Kreis Kleve: Das lange Warten auf den Arzttermin
VON THOMAS CLAASSEN - zuletzt aktualisiert: 09.05.2007Kreis Kleve (RPO). Eine Antwort, die verwunderte: Nein, in diesem Jahr könne sie keinen Termin mehr beim Augenarzt bekommen, erfuhr eine erstaunte Mutter aus Kalkar, als sie nachfragte, wann sie mal mit ihrer Tochter vorbeikommen könne, um überprüfen zu lassen, ob deren Brille noch die richtige Glasstärke habe. Sofort rief die Mutter bei der RP an.
Keine Unterversorgung
Nachfrage bei Dr. Brigitte Schmelzer. Sie ist schließlich nicht nur Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung, sondern selbst Augenärztin, hat ihre Praxis in Goch. Kann das sein, Frau Dr. Schmelzer? Ja, das kann!
Die Medizinerin gestern im RP-Gespräch auf die Frage, ob es eventuell eine Unterversorgung mit Augenärzten im Kreisgebiet gebe: „Nach Zahlen gibt es die nicht. Es muss, so die Vorgaben auch der Kassen, einen Augenarzt je 23 000 Einwohner geben. Das ist bei uns überall der Fall. Aber Sie müssen auch sehen: Trotzdem gibt es in Großstädten eine wesentlich dichtere Versorgung, in Düsseldorf beispielsweise um 100 bis 200 Prozent besser als bei uns im Kreis Kleve.“
Und – ist vielleicht die Nachfrage nach augenärztlichen Fach-Leistungen gestiegen? Dr. Schmelzer: „Mit Blick auf den demographischen Wandel im Lande, mit Blick darauf, dass es immer mehr Menschen gibt, die immer älter werden, ganz sicher. Aber die gesetzlichen Krankenkassen sehen keine Veranlassung, am ,Schlüssel’ – also ein Augenarzt je 23 000 Einwohner – etwas zu ändern. Der rührt übrigens noch aus der Seehofer-Zeit, wurde im Jahre 1993 beschlossen!“
Das leidige Kontingent
Viel entscheidender, so die Vorsitzende weiter, sei aber das Thema „Kontingente“. „Sie müssen sich vor Augen halten: Wenn ein Facharzt nicht nur konservative Augenheilkunde betreibt, sondern auch operiert, dann hat er von den Kassen vorgegebene Kontingente zu beachten.“
Will also sagen: Sie machen Vorgaben für Fallzahlen. So und so viele Operationen sind üblich, mehr nicht. Vor allem bei Ärzten, die noch nicht so lange praktizieren, könne ein solches Kontingent auch schon mal kleiner ausfallen. „Und dann haben Sie es ganz, ganz schnell überschritten!“, so Dr. Schmelzer. „Und Sie müssen, irgendwie, für Ausgleich sorgen.
Das können Sie vielleicht dadurch tun, dass Sie weniger Ihrer Zeit für konventionelle Untersuchungstermine aufwenden.“ Der Arzt, das faule Wesen? Dr. Schmelzer: „Mitnichten! Aber wir wären ja schon froh, wenn wir von den gesetzlichen Krankenkassen überhaupt das bekämen, was wir für die Patienten tatsächlich leisten!“ Das sei aber schon lange nicht mehr so. Und: Die Lage der Ärzte werde sich noch weiter verschlechtern.
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