Kleve: Colt sorgt für kühle Köpfe
VON LUDGER DISTELKAMP - zuletzt aktualisiert: 04.09.2010Kleve (RPO). Colt hat den größten Auftrag der Firmengeschichte bekommen: Für vier Millionen Euro erhält die Universität Luxemburg einen Sonnenschutz. Klever Unternehmen arbeitet mit HRW zusammen, um Nachwuchs zu finden.
Das Aluminium in der O-Form vor den Fenstern ist der Schlüssel zum Tor der geistreichen Einfälle. 310 Tonnen des Metalls werden vor die Fassade der Universität Luxemburg gesetzt, damit die hellen Köpfe zwar durch Tageslicht noch mehr erleuchtet werden, aber unter den brennenden Sonnenstrahlen der Scharfsinn nicht schwindet. Die Klever Firma Colt, die Nummer 1 auf dem Weltmarkt für Sonnenschutz, hat damit den größten Auftrag ihrer Firmengeschichte bekommen. Für vier Millionen Euro werden die Spezialisten jetzt ein Jahr lang die Hochschule gegen Hitze "verkleiden".
"Made in Kleve" ist aber nicht nur bei diesem renommierten Projekt gefragt. Das Unternehmen wird bis zum Jahresende auf dem Dach des NRW-Landtags in Düsseldorf für eine Million Euro einen Sonnenschutz installieren, so dass der Plenarsaal stets im Schatten liegt. Durch die Lamellen sinken nicht nur die Energieaufwendungen für den Raum, sondern sorgen hoffentlich auch für kühle Politiker-Köpfe bei Entscheidungen. 1985 hatten die Klever bereits im Landtagsgebäude die Brandlüftung sowie die kombinierte Heizungs- und Lüftungsanlage installiert. "Wenn nun noch der Sonnenschutz hinzukommt, sind unsere drei Kompetenzen in einem Bauwerk vereinigt", freut sich Lukas Verlage, Geschäftsführer der Colt International GmbH in Deutschland.
50 Mio. Euro Umsatz
Colt ist seit 1966 in Kleve. Das Unternehmen hat in Deutschland im vergangenen Jahr einen Umsatz von 50 Millionen Euro erzielt. Der Betrieb kooperiert mit den Universitäten Detmold, Rotterdam und Luzern in einem Verbund.
Beschäftigte des Unternehmens, das Geschäftsführer Lukas Verlage leitet, halten Vorlesungen im Ingenieurstudiengang "Fassadenmaster".
Die Colt-Gruppe, eine englische Firma, hat weltweit 1000 Mitarbeiter und 2009 einen Umsatz von knapp 200 Millionen Euro verbucht.
Ohne Kurzarbeit ist die Firma durch die Krise gegangen. Es habe mehrere Aufträge in Millionenhöhe gegeben, so der Geschäftsführer. "Das Problem ist allerdings, dass es sehr schnell anders laufen kann, wenn Colt große Projekte verliert", betonte Verlage im RP-Gespräch. Dennoch blickt er "positiv" in das nächste Jahr.
Der Geschäftsführer plant für die Zukunft in Kleve. Das Unternehmen sucht Ingenieure oder Techniker für Maschinenbau und Konstruktion. Colt hat deshalb Kontakte mit der Hochschule Rhein-Waal (HRW) geknüpft, um qualifizierten Nachwuchs zu bekommen. "Wir stellen Praxissemester zur Verfügung und helfen Studenten bei ihren Abschlussarbeiten", sagte der Colt-Manager. Für den Betrieb arbeiten in Deutschland 230 Menschen, 110 davon in Kleve. 100 Ingenieure, Techniker und Betriebswirte sind in der Firma beschäftigt.
Die Arbeit der Colt-Spezialisten ist bei bekannten Bauvorhaben schon geschätzt worden: Die Klever haben in der Arena auf Schalke die Belüftung installiert, damit der Fußball-Kessel nicht überkocht. Referenzobjekte sind auch verschiedene Rollex-Gebäude in der Schweiz. Im CentrO sowie in den Flughäfen Berlin-Schönefeld, Wien und Düsseldorf haben die Brandschutzexperten Rauchschürzen eingebaut, damit bei einem Feuer die Menschen nicht ersticken.
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