Kleve: Das Tor der Nibelungen
VON MATTHIAS GRASS - zuletzt aktualisiert: 09.02.2010Kleve (RPO). Der Kalkarer Bildhauer Christoph Wilmsen-Wiegmann wird ein monumentales Steintor von den Nibelungen schaffen. Der Stein wird im Atelier des Künstlers in Appeldorn bearbeitet und soll Ende Februar in einem norwegischen Steinbruch gebrochen werden.
kalkar/Xanten Auf den Hansetagen setzte der Kalkarer Bildhauer Christoph Wilmsen-Wiegmann schmale Stein-Boote, groß wie einstige Weberschiffchen, auf Salzkegel. Und im Dämmerlicht des ehemaligen Hafenspeichers zog so plötzlich die Handelsflotte der hansischen Kaufleute gen fremde Welten. Vor Museum Schloss Moyland steht seine große Steinsichel im Kreisverkehr wie ein Wegzeichen, vor der Klever Stiftskirche sind es ins Pflaster gestellte Stelen, über deren Köpfe man im Vorübergehen so gerne streicht, von Hochelten aus peilt man zwischen seinen Steinen gen Klever Amphitheater. Jetzt wird eine neue Arbeit des Kalkarer Bildhauers ein weiteres Wegzeichen an den Niederrhein setzen: Monumental kündet künftig ein mächtiges Steintor von Siegfried und den Nibelungen.
Ende Februar
Für das Nibelungen-Tor soll der Stein aus Norwegen kommen. Ein schwarzer Stein vom westlichen Ufer des Oslofjords.
Ende Februar wird der Stein gebrochen – gut 34 Tonnen schwer ist er, bevor er, in zwei Teile zerlegt, übers Meer und mit Lkw in Christoph Wilmsen-Wiegmann Werkstatt kommt und da seine Tor-Form erhält.
Vier Meter hoch, drei Meter breit und mit einem Durchgang von einem Meter Breite steht das Tor aus skandinavischem Granit an der Schnittstelle zwischen römischem und mittelalterlichem Xanten. Wie die nach der Ermordung Siegfrieds zu Attila in den Untergang ziehenden Nibelungen ist auch das Tor gebrochen, eine Seite kippt leicht aus dem Lot.
34-Tonnen Rohblock
Wilmsen-Wiegmann will den 34-Tonnen Rohblock noch im skandinavischen Steinbruch mittig teilen. Die Bruchspuren des Blocks werden erhalten, zumindest der Durchgang wird poliert. "Aufgestellt wird das dann noch 24 Tonnen schwere Tor im Zentrum des Kreisels, in der exakten Wegachse der Rheinstraße, also zwischen der römischen und der mittelalterlichen Stadt", sagt der Bildhauer. "Steine erzählen", überschrieb vor Jahren Franz-Josef van der Grinten die Arbeit von Wilmsen-Wiegmann. Tatsächlich erzählt auch der wuchtige Xantener Stein – vom Lied der Nibelungen, von Siegfried aus Xanten, vom Drachentöter und seiner Krimhild, von Hagen und dem Sänger Volker, die alle Brücken sich abbrachen. Wie auch das Tor gebrochen ist.
Doch trotz der Brüche haben beide nichts von ihrer Wuchtigkeit eingebüßt. Wie Siegfried und seine Nibelungen werden die alten Geschichten mit den wundersamen Erzählen hier wieder wach.
Mit Blick auf das Xantener Stein-Tor lobt Franz-Josef van der Grinten, dass Wilmsen-Wiegmann ihm eine "Erscheinung gegeben (hat), die seinem für das Wesentliche geöffneten Blick entspricht: still nachdenkliches Erfassen der Tragik ohne falsches Pathos".
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