Kleve: Das Wesentliche:
VON ANDREAS POORTEN - zuletzt aktualisiert: 16.02.2008Kleve (RPO). frei werden
Aschermittwoch, Abends auf einer niederrheinischen Landstraße. Eine junge Frau ist in ihrem Auto durch die Dunkelheit unterwegs. Dann sieht sie die Kelle. Polizeikontrolle. Wem wird es da nicht ganz mulmig im Bauch? Man weiß es nicht, vielleicht ein klein wenig zu schnell gewesen – oder ein Rücklicht, das nicht funktioniert? Nun, die junge Frau wird raus gewunken, hält an. Allgemeine Polizeikontrolle. Zu dumm, das war doch auch in den Medien ohne Ende angekündigt.
Ein Polizist strahlt ihr mit einer Taschenlampe ins Gesicht. Dann hört sie ihn zu seinem Kollegen sagen: „Die Dame hier kann weiter fahren. Das geht in Ordnung. Die hat ein Aschenkreuz auf der Stirn.“ Nun, zur Freude der jungen Frau war die Kontrolle schnell beendet, da die Polizisten wussten, dass bei Christen an diesem Mittwoch der Blutzuckerwert eher zu niedrig als der Blutalkoholwert zu hoch ist. Aber ist ein solches Aschenkreuz auch im Sinne Jesu?
Eine halbe Stunde vorher hatte die junge Frau im Gottesdienst noch die Mahnung Jesu gehört: „Du aber salbe dein Haar, wenn du fastest und wasche dein Gesicht, damit die Leute nicht merken, dass du fastest.“ (Mt 6,17f) Offensichtlich was das Aschenkreuz für die junge Frau eine Hilfe, ohne großen Zeitverlust nach Hause zu kommen. So soll das Aschenkreuz für die Christen eine Art „Starthilfe“ sein, in die Fastenzeit hinein- und auf Ostern zuzugehen. Das Wesentliche ist es nicht.
Das Wesentliche spielt sich im Verborgenen ab – so wie es Jesus auch sagt: „Dein Vater, der das Verborgenen sieht, wird es dir vergelten.“ (Mt 6,18) In der vergangenen Woche stand im Regionalteil der Zeitung eine kleine Umfrage bei Jugendlichen. Niemand der Befragten kannte jemanden, der fastet. Vielleicht sogar ein gutes Zeichen? Denn das Wesentliche ist unsichtbar, wird nicht nach außen gekehrt. Und das Wesentliche des Fastens ist, frei zu werden.
Nicht so sehr frei zu werden von irgendwelchen Dingen, seien es nun Pfunde, Süchte oder schlechte Gewohnheiten. Das Wesentliche ist, frei zu werden und zu sein für Gott: Dass Gott wieder ein wenig mehr in der Mitte des Lebens und des Alltags rückt. Das Aschenkreuz – Startzeichen für den Weg in die Freiheit – zu Gott.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







