Kleve: Der allerletzte Schultag
VON JULIA LÖRCKS - zuletzt aktualisiert: 02.07.2009Kleve (RPO). Kein Zeugnis und kein Freudestrahlen: An der St.-Lambertus-Kirche in Donsbrüggen wurde gestern Abschied gefeiert. Nach 23 Jahren schloss die Grundschule ihre Pforten. Ab August gehen die Schüler in Nütterden zur Schule.
Kleve-Donsbrüggen Als sie kam, unterrichtete sie eine Klasse mit vier Kindern; als sie ging, hatte sie noch 49 Grundschüler in ihrer Obhut. Renate Bremen, 56 Jahre alt, ist seit 23 Jahren Lehrerin an der Lambertus-Schule in Donsbrüggen, vier Jahre davon war sie kommissarische Schulleiterin. "Dieses Amt habe ich jetzt noch etwa eine Stunde inne", sagt Bremen. In ihrer Stimme liegt Wehmut. Viel Wehmut.
Jetzt, das war gestern Morgen – gegen 10 Uhr. Es war der Tag der allerletzten Schulstunde in Donsbrügen, der Tag der Standortschließung. Mit einem Gottesdienst in der katholischen St.-Lambertus-Kirche wurde eine Stunde lang Abschied gefeiert. Pfarrer Bernhard Weskamp, der sich lange und unermüdlich für den Erhalt der kleinen Grundschule am Wald eingesetzt hatte, zelebrierte die Messe. Im Mittelpunkt stand der Schutzengel, den alle Schüler der Klassen 2, 3 und 4 ausgehändigt bekamen. Im Anschluss wurde gefrühstückt. Im neu errichteten und farbenfrohen Jugendhaus an der Mehrer Straße gab es Brot und Brötchen, Wasser und Apfelschorle. Gespielt wurde kaum. Auch Jannis (9), Paul (8) und Hendrik (9) hockten auf einer der vielen Bierzelgarnituren und mümmelten an ihrer Käseschnitte. "Ich finde es doof, dass die Schule jetzt geschlossen wird. Ich wohne direkt nebenan", sagte Paul. Seine beiden Freunde aus der 3. Klasse nickten ihm zu.
Die anderen Schulen
Wie Schulamtsleiterin Annette Wier auf Anfrage unserer Zeitung sagte, steht noch nicht fest, was mit dem Gebäude der Lambertus-Schule in Donsbrüggen passiert.
Die nächste Schulschließung steht im nächsten Jahr in Keeken an. Bei den anderen Grundschulen ist der Bestand aber gesichert.
Auch bei der Hauptschule in Materborn gibt es Entwarnung. "Die Genehmigung der Bezirksregierung liegt noch nicht vor, aber wir gehen davon aus, dass es dieses Jahr weitergeht."
Die Türen der Lambertus-Grundschule am Spielberg 4 waren derweil verschlossen. Seit 1973 steht die Schule an diesem Standort. Doch schon vor mehr als 200 Jahren wurde eine Dorfschule in alten Chroniken von Donsbrüggen erwähnt. "Vor ein paar Tagen wurden die Tische und Stühle ausgeräumt. Es sieht dort aus wie auf einer Baustelle. Das konnten wir keinem Kind der Welt mehr zumuten", sagte Bremen. Aus ihrem Unmut machte sie keinen Hehl mehr. Bremen kennt andere Zeiten. Zeiten, in denen etwa 100 Kinder das Schulgebäude mit Leben füllten. "Allerdings wird die Schule seit mehr als sechs Jahren nur noch kommissarisch geleitet – erst von meiner Vorgängerin, und jetzt von mir. Nach einem geeigneten Schulleiter hat die Verwaltung nicht mehr gesucht", so Bremen. Andrea Küpper, Mutter des zehn Jahre alten Daniel, sprach gestern von einer "beschlossenen Sache".
Gemeinsam mit allen anderen Kindern der Lambertus-Schule besucht ihr Sohn ab August die St.-Georg-Grundschule in Nütterden. "Die Schüler gehen geschlossen in die Nachbargemeinde. Das war von der Entfernung her die beste Alternative. Zudem empfängt die Schule unsere Kinder mit offenen Armen", sagte Bremen.
Strohmenger geht mit
Der acht Jahre alte Paul beschrieb dies mit seinen Worten: "Wir bleiben zusammen, ziehen nur in ein anderes Klassenzimmer." Seine neue Klassenlehrerin wird Angelika Strohmenger. Die Deutsch-, Kunst- und Mathelehrerin der Lambertus-Schule ist die Einzige von vier Lehrern, die mit nach Nütterden geht. Dabei hilft sie den Schülern nicht nur beim Übergang, sondern steht ihnen auch mit Rat und Tat zur Seite. "Die anderen Lehrkräfte wechseln in andere Schulen", so Bremen. Sie selbst unterrichtet im nächsten Schuljahr an der Marienschule in Kleve – als ganz normale Lehrerin.
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