Niederrhein: Den Beruf Lehrer lernen
VON MATTHIAS GRASS - zuletzt aktualisiert: 12.01.2011Niederrhein (RPO). Sie kommen von der Uni oder als Seiteneinsteiger aus dem Beruf – in Kleve lernen knapp 500 Lehramtsanwärter und Referendare aus den Kreisen Kleve und Wesel ihren künftigen Beruf "Lehrer". Intensiv-Woche auf dem Wolfsberg.
Dave Brubecks "Take Five" säuselt leise im Hintergrund, an den Tischen ringsum arbeiten angehende Lehrer an einem "professionellen Selbstkonzept". Still. Jeder für sich. (Gott für uns alle). In der Mitte des Saales, dessen bodentiefe Fenster weit über die hügelige, regenverhangene Landschaft zwischen Kleve und Nimwegen blicken, ist der künftige Weg der Pädagogen aufgezeigt: Vorne liegt ein Hammer – die Begegnung mit dem Alltag der Schule: dem Trott einerseits, die Herausforderung andererseits. Daneben ein Zollstock – die Messlatte, die sich die künftigen Pädagogen anlegen. Blaue, große Karteikarten kennzeichnen den Weg der Ausbildung bis zur schriftlichen Hausarbeit. Es gilt, die eigene Basis zu erforschen, Visionen und Utopien zu haben, Ziele zu formulieren, steht darauf.
Selbstkonzept
30 Lehramtsanwärter (LAA) und zehn Lehrer in Ausbildung (LIA, so heißen Seiteneinsteiger, die an der Uni kein Lehramtsfach studiert haben) für Haupt-, Real- und Gesamtschulen (früher Sekundarstufe I) arbeiten hier drei Tage an besagtem "professionellen Selbstkonzept", das sie durch ihre Ausbildung begleiten wird.
"Diese pädagogische Woche ist fester Bestandteil unserer Lehrerausbildung – sie steht ganz am Anfang und später noch mal zum Abschluss auf unserem Programm", sagt Dr. Micaela Krone, Seminarleiterin für die LAA und LIA der ehemaligen Sekundarstufe I. Man habe für diese Selbstbefragung bewusst die Jugendtagungsstätte auf dem Wolfsberg in Kranenburg gewählt. Es sollte aus dem Seminar-Alltag in Kleve heraus gehen, um hier in der Stille konzentriert an sich und seinem Berufsbild arbeiten zu können. Allein und in der Gruppe.
"Alle haben – auch schon als Schüler – verschiedene pädagogische Strömungen kennengelernt. Seine Lehrer zum Beispiel, die, die man gut fand, die, die einem weniger gefielen. Man hat eigene Vorstellungen, wie man mit Schülern umgehen möchte, solche, die die Hochschulen vermittelt haben", erklärt Krone. Hier gilt es nun, sich selbst zu befragen, seine künftige Rolle als Lehrer zu beschreiben. "Man muss sich selbst definieren, sich sowohl der Außen- als auch der Innensicht stellen", sagt Frank Pieper, Seminarausbilder. Dazu haben die Ausbilder wie bei einem sportlichen Zirkeltraining zwölf Stationen aufgebaut, an denen bestimmte Aufgaben erfüllt werden müssen, erläutert Kristina Liehr, Seminar-ausbilderin. Es gilt unter anderem, zehn Merkmale guten Unterrichts zu kommentieren, sich einzuordnen. Es gibt Checklisten zu den Kompetenzen und Standards, die man als künftiger Lehrer zu erfüllen hat. "Wir wollen auch zur steten Selbstüberprüfung anregen", fügt Regine Köllner-Kolb an, ebenfalls Ausbilderin. Diese Selbsteinschätzung wird dann in der Gruppe diskutiert. Und zum Abschluss auch schriftlich fixiert. "Damit sind unsere Lehramtsanwärter bestens auf den Unterricht und auch auf Einstellungsgespräche vorbereitet", sagt Köllner-Kolb.
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