Kleve: Der Alte Fritz und das Kleverland
VON LUDWIG KRAUSE - zuletzt aktualisiert: 31.01.2012Kleve (RP). Der Journalist Tom Goeller ist in seinem Buch dem Mythos Friedrichs des Großen auf der Spur. Im Schloss Moyland hat er daraus vorgelesen und die Beziehung des Königs zu Kleve beleuchtet. Der Schriftsteller Joachim Schädlich erzählt in seiner Novelle von den niederrheinischen Gesprächen.
bedburg-hau-moyland Derzeit ist er in aller Munde, der 300. Geburtstag Friedrichs des Großen. Der Alte Fritz, von vielen als bedeutendster preußischer König gesehen, hatte auch eine Beziehung zu Kleve und dem Schloss Moyland, die aber nicht nur von Wohlwollen geprägt war. "Taugt er was, soll er in Berlin eingesetzt werden. Kann er nichts, soll er nach Kleve", wird Friedrich immer wieder gerne zitiert.
Anlässlich des Geburtstages hat das Schloss Moyland mit Tom Goeller einen Friedrich-Experten eingeladen, der in seinem aktuellen Buch "Der Alte Fritz: Mensch, Monarch, Mythos" nicht nur Historisches neu interpretiert, sondern auch Prominente zu Wort kommen lässt. "Friedrich kam schon sehr schnell nach seiner Thronbesteigung nach Kleve", erzählt Goeller. Aber nicht etwa, weil er die Landschaft so schätzte, sondern aus politischen Gründen. "Seinen ersten Konfliktherd hatte Friedrich nicht in Schlesien, wie viele denken, sondern hier in Kleve", so der Autor. Er habe den Streit mit dem Bischof von Lüttich beilegen wollen. "Kleve diente ihm dafür als Ausgangspunkt." Den Streit konnte Friedrich beilegen, der Bischof hatte ihm 20 000 Gulden zu zahlen.
Heute ist die Beziehung des Königs zu Schloss Moyland viel bekannter. Hier traf er das erste Mal auf den Philosophen Voltaire, der später sogar in Kleve eine Philosophenschule errichten wollte. Dabei ist das Treffen auf dem Schloss der Überlieferung nach nur einem Zufall zu verdanken, denn Friedrich soll nur wegen einer Krankheit in Moyland geweilt haben. "Ich vermute aber, dass er Voltaire nicht hätte nach Moyland kommen lassen, wenn er ihn hier nicht nach seinem Geschmack hätte empfangen können", sagt Goeller. Der Preußenkönig habe andere Wasserschlösser, wie etwa das in Rheinsberg, geliebt, erzählt er.
Goeller hat Amerikanische Geschichte und Politik studiert und arbeitet als Journalist. Zu dem Preußenkönig ist er eigentlich nur aus Trotz gekommen. "Als ich nach Berlin gezogen bin, habe ich mir mit meiner Frau die vielen Schlösser der Umgebung angesehen und jeder hat etwas anderes über Friedrich erzählt", erinnert er sich.
Auch namhafte Politiker hätten ihm nur Oberflächliches erzählen können. Da habe er es wissen wollen. Doch auch für den Experten Goeller gibt es noch Neues zu entdecken. So erfuhr er erst während seiner Lesung im Schloss Moyland zum ersten Mal, wo genau sich Friedrich und Voltaire getroffen haben.
Info "Der Alte Fritz: Mensch, Monarch, Mythos" von Tom Goeller ist im Verlag Hoffmann und Campe erschienen. Der Preis: 21,99 Euro. 351 Seiten. ISBN: 3455502199
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