar.“
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