Kranenburg: Dauerstress im Tierheim
VON MARC CATTELAENS - zuletzt aktualisiert: 23.08.2010 - 10:25Kranenburg (RPO). Wenn andere Ferien machen, haben die Mitarbeiter des Albert-Schweitzer-Tierheims alle Hände voll zu tun. Dann werden Hunde und Katzen abgegeben, die niemand mehr will. Jetzt kam noch ein spektakulärer Einsatz hinzu.
Es ist immer das Gleiche. Weil Herrchen und Frauchen sich einen schönen Urlaub machen wollen, hat Bello Pech gehabt. Immer zur Ferienzeit geben zahlreiche Tierbesitzer ihre Vierbeiner ab. Und die Tierheim-Mitarbeiter dürfen dann zusehen, wo sie die vielen Hunden und Katzen unterbringen und wie sie das Geld für das zusätzlich benötigte Futter auftreiben. Sigurd Tenbieg, Vorsitzender des Klever Tierschutz-Fördervereins, kennt diese Situation zur Genüge. Auch in diesen Sommerferien wurden wieder etliche Fundtiere zum Albert-Schweitzer-Tierheim in Mehr gebracht – Tiere, die ausgesetzt wurden, keiner wollte sie mehr haben. "Zum Glück ist das Tierheim groß. Die Situation ist nicht dramatisch. Dennoch sind wir dankbar für Tierfreunde, die einen Hund adoptieren möchten", sagt Tenbieg.
Das Tierheim
Heim-Plätze Durchschnittlich werden rund 50 Katzen und 250 bis 300 Hunde beherbergt.
Kontakt Albert-Schweitzer-Tierheim Keekener Straße 40, Kranenburg-Mehr, Tel. 02826 92060.
Öffnungszeiten Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag von 16 - 19 Uhr, Samstag von 14 - 18 Uhr
Helfer Dankbar sind die Mitarbeiter für die vielen Freiwilligen, die Hunde ausführen.
Und wenn es eh schon stressig ist, kommt noch ein aufregender Einsatz hinzu: Vor wenigen Tagen machte eine Zollbeamtin die Tierschützer auf in ihren Augen unhaltbare Zustände auf einem Bauernhof in Niel aufmerksam. "Die Zollbeamtin berichtete uns, dass ein Niederländer, der dort in unmittelbarer Grenznähe wohnt, 35 Schäferhunde und zehn Welpen im Alter von sechs Monaten in einer Halle hält", sagt Tenbieg. Weiterhin habe die Beamtin den Tierschützern erzählt, dass die Hunde zum Kauf angeboten würden. Der Besitzer verkaufe sie für 300 bis 400 Euro verkaufen. Ab und zu bekämen die Hunde Futter im Wert von 150 Euro die Woche. Im Stall, in dem die Hunde gehalten würden, sei es stets dunkel, so der Bericht der Beamtin weiter.
Daraufhin wurden die Tierschützer tätig. "Auf dem Hof wusste angeblich niemand Bescheid. Daraufhin fuhren wir mit dem Einsatzfahrzeug den Eingangsweg entlang und entdeckten ganz am Ende der Hallen die Schäferhunde", schildert Tenbieg den Einsatz. Tatsächlich hätten die Schäferhunde im Dunkeln gelebt. Lediglich durch zwei Türen sei ein wenig Licht in die Halle gedrungen. Darin hätten sich zwei Zwinger befunden, die jedoch viel zu klein gewesen seien. "Insgesamt entsprach die Haltung der Schäferhunde nicht ansatzweise den Mindestbestimmungen nach der Hundehaltungsverordnung", sagt Tenbieg. Die Hunde hätten keinen Auslauf gehabt, außerdem hätten Liegebretter gefehlt. Die Zollbeamtin habe dann Anzeige gestellt. Laut Eduard Großkämper, Sprecher des Kreises Kleve, hätten daraufhin Mitarbeiter des Kreisveterinäramtes die Halle unter die Lupe genommen. "Es stellte sich heraus, dass der Besitzer keine Genehmigung für eine Hundezucht hatte", so Großkämper. Die Zustände in der Halle hätten jedoch "keinen Anlass für Sofortmaßnahmen" gegeben.
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