Kreis Kleve: Chance auf ein neues Leben
VON BIRTHE ROSENAU - zuletzt aktualisiert: 12.02.2009Kreis Kleve (RPO). Wenn sich der Alltag nur noch um Alkohol dreht, ist es schwer, aus eigener Kraft aus dem Teufelskreis auszubrechen. Monika Krein hat es 2003 geschafft. In einer neuen Gruppe will sie nun Frauen Hilfe zur Selbsthilfe geben.
Jetzt bloß keine Geräusche machen. Sie konzentriert sich voll und ganz auf das Öffnen der Weinflasche. Der Korken darf nicht quietschen, sondern muss sanft aus der Flasche gleiten. Sonst könnte ihr Mann mitbekommen, dass sie schon morgens trinkt. – Eine Szene aus Monika Kreins altem Leben. Einem Leben, das allein der Alkohol bestimmte. Einem Leben, mit dem sie vor fünfeinhalb Jahren abgeschlossen hat.
Neuanfang am Aschermittwoch
Heute hilft die 56-Jährige anderen Frauen, die sich für ein Leben ohne Alkohol entschieden haben. Am 25. Februar will sie in Geldern eine neue kreisweite Ortsgruppe des "Deutschen Frauenbundes für alkoholfreie Kultur" gründen. Es ist nach Neukirchen-Vluyn und Dinslaken die dritte unter ihrer Anleitung. Das Datum ist nicht zufällig gewählt. "Am Aschermittwoch ist alles vorbei", sagt Krein, "bei uns fängt alles an."
Die neue Gruppe
Die Gruppe wendet sich nicht nur an (ehemalige) Abhängige, sondern auch Frauen, die aus Überzeugung keinen Alkohol trinken.
Die Gründung ist für Mittwoch, 25. Februar, 19 Uhr, im Evangelischen Gemeindezentrum Geldern, Heilig-Geist-Gasse 2-4, geplant.
Das erste Treffen ist am Dienstag, 3. März, 19 Uhr.
Anmeldung bei Monika Krein, Tel. 02845 949661.
Auch das "alles" meint Monika Krein durchaus wörtlich. "Viele Frauen, die bei uns in die Gruppe kommen, meinen zunächst sie sind nichts mehr wert", sagt sie. Selbstwertgefühl und Selbstachtung kommen nur langsam zurück. Jeder noch so kleine Schritt, den eine Frau wieder aus eigener Kraft schaffe, sei da ein Erfolg. "Während sie in der Therapie sind, befinden sie sich in einer Art Käseglocke", beschreibt es Monika Krein. Kommen sie dann zurück nach Hause, sind sie wieder mit den Problemen des Alltags konfrontiert.
Daher gehe es in den Gruppenstunden längst nicht nur um das Thema Alkohol. Gesprochen wird über alles, was die Frauen bewegt. Und wenn jemand etwas über das Thema Buddhismus erfahren möchte, dann schafft es auch das auf die Tagesordnung. "Bildung gehört ja durchaus auch zur Wiedereingliederung ins Leben", findet Krein.
Sie weiß genau, wovon sie spricht. 30 Jahre lang hat sie getrunken, bis sie ihren Hausarzt am 3. August 2003 um eine Überweisung in eine Entzugsklinik bat. Der war erleichtert, denn Leber und Bauchspeicheldrüse waren stark in Mitleidenschaft gezogen. Bis dahin war sie sogenannte "Spiegeltrinkerin", hielt ihren Pegel konstant bei zwei Promille. "Ich bin authentisch, erzähle den Frauen nicht einfach irgendetwas, was ich selbst nie erlebt habe", sagt sie. Das sei der große Vorteil ihrer Selbsthilfegruppen.
Verbündete finden
Wichtig ist es ihr, dass sich in dem Kreis nur Frauen austauschen. "Denn das Thema Alkohol ist – gerade bei Frauen – stark mit Scham behaftet. Da fällt es leichter, sich einer Frau zu öffnen", sagt Krein. Sie versteht die Gruppe als Zufluchtsort, an dem auch neue Freundschaften entstehen können. Denn eines sei wichtig: Beim lebenslangen Kampf gegen "den Teufel Alkohol" (Krein) Verbündete zu haben.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







