Kleve: Charme des Bauern-Lebens
VON KERSTIN OLAÑETA - zuletzt aktualisiert: 26.07.2008Kleve (RPO). Christa Jacobs betreibt auf dem Kellener Langeshof, der seit 1861 in Familienbesitz ist, ein liebevoll eingerichtetes Bauernmuseum. Mittlerweile hat sie mehr als 2000 Erinnerungsstücke zusammen getragen.
Ausgezeichnet
Der Langeshof wurde im Jahr 1861 im Schatten der alten Kirche erbaut, seitdem war er in Familienbesitz. 130 Jahre lang – bis zum Tode von Christa Jacobs Mutter 1991 – betrieb die Familie Landwirtschaft.
Der Langeshof hat bereits mehrere Auszeichnungen erhalten, unter anderem den Cellina-Sonderpreis von „Unser schönes Kellen“ in den Jahren 1996 und 2000 sowie 2003 den Karl-Thelosen-Gedächtnispreis für Heimatkunde.
„Sammeln ist wie ein guter Bazillus, der mich befallen – und nicht wieder losgelassen hat“, erzählt Christa Jacobs. Indes, sie wolle von diesem Bazillus, dieser Leidenschaft, die süchtig macht, auch gar nicht mehr geheilt werden . . . Die Hausherrin des Langeshofes in Kellen, An der Kirche 23, hat vor rund 14 Jahren damit begonnen, altehrwürdige Erinnerungsstücke an ihre Eltern, an die Großeltern, gemeinsam mit ihrem Vater Leo zusammenzutragen – und aufzustellen oder aufzuhängen. „Von der Säge bis zum Topf, von Bilderrahmen bis zu Kuchenformen fanden wir unter anderem auf dem Speicher zahlreiche Schmuckstücke“, sagt Jacobs. Die nicht einfach so verstauben – sondern der Nachwelt zugänglich gemacht werden sollten. 2000, zur 1250-Jahr-Feier Kellens, wurde die Idee zu einer Institution: Das Bauernmuseum eröffnete. „Wir begannen mit 1000 Teilen rund um den ländlichen Haushalt sowie landwirtschaftliche Kleinmaschinen, mittlerweile sind bei uns mehr als 2000 Sachen ausgestellt.“
Lieber heute als morgen
Die allesamt in liebevoller Kleinstarbeit und nach aufwändigen Restaurierungs-Maßnahmen so ausschauen, als warteten sie förmlich darauf, lieber heute als morgen wieder genutzt zu werden. Etwa das Waffeleisen: „Ich habe sechs Stunden gebraucht, um es wieder klappbar zu machen und vom Rost zu befreien“, erinnert sich Jacobs. Oder den Herd aus den 1920er Jahren: „Da hinein investierten wir rund 45 Stunden, jetzt ist er wieder voll funktionstüchtig.“ An jedem Teil – ob Marzipanförmchen, der Bartbinde, den Dosenöffnern, der Packung Hühneraugen-Pflaster, den Haarkämmen, dem Floh-Ei, der Mausefalle oder den Eggen – überall hätten sie oder ihr Vater selber Hand angelegt.
Freilich stammten die Erinnerungsstücke – alle aus der Zeit ab dem 17. Jahrhundert – nicht komplett aus dem Familienbesitz: „Wir besuchen Flohmärkte und Messen – und schauen, ob wir dort etwas für uns entdecken“, erzählt Jacobs. Das sei wie beim Lottospiel: „Mal finden wir vier, fünf Teile, mal kommen wir mit gar nichts nach Hause.“ Die Ausstellungsobjekte finden sich, ganz authentisch, in der alten Milchküche, im ehemaligen Kuhstall, dem Pferdestall, auf der „Dääl“ – später soll noch der alte Schweinestall dazu kommen.
„Zum einen“, erklärt Jacobs ihre Beweggründe, „bereitet mir das Sammeln riesige Freude. Zum anderen möchte ich den Reiz des Hofes aufrecht erhalten und der Nachwelt den Charme der alten, bäuerlichen Kultur erzählen und erklären.“ Das Bauernmuseum ist zwischen April und Oktober jeden ersten Sonntag im Monat von 11 Uhr bis 17 Uhr und nach Vereinbarung geöffnet.
Tel. 02821 9472
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