Kleve: Der Gangster Macbeth
VON MATTHIAS GRASS - zuletzt aktualisiert: 15.08.2009Kleve (RPO). Das Kölner NN-Theater/Neue Volksbühne gastierte mit einer eigenwilligen Macbeth-Inszenierung im Innenhof der Schwanenburg vor "ausverkauftem" Haus. Die Inszenierung überraschte mit wenig Tragik und viel Slapstick auf einer Mini-Bühne-
Wenn das Kölner NN-Theater mit einem der meistgespielten Shakespeare-Dramen in der Stadt gastiert, ist erst nach der Aufführung klar, wie viel Drama und wie viel Situationskabarett in der Aufführung steckt. Die Gastspiele der Kölner in Kleve gehören zu den Höhepunkten des Klever Kultursommers mit ihren ganz eigenwilligen Interpretationen klassischer Stoffe – sei esGoethes Faust als Outlaw im Wilden Westen, eine wunderbare Nibelungen-Geschichte oder eben jetzt Shakespeares blutrünstiger Macbeth. Jenem schottischen König aus der Zeit zwischen 1040 und 1057 hat der große englische Dramatiker 1606 mit der kürzesten der großen Tragödien ein – wenn auch nicht gerade schmeichelhaftes – Denkmal gesetzt.
Drei für alle
Regisseur und Shakespeare-Freund George Isherwood verlegte das Königsdrama ins Chicago der Prohibition. Und so meuchelt Macbeth hier nicht König Duncan, sondern den Don (mit netten Grüßen an Marlon Brando und seinem Don Corleone) und richtet angespornt von seiner skupellosen wie ehrgeizigen Frau Blutbäder nicht unter schottischen Adligen sondern unter amerikanischen Gangstern und Polizisten an. Gerade mal drei Schauspieler braucht Isherwood, um das intensive Drama auf die Mini-Bühne zu bringen, die im Burghof aufgestellt war. Das brachte tolle Einstellungen und manchen Slapstick auf die schräge Rampe, lud ein zu rasanter Turnerei auf dem Gerüst der nur scheinbar wackeligen Bühne. Schön die drei Hexen im Kostüm der Heilsarmee. Sie prophezeihen Macbeth, dass er herrschen wird und von keinem von einer Frau Geborenen besiegt werden kann. Macduff erblickte das Licht der Welt per Kaiserschnitt und wird so zum Rächer an Macbeth. Ute Kossmann im Mini-Kleid mit Dollar-Noten im halterlosen Strumpf als Geliebte des Don, in Lederjacke als Banquos Sohn und als Lady Macbeth hatte eine schöne Bühnenpräsenz. Michl Thorbecke als Macbeths Weggefährte Banquo, als Rächer Macduff, dessen Familie Macbeth gemeuchelt hatte, und als Torwächter stand ihr in nichts nach. Zu den beiden Schauspielern kam Musikerin Antje von Wrochem mit ihrem wie immer wunderbaren Geräusch- und Musikgerät und Ozan Akhan von der Kölner Stunksitzung als Macbeth. Zwar versuchte Akhan seiner Figur etwas von Macbeths Zerrissenheit zu geben, hatte Kossmann Anklänge der ob ihrer Verbrechen irre werdenden Lady Macbeth – doch das ging im allgemeinen Kleinkunsttrubel unter, der letztlich die Inszenierung bestimmte. Darin passte dann zu nahtlos Shakespeares makaber-komische Torwächterszene bestens – von der Tragödie, die diese Szene aber erst makaber macht, blieb nicht viel.
Unterhaltsam war es, tosender Applaus für die engagierte Truppe.
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