Kreis Kleve: Debatte über "Fluchhafen"
VON ANJA SETTNIK - zuletzt aktualisiert: 23.03.2011 - 10:43Kreis Kleve (RPO). Die Aktionsgemeinschaft gegen Fluglärm und Luftverschmutzung hatte Kreis- und Landespolitiker zur Podiumsdiskussion ins Kevelaerer Bühnenhaus eingeladen. Positionen wurden sachlich ausgetauscht.
Viel Applaus für die Linke und den Grünen, wenig Verständnis für den Vertreter der CDU: Ganz ungewohnte Sympathiebezeugungen gab es gestern Abend im Kevelaerer Konzert- und Bühnenhaus. Die Aktionsgemeinschaft gegen Fluglärm und Luftverschmutzung hatte zu einer Podiumsdiskussion zum Thema Airport Weeze eingeladen. "Flughafen oder Fluchhafen" war der Abend provokativ überschrieben, und viele Bürger nicht nur aus Kevelaer nahmen die Chance wahr, sich unterschiedliche Sichtweisen anzuhören. Alle im Landtag vertretenen Parteien waren im Podium vertreten. Aus dem Kreistag jedoch fehlten CDU und SPD.
Das Publikum
Aus dem Publikum kamen vorwiegend pragmatische Fragen nach dem Geschäftsmodell des Flughafens und nach den Möglichkeiten, sich aus der Abhängigkeit von Ryanair zu befreien. Die Kreis-Grünen forderten, der Flughafen müsse Umweltauflagen erfüllen, Flächenverbrauch kompensieren und Abwasser selbst reinigen.
Düsseldorf-Fürsprecher
Entsprechend hatte Flughafengeschäftsführer Ludger van Bebber in der Diskussion nicht viele Partner auf seiner Seite. Auch der Düsseldorfer CDU-Mann Olaf Lehne half ihm kaum, hielt er doch das Forum für geeignet, ein Loblied auf den Airport der Landeshauptstadt anzustimmen. "In Düsseldorf wird Geld verdient, in Weeze nicht", fasste er zusammen.
Kevelaers Bürgermeister Axel Stibi, der zwischen wirtschaftlicher Überzeugung und den berechtigten Interessen seiner Bürger (etwa die lärmbelasteten Winnekendonker) abwägen muss, bekannte sich zum Airport, forderte aber dazu auf, die Nöte der Menschen ernst zu nehmen. Moderator Helge Drafz bat alle Podiumsmitglieder, sich und ihre Positionen darzustellen und bezog stets den Vorsitzenden der Flughafengegner, Karl Heinz Kandolf, mit in den Verlauf der Debatte ein. Die blieb sachlich und weniger emotional, als zu erwarten gewesen war. Einzig Özlem Demirel von den Linken sorgte mehrfach für zustimmendes Klopfen eines großen Teils der Zuhörerschaft, denn ihre Fraktion hält nichts von kleinen Flughäfen und Billig-Airlines. Sie glaubt nicht an die "Job-Maschine", die laut van Bebber im und am Flughafen inzwischen rund 1200 Arbeitsplätze, davon 70 Prozent in Vollzeit, gebracht hat.
"Keine Subventionen mehr" und Nachtruhe zwischen 23 und sechs Uhr sind die Forderungen der SPD. In den kommenden Jahren – die rot-grüne Koalition habe dazu ja noch jahrelang Zeit – werde ein Luftverkehrskonzept 2020 entwickelt, über das derzeit noch nicht viel gesagt werden könne. Dietmar Brockes (FDP) hatte gemutmaßt, die Koalition halte der Opposition Informationen vor. "Grottenschlecht" ist nach Meinung der Aktionsgemeinschaft die finanzielle Lage des Airports. Ohne die Luftverkehrssteuer, konterte van Bebber, stünde das Unternehmen inzwischen richtig gut da. Wegen der Grenzlage und des stark international ausgerichteten Hauptkunden Ryanair sei die derzeitige Entwicklung in der Tat schwierig.
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